Neuzugang Krattenmacher kam bei Aufsteiger Elversberg bislang immer „nur“ von der Bank – wusste von dort jedoch mit einer starken Quote zu überzeugen. Gegen Union Berlin ist der 21-Jährige aus unterschiedlichen Gründen ein Startelf-Kandidat.
Top-Wert in den Top-5-Ligen
Rookie des Monats September, Spieler des 2. Spieltags beim kicker, zudem beim 4:3-Sieg in Gladbach und bei der 1:2-Niederlage gegen die Bayern Spieler des Spiels und mit drei Treffern aktueller Top-Torjäger der SV Elversberg: Maurice Krattenmacher hat in den ersten vier Bundesliga-Spielen seiner Karriere ordentlich für Furore gesorgt.
Kein Joker in den Top-5-Ligen hat häufiger getroffen als der 21-Jährige. Trotzdem stand das Juwel, das im Sommer vom FC Bayern an die Elversberger Kaiserlinde gewechselt war, bei seinem neuen Klub noch nie in der Startformation, kam immer von der Bank.
Krattenmacher hatte aufgrund muskulärer Probleme Teile der Sommervorbereitung verpasst, war mit kleinem Rückstand in die Saison gestartet und musste auf den beiden offensiven Außenbahnen Cole Campbell und Lukas Petkov den Vortritt lassen. Dass er sich mit der Jokerrolle aber nicht zufriedengeben will, hat der Youngster bei seinen Einwechslungen eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Gegen Gladbach drehte er mit einem Doppelpack das Spiel, gegen die Bayern erzielte er ein Traumtor.
„Ich befürchte zwar, dass er diese Quote nicht halten kann, aber wäre doch schön.“ (SVE-Coach Vincent Wagner)
„Natürlich ist es ein Kindheitstraum, in die Bundesliga zu kommen und dann auch noch Tore zu erzielen“, freut sich Krattenmacher, seinem neuen Team auch als Einwechselspieler helfen zu können. Insgesamt traf der gebürtige Münchner in bislang 141 Einsatzminuten alle 47 Minuten. „Er hat jetzt in vier Spielen drei Tore erzielt, das würde bedeuten, er hat nach 34 Spieltagen rund 26 Tore. Ich befürchte zwar, dass er diese Quote nicht halten kann, aber wäre doch schön“, zeigt Elversbergs Trainer Vincent Wagner mit seiner Hochrechnung auf, wie wichtig Krattenmacher gerade auch von der Bank für seine Mannschaft ist, will das Top-Talent aber auf keinen Fall auf seine Jokerrolle beschränken.
Vergleich mit Rekord-Joker Petersen hinkt
„Er ist weit davon entfernt, Nils Petersen zu sein“, verweist der Coach auf den vormaligen Mittelstürmer, der als alleiniger Rekordhalter der Bundesliga 34 Tore als Einwechselspieler erzielte. Aber es gibt durchaus Parallelen zwischen den beiden. Wie Krattenmacher stand auch Petersen zu Beginn seiner Karriere zwei Jahre beim FC Bayern unter Vertrag, wurde von dort nach Bremen ausgeliehen. Krattenmacher war während seiner Bayern-Zeit Leihspieler beim SSV Ulm 1846, vergangene Saison bei Hertha BSC in der 2. Liga. Bei den Berlinern hatte sich der 21-Jährige mit sechs Startelfeinsätzen und nur einem Treffer nicht wirklich durchsetzen können.
Umso erstaunlicher ist seine aktuelle Performance im Oberhaus. Trotz der starken Leistungen ist der Weg in die Stammformation aber kein Selbstläufer, zumal in Tom Zimmerschied noch ein weiterer Konkurrent dazugekommen ist. Der 28-Jährige war in der Aufstiegssaison auf der linken Außenbahn gesetzt, war seit Sommer aber von langwierigen Rückenproblemen außer Gefecht gesetzt worden. Jetzt hat er die XXL-Länderspielpause genutzt, um sich wieder ans Team heranzukämpfen und Spielpraxis im Test gegen Hoffenheim (3:2) zu sammeln. Gegenüber den Neuzugängen hat Zimmerschied den Vorteil, dass er seit zwei Jahren die Elversberger Spielidee verinnerlicht hat.
Wagner hat die Qual der Wahl – und hadert mit Länderspielansetzungen
Bleiben bis auf Francis Onyeka (U21, Knöchel) alle Nationalspieler auch nach ihrer Rückkehr fit, stehen Wagner für das Spiel bei Union in der Offensivreihe hinter der Sturmspitze für drei Position fünf Alternativen auf Top-Niveau zur Verfügung. Der Coach hadert allerdings mit der Terminierung der Länderspielansetzungen: „Wenn ich sehe, dass der eine oder andere bis Mittwoch noch spielt und wir dann drei Tage später unser nächstes Pflichtspiel in der Bundesliga haben, in dem es dann wieder um eine ganze Menge geht, ist das schon sehr ambitioniert.“
Rivale Campbell lange in den USA gebunden
Während sich Felix Keidel, der beim deutschen Nationalteam ohne Einsatz blieb, schon am Sonntag und Thailands Nicholas Mickelson am Montag auf den Heimweg machen konnten, waren Petkov mit Bulgarien sowie Noah Darvich und Francis Onyeka mit der deutschen U 21 am Dienstag noch im Einsatz, Campbell musste in den USA auf das Spiel gegen Kanada (1:0) sogar bis Mittwochmorgen deutscher Zeit warten – und könnte aufgrund seiner späten Rückkehr inklusive Jetlag den Weg für Krattenmacher auf der linken Schiene bei Union frei machen.
Neuzugang Krattenmacher kam bei Aufsteiger Elversberg bislang immer „nur“ von der Bank – wusste von dort jedoch mit einer starken Quote zu überzeugen. Gegen Union Berlin ist der 21-Jährige aus unterschiedlichen Gründen ein Startelf-Kandidat.
