„Kein Fahrstuhl, sondern eine Treppe“: Blessins erste Schritte in Gladbach 

Alexander Blessin soll bei Borussia Mönchengladbach nach dem katastrophalen Saisonstart die Wende bringen. Für den 53-Jährigen steht der kurzfristige Erfolg vorerst über der langfristigen Entwicklung. Vor allem um die vielen Gegentore muss er sich kümmern.

Borussia beginnt „Neuanfang“

Der Presseraum im Borussia-Park war am Mittwochnachmittag gut gefüllt. „Volles Haus, so gehört sich das auch für einen Neuanfang“, freute sich Rouven Schröder auf der Pressekonferenz zur Vorstellung von Alexander Blessin, dem Mann, der genau diesen frühen Restart leiten soll.

Es gibt sicherlich leichtere Aufgaben. Der 53-Jährige findet eine Mannschaft vor, die am vergangenen Samstag mit der vierten Niederlage im vierten Spiel ans Tabellenende abgerutscht ist, nun aufgebaut und stabilisiert werden muss. Dass er sie lösen kann, davon war Schröder jedoch nach eigener Aussage früh überzeugt: „Es war ein Gespräch, in dem ich relativ schnell gemerkt habe, wie sehr und intensiv sich Alex mit der Borussia beschäftigt hat. Das ist für uns natürlich elementar wichtig“, blickte er zurück auf die Kontaktaufnahme.

„Der Trainer brennt für seinen Job, er brennt aber auch für die Aufgabe Borussia Mönchengladbach.“ (Rouven Schröder)

„Es war ein Abend, der so intensiv war und wo man einfach das Gespür hatte, der Trainer brennt für seinen Job, er brennt aber auch für die Aufgabe Borussia Mönchengladbach.“ Einen positiven Eindruck, den Blessin auf der anderen Seite des Podests teilte. „Als der Anruf kam und ich mich dann auch sehr intensiv damit beschäftigt habe, war die Freude natürlich erst mal groß“, verriet er.

Der Austausch mit Schröder sei „sehr gut“ gewesen, Blessin selbst, der die Zeit seit seinem Aus beim FC St. Pauli genutzt hatte, um „mein Energielevel wieder aufzuladen“, fühlt sich nun wieder bereit, anzugreifen. „Ich brauche euch hier nicht irgendwas vom Pferd erzählen“, sagte er als neuer Fohlen-Coach durchaus treffend: „Das ist ein großer, traditionsreicher Klub mit einer brutalen Fanbase in einer Stadt, die aus lauter Gladbachern besteht.“

„Das wird harte Arbeit.“ (Alexander Blessin)

Dabei ist sich der neue Mann der Probleme der Borussia natürlich bewusst. „Ich gehe die Sache demütig an, weil ich weiß, wie stark die Bundesliga ist“, betonte er. „Aber dennoch, und das habe ich auch zu ihr gesagt, sehe ich die Mannschaft qualitativ so, dass man da mehr rauskitzeln kann.“ Etwas, das sicherlich nicht von heute auf morgen funktioniert – oder um es in Blessins Worten zu sagen: „Das wird kein Fahrstuhl, sondern eine Treppe, die wir Schritt für Schritt gehen müssen. Das wird harte Arbeit.“

Natürlich sei Blessin nicht als „Feuerwehrmann“ verpflichtet worden, wie Schröder betonte. Und doch muss der Fokus erstmal auf dem schnellen Erfolg liegen. „Wir können jetzt hier nicht langfristig schauen“, erklärte Blessin seine Herangehensweise. „Es geht kurzfristig und mittelfristig darum: Was können wir erreichen? Wie können wir möglichst schnell einen Input haben und diese Scharte auswetzen, dass wir in vier Spielen noch keine Punkte haben?“

Kurzfristiger Erfolg zunächst vor langfristiger Entwicklung

Erst im Anschluss gehe es um die Entwicklung. „Wir können nicht den zweiten Schritt vor dem ersten gehen, es braucht Zeit“, sagte Blessin. „Es sind vier Spieltage rum und noch 30 zu gehen. Ich will nicht beruhigend sein oder sonst irgendwas. Wir wissen, die Situation ist prekär und wir brauchen die Punkte. Aber das ist ein Prozess, den wir jetzt einleiten werden.“

Besonders akut sind das Thema Stabilität und die Flut von Gegentoren. Im Schnitt viermal pro Partie musste Moritz Nicolas bislang hinter sich greifen. „Wir können das nicht wegdiskutieren, wie viele Tore man gekriegt hat. Aber auch da liegt es nicht nur an der Kette. Es geht um die Gesamtheit“, blickte Blessin auf die Defensiv-Baustelle und kündigte an, Prinzipien einzubringen, die den Spielern helfen sollen, „das, was sie imstande sind, abzurufen“. Besonders Respekt und Disziplin verlange Blessin von seiner Mannschaft und wolle diese Werte auch vorleben.

Lanwehr folgt Blessin nach Gladbach

Die Tür sei dabei für jeden offen, der sich auf seine Art des Fußballs mit hohem Einsatz, einer mutigen Spielweise und aggressivem Pressing einlässt. „Ich komme nicht hierher und will irgendjemanden rasieren. Ich will den Spielern die Möglichkeit geben, ins Team zu kommen“, erklärte Blessin. „Jeder hat die Chance, sich über Trainingsleistungen und Spiele zu zeigen. Und dann ist die Frage: Wer nimmt es an und ist gewillt, diese Schritte mitzugehen? Da werden wir genau drauf gucken.“ Das „Wir“ schließt auch Niklas Lanwehr ein, der unter Blessin bereits bei St. Pauli als Spielanalyst tätig war und auch in Gladbach zu seinem Staff gehören wird.

Zweieinhalb Wochen Zeit bleiben Blessin und Kollegen nun, um die Mannschaft auf das so wichtige Derby in Köln vorzubereiten und ihr auch für die Ligaspiele danach eine Richtung zu geben. Klarheit, Mut und Intensität seien dabei wichtige Faktoren. „So wollen wir das Vertrauen zurückholen. Zum einen das Selbstvertrauen der Spieler, aber auch das Vertrauen der Fans. Darum geht es.“

 Alexander Blessin soll bei Borussia Mönchengladbach nach dem katastrophalen Saisonstart die Wende bringen. Für den 53-Jährigen steht der kurzfristige Erfolg vorerst über der langfristigen Entwicklung. Vor allem um die vielen Gegentore muss er sich kümmern. 

 

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