In der Schlussphase des Spiels in Mainz erlaubt sich Leverkusens Victor Boniface einen Fauxpas, als der Ersatzspieler nach seiner Nicht-Einwechslung vorzeitig in die Kabine geht. Ein Bruch mit dem Teamgeist.
Rolfes und Martinez sehen Gesprächsbedarf
Der Kontrast war dann offensichtlich zu groß. Am Freitag noch war Victor Boniface medial positiv in den Fokus gerückt worden, nachdem der Klub den wochenlangen Ausfall von dessen Konkurrenten Christian Kofane vermeldet hatte. Der Kameruner hatte sich bei der Nationalmannschaft einen Muskelfaserriss im Oberschenkel zugezogen, sodass die Schlussfolgerung einfach wie logisch erschien: Jetzt sei Boniface, bis dahin hinter Torjäger Patrik Schick und Kofane Mittelstürmer Nummer 3, wieder gefragt. Und so glaubte wohl auch der Nigerianer selbst, dass für ihn nun die lange Zeit des Wartens vorbei sei, und er zumindest regelmäßig als Joker zum Einsatz kommen würde.
In Mainz jedoch passierte genau das Gegenteil. Als sich Carles Martinez in der 84. Minute zu den Wechseln vier und fünf entschied, schickte der Trainer neben Ezequiel Fernandez für Aleix Garcia, einem Eins-zu -eins-Tausch auf der Doppelsechs, nicht Boniface, sondern den offensiven Mittelfeldspieler Jonas Hofmann anstelle von Schick aufs Feld. Ein Tiefschlag für Boniface, der schnurstracks den Weg in die Kabine antrat und sich nicht wie die ebenfalls nicht eingewechselten Loic Badé und Lucas Vazquez wieder auf die Ersatzbank setzte.
„Ich weiß davon nichts. Wenn es so war, werden wir mit ihm sprechen.“ (Carles Martinez)
Ein Affront gegen den Teamgeist, den Robert Andrich trocken, aber dennoch eindeutig kommentierte. „Dazu sage ich gar nichts. Das ist nicht meine Baustelle, um ehrlich zu sein“, sagte der Ex-Kapitän, der sein Startelf-Debüt in dieser Bundesliga-Saison mit einem frühen Treffer gekrönt hatte. Als Teamplayer sind Andrich solche Sololäufe ein Dorn im Auge, was er in seiner alten Funktion womöglich auch noch deutlicher kommentiert hätte.
Für die Bayer-Verantwortlichen gilt das genauso, auch wenn diese teils moderat, aber zumindest zwischen den Zeilen eindeutig auf Bonifaces Fehlverhalten reagierten. „Ich habe das während des Spiels nicht bemerkt. Ich weiß davon nichts. Wenn es so war, werden wir mit ihm sprechen“, sagte Martínez, „ich kann verstehen, dass jeder Spieler der Mannschaft helfen möchte. Gleichzeitig gehören solche Entscheidungen zum Fußball. In diesem Moment habe ich mich für diese Einwechslungen entschieden.“
Rolfes versucht zu moderieren, wird aber auch deutlich
Redebedarf meldete auch Simon Rolfes an, auch wenn dieser das Thema öffentlich möglichst klein halten wollte. „Ich weiß nicht, ob er vielleicht zur Toilette musste“, versuchte der Geschäftsführer den nicht ersten Ausrutscher des oft wankelmütigen Stürmers humorvoll herunterzuspielen, um dann aber festzustellen: „Vielleicht ist er heute etwas zu früh in die Kabine gegangen. Beim nächsten Mal passiert das nicht.“Klar ist: Boniface hat mit seiner Aktion Kredit verspielt, was ihn im Kampf um mehr Spielzeit zurückwirft, nachdem er sich im Sommer nach einem verlorenen Jahr in Bremen mit massiven Verletzungs- und Fitnessproblemen zurückgekämpft hatte. Letzteren Aspekt betonte dann auch Rolfes: „Grundsätzlich bin ich mit Bonis Entwicklung sehr zufrieden. In den vergangenen Monaten ist er von Woche zu Woche fitter geworden. Natürlich hat er noch Luft nach oben, und jeder Spieler möchte gern spielen. Er verhält sich aber insgesamt völlig korrekt und ist ein guter Bestandteil der Mannschaft und des Trainings“, sagte der Manager, der dem bulligen Angreifer aber auch die Tür offen hielt.
„Das war vielleicht nicht die cleverste Entscheidung.“ (Simon Rolfes)
So betonte Rolfes: „Es gibt auch andere Dinge, die die Jungs manchmal machen und die nicht immer ideal sind. Wir wollen Spieler, die Emotionen haben. Man muss immer schauen, dass es in den Kontext der Mannschaft passt. Ich bin ein Freund davon, erst einmal mit den Jungs zu sprechen und ihnen zu sagen: Das war vielleicht nicht die cleverste Entscheidung. Dann ist es auch gut.“
So unpassend Bonifaces Reaktion auf seine Nicht-Einwechslung war, so wenig überraschend kommt es, dass eine solche Bekundung der Unzufriedenheit nun erfolgte. Spannend wird es nun sein, ob der 25-Jährige, der in dieser Saison einzig bei der 2:3-Auftakt-Niederlage in Elversberg für ganze sechs Minuten zum Einsatz kam, mit seiner für ihn unbefriedigenden Situation umzugehen weiß. Dürfte sich doch diese ohne weitere Ausfälle nicht so schnell verbessern.
Nicht nur Bonifaces Geduld wird erneut auf die Probe gestellt
Zumal Boniface auch nicht auf Einsätze in der Europa League hoffen kann, mit denen er sich für mehr Spielzeit in der Liga empfehlen könnte. Wurde der Nigerianer doch Anfang September für diesen Wettbewerb, in dem Bayer am Donnerstag bei Lech Posen antritt, erst gar nicht gemeldet – auch weil er damals noch ein potenzieller Verkaufskandidat und das Transferfenster in Saudi-Arabien noch geöffnet war. Bonifaces Geduld dürfte also erneut auf die Probe gestellt werden – und damit auch die seiner Mitspieler sowie die der Klub-Verantwortlichen.
In der Schlussphase des Spiels in Mainz erlaubt sich Leverkusens Victor Boniface einen Fauxpas, als der Ersatzspieler nach seiner Nicht-Einwechslung vorzeitig in die Kabine geht. Ein Bruch mit dem Teamgeist.
