Sein letzter Einsatz liegt mehr als ein halbes Jahr zurück: Wieso man mit Ludovit Reis bei Werder dennoch als Soforthilfe plant. Die Hetze gegen den Ex-Hamburger weist man in Bremen deutlich zurück.
HSV-Vergangenheit und kaum Spielpraxis
Daniel Thioune war immer etwas zu früh dran, andernfalls hätten sich die Wege mit Ludovit Reis vielleicht schon vorher gekreuzt. Die beiden Stationen in Osnabrück und beim Hamburger SV stehen sowohl in der Vita des Trainers als auch des Mittelfeldspielers.
Den VfL verließ Thioune im Jahr 2020 drei Monate vor der Verpflichtung von Reis, beim HSV lagen rund ein Jahr später nur zwei Monate dazwischen. „Ich habe Ludovit ja immer verpasst“, sagte der Coach schmunzelnd – jetzt kommt es zur Zusammenführung bei Werder.
Ein Jahr nach dem Wechsel des 26-Jährigen für eine Ablösesumme in Höhe von sechs Millionen Euro zu Club Brügge konnten die Bremer Reis nun ablösefrei verpflichten; lediglich Bonuszahlungen könnten in Zukunft noch ausstehen.
Hetze nach Reis-Transfer: „Es sollte menschlich bleiben“
Ein bemerkenswert lukrativer Deal also, der jedoch auch deshalb zustande kam, weil der Niederländer die Erwartungen an ihn in Belgien nicht erfüllen konnte. Zwölf Pflichtspieleinsätze stehen für Reis zu Buche, der zwischen Oktober und Dezember wegen einer Schulterverletzung ausgefallen war. Letztmals lief er Mitte Januar für Brügge auf.
Diese Entwicklungen im zurückliegenden Jahr bei Reis hielten die Bremer indes ebenso wenig von einer Verpflichtung ab wie dessen Vergangenheit bei Nordkonkurrent HSV. „Man kann ein paar Namen aufzählen, die sowohl in Hamburg als auch bei Werder oder andersherum gespielt haben“, sagte Clemens Fritz: „Bei aller Rivalität sollte es auch immer menschlich bleiben – und respektvoll.“
Der Bremer Sportchef positionierte sich damit auch deutlich zu den Anfeindungen, die sich im Nachgang des Transfers ihren Weg in den sozialen Netzwerken bahnten: „Wir distanzieren uns von Hetze im Internet. Wenn es unter die Gürtellinie geht, ist das nicht angebracht. Wir stehen zu 100 Prozent hinter ihm.“
Reis hätte sich „einfacher entscheiden“ können
Und sportlich ist man bei Werder ohnehin überzeugt vom Mittelfeldmann angesichts „seiner aktiven Spielweise, seiner Persönlichkeit und seiner Erfahrung, die er mitbringt“, so Fritz. Dazu zählen 129 Pflichtspiele als eine prägende Figur für den HSV – allerdings zu Zweitliga-Zeiten.
Coach Thioune betonte jedenfalls, dass sich Reis auch hätte „einfacher entscheiden“ können mit einem Wechsel zu einem anderen Klub, „aber er ist jemand der Widerstände brechen kann“ – und eine solche Widerstandsfähigkeit setzt der 52-Jährige in der neuen Werder-Saison voraus.
Eigentlich hätte er den Neuzugang auch schon in den Kader für das letzte Testspiel gegen AJ Auxerre (0:1) berufen, doch Werder bekam Reis nicht mehr auf die Spielberechtigungsliste. „Wettkampffähig“ sei er trotzdem, betonte der Trainer: „Bis vor 14 Tagen war er noch in den Abläufen drin.“
Reis: Werder-Debüt schon im DFB-Pokal?
Thioune plant mit Reis ab sofort also als „Spieler mit einer hohen Intensität, der unfassbar viel unterwegs ist, der viele Bälle erobern kann, der selbst Torgefahr mit dem Ball entwickeln kann“, erklärte er.
Und stellte zugleich ein zeitnahes Debüt in Aussicht, wohl schon am kommenden Samstag im DFB-Pokal gegen den Lüneburger SK: „Wenn man so einen Spieler von der Qualität holt, dann müssen wir den nicht aufbauen, sondern er muss uns direkt helfen. Und dann hatte er natürlich die Chance, sich für den Kader zu empfehlen.“
Der menschliche Aspekt beim Dinkci-Wechsel
Ein weiterer Neuzugang dürfte dann ebenfalls im Aufgebot stehen: Die einjährige Leihe von Eren Dinkci aus Freiburg steht bevor. Und während Thioune bereits die sportlichen Vorzüge dieses Wechsels ausführte („Er ist gereift“), spielen dabei auch die privaten Gründe des gebürtigen Bremers rund um die Leukämie-Erkrankung seiner Frau eine essenzielle Rolle.
Julian Schuster erklärte am Samstag dazu: „Wenn man den Background kennt, wo die beiden herkommen, dann kann man das eine oder andere zusammenzählen“, so der Freiburger Coach: „Und das spricht dann auch für den Verein, dass wir die Professionalität, aber auch die Menschlichkeit berücksichtigen – und die entsprechenden Entscheidungen treffen.“
Sein letzter Einsatz liegt mehr als ein halbes Jahr zurück: Wieso man mit Ludovit Reis bei Werder dennoch als Soforthilfe plant. Die Hetze gegen den Ex-Hamburger weist man in Bremen deutlich zurück.
