Neil El Aynaoui kam auf den letzten Drücker zu RB Leipzig. Der Marokkaner zeigt auf Anhieb, dass er das Spiel der Sachsen prägen kann.
Der neue Strippenzieher
Mit Christoph Baumgartner, Rocco Reitz und Assan Ouedraogo, der nach der gegen den Hamburger SV zugezogenen zweiten Schulterverletzung binnen sechs Wochen operiert werden muss und für den Rest des Jahres ausfällt, bricht RB Leipzig am Sonntag in Leverkusen ein komplettes Mittelfeld weg. Umso wichtiger ist daher für Trainer Martin Demichelis, dass er am Deadline Day in Neil El Ayanoui noch einen Profi erhielt, der sich als Schlüsselspieler erweisen könnte.
„Neil ist ein Spielmacher auf der Sechser-Position. Und er läuft unglaublich viel“, sagt Demichelis über die Leihgabe der AS Rom, die beim 5:0-Heimdebüt gegen den Hamburger SV mit 11,91 Kilometern tatsächlich laufstärkster Spieler auf dem Platz war. Vor allem aber sorgte der marokkanische Nationalspieler als Strippenzieher auf der Sechser-Position für Struktur im Leipziger Spiel, forderte die Bälle und brachte 93 Prozent seiner Zuspiele zum eigenen Mann.
Genau dafür hatte Sport-Geschäftsführer Marcel Schäfer den WM-Teilnehmer, der alle sechs Spiele bis zu Marokkos Viertelfinal-Aus in der Startelf bestritten hatte, nach Leipzig gelockt. Nach nur einer Saison und insgesamt 35 Pflichtspielen bei der AS Rom sorgte sich El Aynaoui, der zuvor bei RC Lens gespielt hatte, um seine sportlichen Chancen beim Serie-A-Klub, weil Trainer Gian Piero Gasperini seinen einstigen Atalanta-Gefährten Marten de Roon zu sich geholt hatte. Der bereits 35-jährige Niederländer war jahrelang Gasperinis verlängerter Arm in Bergamo, und El Aynaoui befürchtete daher, er könne zum Reservisten degradiert werden.
Leihe mit Kaufoption
Einen Kauf hätte sich RB in diesem Sommer nicht leisten können. Als sich die Tür für eine Leihe öffnete, nutzte Schäfer sofort die Gunst der Stunde und handelte zudem eine Kaufoption heraus. Sollte RB diese nach der laufenden Saison ziehen, würde El Ayanoui im Paket rund 25 Millionen Euro kosten – eben diese Summe hatten die Römer an Lens gezahlt.
„Ich bin nicht nur ein bisschen, sondern richtig glücklich über mein erstes Heimspiel. Nicht nur wegen meiner Leistung, sondern weil wir als Mannschaft die richtige Reaktion gezeigt haben“, sagt El Ayanoui mit Blick auf die Pleiten bei Werder Bremen (1:3) und Como 1907 (1:4). In diesen beiden Spielen agierte er auf der Acht, während Platzhirsch Nicolas Seiwald den auch von ihm favorisierten Sechser-Part übernahm. Am Sonntag musste der Österreicher, dessen Stärken eher in der Zweikampfführung denn in der Spielgestaltung liegen, auf der Bank Platz nehmen – ein Konkurrenzkampf, an dem Demichelis seine helle Freude hat.
„Neil bringt sich super mit ein, solche Jungs brauchen wir“, sagt Kapitän David Raum über El Ayanoui, dem professionelles Verhalten praktisch in die Wiege gelegt wurde. Vater Younes war einst ein Weltklasse-Tennisspieler, der es bis auf Platz 14 der ATP-Rangliste geschafft hatte. „Ich glaube, beim Tennis ist die Professionalität höher als beim Fußball“, sagt El Ayanoui, „er hat mir von klein auf beigebracht, dass die einfachen Dinge am Wichtigsten sind: gut schlafen, gut zu essen, genug zu trinken und sich gut zu erholen.“ Um auf dem Platz da zu sein, wenn es gilt.
Neil El Aynaoui kam auf den letzten Drücker zu RB Leipzig. Der Marokkaner zeigt auf Anhieb, dass er das Spiel der Sachsen prägen kann.
