Erste Cheftrainerin in der Bundesliga: Unions Interimslösung Eta im Porträt 

Erstmals fungiert eine Frau alleinverantwortlich auf dem Cheftrainerposten in der Bundesliga. Bis hierhin legte Marie-Louise Eta eine steile Karriere mit viel Substanz hin. Bei Union Berlin durfte sie sich entwickeln – und steht am Samstag nun an der Seitenlinie gegen Wolfsburg. Ein ausführliches Porträt.

Zielstrebig und energiegeladen

Ein Sonntag Anfang März 2022, früher Abend: Draußen war es schon dunkel, Marie-Louise Eta saß im Erdgeschoss-Restaurant einer Hotel-Kette in Köln-Junkersdorf, unweit des Stadions. Die Tische waren bereits für das Frühstück am nächsten Morgen gedeckt. Gerade hatten sie und ihre 15 männlichen Kollegen das Bundesliga-Spiel zwischen dem 1. FC Köln und der TSG Hoffenheim verfolgt, am Tag darauf würden sie im Rahmen des zweiten Präsenz-Blocks ihres Pro-Lizenz-Lehrgang erstmals zusammen auf dem Platz stehen. Und Eta strahlt: vorfreudig, zielstrebig, energiegeladen und voller Enthusiasmus.

Dass sie an diesem Abend genau dort saß und auf diese Reise gehen konnte, war für sie immer noch etwas surreal. Die frohe Nachricht über die begehrte Teilnahme am Lehrgang hatte die heute 34-Jährige kurz vor Weihnachten des Vorjahres am Hamburger Flughafen erreicht, mitten in der Warteschlange vor der Passkontrolle. Endlich lag sie im digitalen Postfach, die ersehnte Zusage-E-Mail vom DFB.

Die Freudentänze darüber, die höchste Trainer-Ausbildung auf nationaler Ebene absolvieren zu können, mussten inmitten der anderen Passagiere noch warten, die FFP-2-Maske verdeckte das breite Lachen darunter. Und zwei Jahre später hatte sie einen weiteren Meilenstein erreicht. Denn Eta schrieb mit dem Heimspiel gegen den FC Augsburg am 25. November 2023 als erste weibliche Co-Trainerin Bundesliga-Geschichte. Nun wird sie es erneut tun – als erste weibliche Cheftrainerin.

Der kicker begleitete Eta durch den Lehrgang, den sie im März 2023 erfolgreich abschloss. Echte Tiefpunkte oder Motivationslöcher gab es nicht. Im Gegenteil: In einer eigenen Kolumne berichtete sie motiviert, wie sie vor mehreren hundert Top-Trainern mit den U-17-Junioren des SC Freiburgs eine Praxis-Demonstration im Freiburger Europapark-Stadion durchführen durfte, Jürgen Klopp in Liverpool traf und selbst den Urlaub in Österreich mit ihrem Mann – und Trainerkollegen – Benjamin zur eine Hospitation nutzte – in den Trainingslagern von Bayer Leverkusen und eben auch Union Berlin.

Nicht nur deswegen war die neue Aufgabe bei den Köpenickern nie ein ferner Traum, sondern eine von einigen Möglichkeiten. „Ich bin immer gut damit gefahren, Schritt für Schritt zu machen“, berichtete sie damals: „Deswegen kann ich mir auch vieles gut vorstellen: irgendwann eine Jugend-Nationalmannschaft zu übernehmen, als Co-Trainerin in den Männer-Profiligen zu arbeiten, einen Frauen-Bundesligisten zu coachen, genauso U-17- oder U-19 Jungs.“ Wichtig sei vor allem eins: „Egal wo ich arbeite, ich muss mich wohlfühlen, möchte jeden Tag mit Freude aufstehen und das Gefühl haben, in einem Team einen gemeinsamen Weg zu gehen und sich stetig weiterzuentwickeln.“

„Früher habe ich immer gesagt, dass ich Fußball spiele, bis ich nicht mehr gehen kann.“ (Marie-Luise Eta)

Ihr Weg begann in Dresden, die früh entdeckte Leidenschaft für den Sport, der Start der Vereinslaufbahn beim FV Dresden 06 und später bei Fortuna Dresden-Rähnitz. Im Alter von 13 Jahren absolvierte sie ein Probetraining bei Turbine Potsdam – und plötzlich ging es rasend schnell: der erste von drei Meistertiteln mit den B-Juniorinnen als jahrgangsjüngere Spielerin 2005, der Gewinn der U-17-EM 2008, der Sprung in den Bundesliga-Kader im selben Jahr, die erste Meisterschaft 2009, und die Titel bei U-20-WM und der Champions League im Jahr 2010.

Doch die Einsatzzeiten in Potsdam wurden weniger, kurz nach dem Wechsel zum Ligakonkurrenten Hamburger SV 2011 zog der Verein seine Frauen-Abteilung aus der Bundesliga zurück. Es folgten Stationen beim BV Cloppenburg bis 2014, Werder Bremen bis 2018 – und das Karriereende mit gerade einmal 26 Jahren.

„Früher habe ich immer gesagt, dass ich Fußball spiele, bis ich nicht mehr gehen kann, aber der Zeitpunkt war genau richtig – auch wenn es eine extrem schwierige Entscheidung war“, sagte sie mit Blick auf das frühe Ende: „Ich kann mir nicht vorstellen, etwas ohne Fußball zu machen. Mit der Zeit habe ich immer mehr für die Tätigkeit als Trainerin gebrannt und die Entscheidung ist gewachsen, dass ich die nächsten Schritte als Trainerin gehen möchte.“

Denn „ich konnte meinen Ansprüchen als Spielerin und gleichzeitig Trainerin nicht mehr ganz gerecht werden und die aktive Karriere mit zweimal Training am Tag über viele Jahre hat Spuren hinterlassen.“ Ein Knorpelschaden und ein Sehnenriss unter dem Fuß waren Warnungen, dass mögliche Folgeschäden nicht berufliche Optionen und Hobbys verhindern sollten: „Als Trainerin steht man viel auf dem Platz, muss fit sein und ich wollte mir zudem auch Lebensqualität erhalten.“ Und auch die Möglichkeit, weiter der Leidenschaft fürs Snowboarden und Wakeboarden nachzugehen.

Arbeit in Bremen „ein echter Traum“

Der Übergang aus der aktiven Karriere als Spielerin zur aktiven Karriere als Trainerin gelang. „2018 war ich dann zur richtigen Zeit am richtigen Ort und habe die U-13-Jungs von Werder übernehmen können, ein Jahr später dann die U 14. In den drei Jahren hauptberuflich am Nachwuchsleistungszentrum eines so großen, tollen Vereins zu arbeiten, das war ein echter Traum. Für die Möglichkeit bin ich bis heute sehr dankbar.“

Der Weg ging auf Verbandsebene weiter. Im Herbst 2019 bekam Eta die Anfrage von Britta Carlson, der damaligen Assistentin und heutigen Köln-Trainerin, aus dem Stab der Frauen-Nationalmannschaft, parallel als Co-Trainerin die U-19-Frauen beim DFB zu betreuen. Nach einem Jahr dort wechselte sie zu den U-15-Juniorinnen als Co-Trainerin von Bettina Wiegmann, erst parallel zum Job bei Werder, dann nur noch beim Verband. Später wechselte sie als Co-Trainerin zu den U-17-Juniorinnen, im vergangenen Sommer dann ins Nachwuchsleistungszentrum von Union Berlin, um dort Marco Grote in der U 19 für die Aufgaben in der A-Junioren-Bundesliga Nord/Nordost zu unterstützen – und wenige Monate später auch in der Bundesliga. Eta avancierte dabei zur ersten Co-Trainerin, die in einem Bundesligaspiel der Männer auf der Bank Platz nahm, sowie zur ersten Frau, die bei einem Champions-League-Match der Männer zum Trainerstab gehörte.

Nun rückt sie aus der zweiten in die erste Reihe. Denn nach der Entlassung von Steffen Baumgart Samstagnacht hatten die Verantwortlichen um Zingler, der schlussendlich die Entscheidung fällte, mitgeteilt, dass Eta bis zum Saisonende interimsweise übernehmen wird. Damit ist sie die erste Frau, die alleinverantwortlich auf dem Cheftrainerposten oberhalb der dritten Liga fungiert. „Ich freue mich, dass mir der Verein diese anspruchsvolle Aufgabe anvertraut. Eine Stärke von Union war und ist es, in solchen Situationen gemeinsam alle Kräfte zu bündeln. Und natürlich habe ich die Überzeugung, dass wir mit dem Team die entscheidenden Punkte holen“, so Eta zum Saisonendspurt.

„Ich weiß, dass ich damit ein gewisses Alleinstellungsmerkmal habe.“ (Marie-Louise Eta)

Sie machte schon während des Pro-Lizenz-Lehrgangs klar, dass ihr Geschlecht keine große Rolle spielen sollte. „Ich weiß, dass ich damit ein gewisses Alleinstellungsmerkmal habe“, sagte sie mit Blick auf 16 Teilnehmer, von denen sie die einzige Frau war: „Natürlich ist das für den einen oder anderen interessant, aber ich bin damit groß geworden, als Mädchen mit Jungs Fußball zu spielen und auch als Trainerin in einem Nachwuchsleistungszentrum. Das ist von außen betrachtet sicherlich ein Thema, aber es sollte nicht das einzige sein und ich möchte keine Sonderrolle einnehmen.“

So hat Eta ihre Expertise dazu beigetragen, dass Union Berlin am letzten Spieltag der Saison 2023/24 den Abstieg in die 2. Bundesliga noch vermeiden konnte. In den finalen beiden Partien stand sie nach der Entlassung von Nenad Bjelica gemeinsam mit Grote in der Verantwortung. Anschließend wurde Bo Svensson als neuer Chefcoach installiert. Der Däne brachte seinen eigenen Trainerstab mit, weshalb sie zunächst mit Grote zurück zur U 19 kehrte und nur wenig später während der Saison 2024/25 die Frauen-Mannschaft als Individualtrainerin unterstützte.

Mutig und offensiv

Nach dem Abgang von Grote, mit dem sie bereits in der Jugend bei Werder Bremen erfolgreich zusammengearbeitet hatte, übernahm die gebürtige Dresdnerin zur Spielzeit 2025/26 den Trainerposten der U 19. In der Vorrunde der DFB-Nachwuchsliga wurde ersichtlich, auf was für einen Fußball Eta vertraut. Die 34-Jährige lässt ihr Team hoch attackieren und steht insgesamt für einen mutigen und offensiven Spielstil. Aktiv zu sein, ist ihr wichtiger als immer nur auf den Gegner zu reagieren. Das Resultat: Ihre Mannschaft holte in 14 Partien zwölf Siege und erzielte dabei 44 Treffer.

Beim Training selbst vermittelt sie viel Freude, viel Spaß am Fußballspielen. Dabei ist sie stets gut organisiert, kommunikativ und gestaltet die Einheiten sehr variabel. Und genau das kann sie ab sofort bei der Männermannschaft unter Beweis stellen.

Dieses Porträt erschien erstmals Ende 2023 und wurde aus aktuellem Anlass aktualisiert.

 Erstmals fungiert eine Frau alleinverantwortlich auf dem Cheftrainerposten in der Bundesliga. Bis hierhin legte Marie-Louise Eta eine steile Karriere mit viel Substanz hin. Bei Union Berlin durfte sie sich entwickeln – und steht am Samstag nun an der Seitenlinie gegen Wolfsburg. Ein ausführliches Porträt. 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Wettanbieter
Wyns

JAHRESUMSATZ: 1.000.000€
BESITZER: Liernin Enterprises LTD
LIZENZ: Komoren (Anjouan)

Betista

JAHRESUMSATZ: 1.000.000€
BESITZER: Liernin Enterprises LTD
LIZENZ: Komoren (Anjouan)

Vegasino

JAHRESUMSATZ: 1.000.000€
BESITZER: Liernin Enterprises LTD
LIZENZ: Komoren (Anjouan)

RichRoyal

JAHRESUMSATZ: 1.000.000€
LIZENZ: Costa Rica

WinRolla

JAHRESUMSATZ: 1.000.000€
LIZENZ: Anjouan