Auch gegen Bayer Leverkusen wird René Wagner wieder Spieler aus dem Profikader streichen müssen. Der Interimstrainer erhofft sich durch Gespräche Verständnis und Akzeptanz, aber keineswegs Zufriedenheit.
Kampf um Kölner Kaderplätze
René Wagner hat in seinen ersten Wochen als hauptverantwortlicher Trainer eine Art Luxusproblem, das sein vorheriger Chefcoach bei all den Verletzungen im Kölner Saisonverlauf nur selten hatte. Er kann fast aus dem Vollen schöpfen, muss dafür aber auch Spieler aus dem Spieltagskader streichen.
Beim Debüt in Frankfurt nahmen ihm der gesperrte Eric Martel und Jahmai Simpson-Pusey, der die Partie verpasste, weil er Vater wurde, noch die Wahl ab. Gegen Bremen kehrten beide zurück, Dominique Heintz und Florian Kainz schafften es nicht in den Kader. Beim FC St. Pauli war dann auch Joel Schmied nach seiner Muskelverletzung wieder bereit für einen Kaderplatz, weshalb neben den beiden Routiniers ein dritter Name auf dem Spielberichtsbogen fehlen musste.
„Denis war nicht glücklich darüber, ist ja logisch.“ (René Wagner)
Wagners Wahl fiel auf Denis Huseinbasic, den er bei seinem Debüt in Frankfurt – auch aufgrund von Isak Johannessons Reisestrapazen – noch in die Startelf gestellt hatte. „Es war keine einfache Entscheidung, Denis war nicht glücklich darüber, ist ja logisch“, erklärte der Interimscoach am Donnerstag. Die Wahl sei zwischen dem etwas defensiveren Huseinbasic und dem offensiveren Felipe Chavez gefallen.
Die Leihgabe vom FC Bayern inklusive Kaufoption kam gemeinsam mit Luca Waldschmidt, der ein ähnliches Profil mitbringt, in der 79. Minute. „Wir haben geglaubt, wenn das Spiel hinten raus eng wird, dass wir mit Felipe und Luca einfach Spieler brauchen, in und um die Box, die da gefährlich werden können“, führte Wagner die Begründung für Chavez und gegen Huseinbasic aus. „Am Ende haben wir uns mit dem Elfmeter belohnt und erstmal Recht behalten.“
Wagners Kommunikation: „Ansage, Vorgabe, Erwartung“
Beim Moderieren dieser Entscheidungen setzt Wagner auf das, was die Spieler schon in den ersten Wochen immer wieder positiv hervorhoben: viel Kommunikation. „Ich habe mit dem Anspruch, viel zu kommunizieren begonnen und das aus voller Überzeugung“, betonte der vorherige Co-Trainer. Einen Weg, den er eben nicht nur gehen will, wenn es angenehme Gesprächsthemen gibt. „Wenn es schwerer wird, wie bei einem Denis, der natürlich nicht zufrieden war mit der Entscheidung, dann spreche ich eher noch einmal mehr mit ihm, um ihm klarzumachen, warum er nicht im Kader war.“
Davon erhofft sich der 37-Jährige Verständnis und Akzeptanz für seine Entscheidung, aber keineswegs Zufriedenheit. „Wenn der Spieler dann sagt, ‚cool, danke für das Gespräch, ich bin jetzt echt froh nicht im Kader gewesen zu sein‘, dann wäre er kein Profisportler, vor allem nicht in der Bundesliga.“ Wagner will seinen Spielern keine Ausreden liefern, will sie nicht verwirren, sondern „klar und deutlich, mit einer Ansage, einer Vorgabe und einer Erwartungshaltung“ kommunizieren. „So wird es auch die nächsten vier Wochen weitergehen.“
Wer rückt für Ache in den Kader?
Huseinbasic würde sicherlich gern auf ein weiteres Gespräch über einen verpassten Kaderplatz verzichten. Für das Spiel gegen Leverkusen am Samstag (15.30 Uhr) ist aufgrund der Muskelverletzung von Ragnar Ache im Vergleich zur Vorwoche ein Platz frei geworden. Neben dem Trio, das zuletzt zuschauen musste, sind auch Fynn Schenten oder Youssoupha Niang aus der U 21 Optionen, wenn Wagner nach dem Verlust seines Mittelstürmers eine weitere Option für die Offensive auf der Bank haben möchte. Es wartet die nächste schwierige Wahl auf den noch unerfahrenen Cheftrainer.
Auch gegen Bayer Leverkusen wird René Wagner wieder Spieler aus dem Profikader streichen müssen. Der Interimstrainer erhofft sich durch Gespräche Verständnis und Akzeptanz, aber keineswegs Zufriedenheit.
