Miz 0:5 hat der Hamburger SV in der Bundesliga zuletzt 1974 gegen den FC Bayern verloren. Das Heim-Debakel vom Sonntag erhöht den Druck und wirft Fragen auf.
Historisches und verdientes Heim-Debakel
Das Symbolbild des Sonntagnachmittages lieferte Albert Grönbaek, rund zehn Minuten vor dem Ende der desaströsen und in dieser Höhe verdienten 0:5-Heimpleite gegen Mainz 05. Der Däne, einer der besten Fußballer im Hamburger Kader, hätte die erste und einzige Chance des HSV auf dem Fuß gehabt, zielte bei seinem Freistoßversuch aus aussichtsreicher Distanz aber voll auf Mitspieler Nicolas Capaldo. Ein Ausdruck davon, dass noch nichts geht beim neuen HSV.
Es spricht für die Integrität von Daniel Heuer Fernandes, dass er nach dem Debakel keine Diskussion darüber führen wollte, ob die Anzahl von Neulingen (sieben) und Startelf-Debütanten (vier) zu hoch war. „Wir haben inhaltliche Dinge nicht so gemacht, wie wir sie machen wollten“, sagt der Keeper und doch ist offensichtlich: Von der Kompaktheit und Intensität der alten Saison ist der kostspielig runderneuerte HSV derzeit Lichtjahre entfernt. Der neue HSV sieht alt aus.
Merlin Polzin waren die Probleme der vorangegangenen 90 Minuten auf dem Pressekonferenz-Poddium anzusehen. Der 35-Jährige sprach plakativ von „einem maximal beschissenen Nachmittag“, und „von vielen Dingen, die wir aufarbeiten müssen.“ Aber, wo fängt er an und wo hört er auf?
„So hat kein Gegner Probleme, gegen uns zu gewinnen“
Fabio Vieira brachte er zum Heimauftakt noch nicht von Beginn an, weil der Portugiese während der Vorbereitung beim FC Arsenal zuletzt keine Testspieleinsätze bestritten hatte. Terem Moffi hingegen beorderte er in die Sturmmitte, obwohl der Nigerianer bei seinem Ex-Klub OGC Nizza noch eingeschränkter arbeiten musste. Polzin sagt dennoch: „Wir hatten bei unserer Aufstellung eine Überzeugung und eine Trainingswoche, nach der wir entschieden haben. Ich stelle mich als Trainer der Verantwortung.“
Klar ist, dass es in der Aufarbeitung nicht allein um die Personalauswahl gehen darf. Das erste Tor hatte Kapitän Nicolai Remberg eingeleitet, war insgesamt ähnlich indisponiert wie Jordan Torunarigha. Fast allen Treffern ging Unentschlossenheit voraus. „Wir brauchen Zeit, um Verbindungen zu schaffen“, erklärt Polzin einerseits, macht andererseits aber auch deutlich: „Wir müssen dennoch auch jetzt schon Dinge auf den Platz bringen, damit nicht so ein Ergebnis zu Stande kommt.“ Und noch deutlicher: „So hat kein Gegner in der Bundesliga Probleme, gegen uns zu gewinnen.“
In der Vorsaison hat der HSV seinen Fehlstart nach einem Dreierschlag mit Fabio Vieira, Albert Sambi Lokonga und Luka Vuskovic auf dem Transfermarkt korrigiert. Sonntag folgte der Tiefschlag nach dem spektakulären Dreierpack mit Fabio Vieira, David Möller Wolfe und Zakaria El Ouahdi.
Miz 0:5 hat der Hamburger SV in der Bundesliga zuletzt 1974 gegen den FC Bayern verloren. Das Heim-Debakel vom Sonntag erhöht den Druck und wirft Fragen auf.
