Zahlreiche BVB-Fragezeichen nach „inakzeptabler“ Länderspielpause 

20 Profis stellte Borussia Dortmund in der ausgedehnten Länderspielperiode ab. Gleich fünf von ihnen sind mit Problemen zurückgekehrt – und zwei weitere werden erst kurzfristig erwartet.

Scharfe Kritik von Kovac

Gut gelaunt betrat Niko Kovac am Mittwoch den Presseraum auf dem Dortmunder Trainingsgelände und scherzte über seine Zeit im „Homeoffice“, während 20 seiner Profis auf XXL-Länderspielreise waren. Doch in den nachfolgenden Minuten machte er deutlich: Auf weiterer solcher langen Pausen würde er im laufenden Spielbetrieb sehr gerne verzichten.

Denn die beschert ihm für das kommende Bundesliga-Spiel am Freitag einige Fragezeichen. Allen voran natürlich das um Nico Schlotterbeck, der ohne Gegnerweinwirkung im Training mit der DFB-Elf umknickte und sich am Außenband verletzte. Individuell konnte der Kapitän bereits an seiner Rückkehr arbeiten. „Der Plan ist, dass er morgen mit der Mannschaft trainiert, und dann werden wir sehen, ob er für Freitag einsatzbereit ist oder nicht.“ Es bestehe jedenfalls eine Chance. „Wer Schlotti kennt, der weiß, dass er immer gerne spielen möchte. Die Ambition hat er, wir werden das gemeinsam besprechen, natürlich auch in Verbindung mit unseren Ärzten.“

Svensson und Karetsas sind „leicht verkühlt“

Das gilt ebenso für Julian Ryerson, der bei Norwegens 1:2 in Wales einen Schlag auf die Rippen abbekam. „Da wissen wir auch noch nicht genau, ob es reicht.“ Zudem brachte Carney Chukwuemeka „leichte muskuläre Probleme“ von der österreichischen Nationalmannschaft mit, Konstantinos Karetsas und Daniel Svensson kehrten „leicht verkühlt“ von ihren Reisen zurück.

„Wir werden mal schauen, wie sich das fürs Wochenende ergibt“, übte sich Kovac gezwungenermaßen in Geduld – ebenso wie bei den noch ausstehenden Rückkehrern. Ramy Bensebaini schoss Algerien noch am Dienstagabend zum Sieg gegen den Niger (2:1), Mathis Albert feierte in der Nacht auf Mittwoch sein Startelf-Debüt für die USA gegen Kanada (1:0).

„Ich fand, dass es definitiv zu lang war“, bilanzierte Kovac die ausgedehnte Länderspielpause und übte scharfe Kritik am neuen System, das die FIFA zu verantworten hat. Dabei nahm er auch die Nationaltrainer in Schutz, deren Perspektive er besonders aus seiner Zeit als Trainer Kroatiens von 2013 bis 2015 gut nachvollziehen kann.

„Ich weiß, wie hoch die Erwartungshaltung gegenüber den Nationaltrainern ist, egal in welchem Land man arbeitet. Dementsprechend möchte man auch die besten Spieler spielen lassen“, erklärte Kovac. „Du hast natürlich eine Verpflichtung und auch die Notwendigkeit, zu punkten.“ Ebenso logisch sei, dass die Spieler immer für ihr Land spielen wollen. „Aber wir müssen es auch aus der Perspektive der Klubs sehen. Und da sind vier Spiele einfach definitiv zu viel.“

Besonders dadurch, dass es eben kaum noch Testspiele für die Nationalmannschaften gibt, in denen durchrotiert werden kann. „Inzwischen kann man als Nationaltrainer gar nichts mehr ausprobieren, weil man immer irgendeine Qualifikation oder irgendwelche Wettkämpfe hat“, sagte Kovac und fand deutliche Worte: „Es ist aus der Klubseite inakzeptabel, dass es vier Spiele am Stück gibt.“ Nicht nur wegen der erkrankten und verletzten Spieler, sondern allen voran wegen des Rhythmus, der abhandenkommt: „Es ist eine ganz andere Belastung, eine ganz andere Steuerung.“

Die Freitags-Ansetzung hilft den Dortmundern dabei natürlich kein Stück weiter. Doch genau in diesen Rhythmus, der noch vor der langen Pause so gut war, will der Spitzenreiter schnellstmöglich wieder hineinfinden. „Ich hoffe, dass wir es hinkriegen, dass wir trotzdem gegen Werder Bremen ein gutes Spiel hinlegen und die nötigen Punkte holen, die wir brauchen, um dann wieder in den Flow zu kommen.“ Chancen um durchzuatmen wird es bei den nun anstehenden vier englischen Wochen am Stück kaum geben.

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