Er war sieben Jahre einer der lautesten Werder-Profis: Nun geht für Leonardo Bittencourt die Zeit in Bremen zu Ende – doch noch mal auf dem Platz?
Eine letzte mögliche Kaderberufung
Die erhoffte „Wunderheilung“, von der Werder-Coach Daniel Thioune bereits vor rund einer Woche gesprochen hatte, blieb bislang aus. Die muskulären Probleme im Oberschenkel, mit denen Leonardo Bittencourt vor etwa vier Wochen aus dem Nordderby herausgegangen war, haben ihn zumindest auch am Mittwoch noch nicht wieder ins Mannschaftstraining einsteigen lassen.
Ob somit auch das letzte Saisonspiel am Samstag im Weserstadion gegen seinen Ex-Klub Borussia Dortmund (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker) ohne den Mittelfeldspieler über die Bühne geht, erscheint noch fraglich. Wie leise wird sein Abgang?
Bei Werder setzt man nun vieles daran, ihn gebührend zu verabschieden. Nach insgesamt sieben Jahren am Osterdeich, die geprägt waren von den Taten und Worten Bittencourts – der 32-Jährige war stets einer der lautesten Werder-Profis in dieser Zeit.
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Führungsspieler blieb Bittencourt immer
Fünf Jahre zählte der Mann zu den Bremer Stammspielern, spielte im Zentrum mal offensiver, mal defensiver. Erst in den jüngsten beiden Saisons schwand seine Spielzeit – auf 974 Bundesliga-Minuten in 24/25 und 609 Minuten in 25/26.
Führungsspieler blieb Bittencourt trotzdem immer: Jemand, dessen Aussagen stets Gewicht hatten, insbesondere in der Kabine.
„Bei Werder habe ich in den letzten Jahren das Feedback der Jungs bekommen, dass sie auch ein Stück weit darauf warten, dass ich die Richtung vorgebe“, hatte er vor Beginn der Saison im kicker-Interview gesagt. Zu diesem Zeitpunkt stand noch nicht fest, wie es für den einst als ein Wandervogel der Bundesliga bekannten Profi ab Sommer weitergehen würde.
Union und Schalke zeigen Interesse
Klar ist mittlerweile nur, dass er nun weiterzieht. Sein auslaufender Vertrag in Bremen wurde nicht mehr verlängert. Wohin, das ist weiterhin offen. Union Berlin gilt als ein Abnehmer, wo jedoch die Trainerfrage für die neue Saison noch unbeantwortet ist, und auch Aufsteiger Schalke 04 soll sich mit einer Verpflichtung des 303-maligen Bundesliga-Spielers befassen.
Auch deshalb geht der Routinier bei seiner Rückkehr nach der Verletzung in Bremen kein allzu großes Risiko mehr ein. Unabhängig davon, dass er vor Anpfiff offiziell verabschiedet wird, will man bei Werder zumindest versuchen, ihn im Rahmen der Möglichkeiten noch mal für den Kader zu berufen – und vielleicht wären auch wenige Einsatzminuten in Form einer späten Einwechslung gegen den BVB denkbar.
Verdient hätte sich Bittencourt einen solchen Abgang als langjähriger Bremer Profi allemal, und darüber hinaus würde dies gewissermaßen auch einen versöhnlichen Ausklang einer persönlich turbulenten Saison bedeuten.
Degradiert unter Steffen, gefragt unter Thioune
Im Verlauf der Hinrunde kühlte das Verhältnis zwischen Ex-Coach Horst Steffen und dem Mittelfeldspieler deutlich ab – bis zum Tiefpunkt rund um den Jahreswechsel, als Bittencourt nicht mal mehr in den Kader berufen wurde.
Gefragt war er dann plötzlich wieder unter Daniel Thioune, der ihn zwischen Spieltag 23 und 30 achtmal in Folge einsetzte, viermal in der Startelf. Ermöglicht der 51-Jährige, der sich früh als klarer Fürsprecher Bittencourts outete, ihm nun noch einen letzten Werder-Auftritt?
Er war sieben Jahre einer der lautesten Werder-Profis: Nun geht für Leonardo Bittencourt die Zeit in Bremen zu Ende – doch noch mal auf dem Platz?
