Die Gegentor-Serie mit 20 Ligaspielen ohne weiße Weste hält an – und doch stabilisiert sich die Abwehr des 1. FC Köln immer weiter. Nun erweitert Coach René Wagner auch das taktische Repertoire.
Dreierkette als neue Option
Der Kapitän gab sich milde. „Natürlich ärgert es mich als Torwart“, sagte Marvin Schwäbe nach der 0:1-Niederlage seines 1. FC Köln bei Eintracht Frankfurt. „Ich will auch zu null spielen. Aber wenn wir unsere Punkte mit einem 1:1 oder 2:1 holen, ist das für mich genauso fein.“ Nun fuhren die Geißböcke punktlos aus Hessen nach Hause, zufrieden konnte der Torwart nach dem 20. Ligaspiel mit mindestens einem Gegentor in Folge daher nicht sein. Und doch zog er ein zuversichtliches Fazit: „Vor allem in der ersten Hälfte standen wir stabil. Trotzdem waren wir aktiv nach vorn. Das sah sehr gut aus.“
Tatsächlich bereitete der FC den Frankfurtern zumindest 45 Minuten lang ordentliche Kopfschmerzen. Eine defensive Taktik mit Fünfer- beziehungsweise Dreierkette inklusive Doppelsechs sicherte Schwäbes Tor massiv ab. Offensiv setzte Trainer René Wagner auf Kontersituationen der schnellen Said El Mala und Linton Maina. Tief stehen, schnell umschalten: Mit diesem Rezept erhoffte sich der 38-Jährige einen Erfolg bei favorisierten Frankfurtern.
„Die Idee mit der Fünferkette hatten wir schon lange“, sagte Wagner über den taktischen Test im laufenden Betrieb. Eine Variante, die gar nicht mal so schlecht funktionierte – und den FC zukünftig schwerer ausrechenbar machen soll. „Wir glauben, dass wir taktisch flexibler sein können“, sagt Wagner und erklärt: „Wenn wir in Auswärtsspielen einen zusätzlichen Verteidiger mit in die Box bekommen, hilft uns das. Das war ein Schritt in unserer Entwicklung.“
Wagners Wechsel zwischen Dominanz und defensiver Sicherheit
Neben den gesetzten Luka Lochoshvili und Jahmai Simpson-Pusey lief so erstmals in dieser Saison Joel Schmied als Teil der Abwehrkette auf. Der schnelle Schweizer machte seinen Job solide, knickte aber in der zweiten Hälfte um und musste verletzt vom Feld. Wagner stellte per Dreifachwechsel von Dreierkette auf die gewohnte Viererkette um – und kassierte schließlich den entscheidenden Treffer.
Für Wagner war die Umstellung trotzdem ein Erfolg. „Wir waren aus der Dreierkette sehr aktiv“, fand der Coach, dessen Team nun zwischen zwei Identitäten hin- und herwechseln kann. Denn bei Heim-Auftritten wie zuletzt gegen Bremen (1:1) oder Mönchengladbach (2:1) hatte der FC ein bestimmendes Gesicht gezeigt und die spielerische Dominanz ins Zentrum der Entwicklung gestellt. Nun bastelt Wagner auch an der Defensive, um zukünftig gegen überlegene Gegner ein Gegenmittel in der Hand zu haben.
Dass der erste Testlauf keinen Sieg einbrachte, bewertete am Ende kein Kölner über. „Am schönsten sind diese Prozesse, wenn du auf dem Weg Punkte mitnimmst“, resümierte Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler und urteilte milde wie sein Kapitän: „Ich glaube nicht, dass der FC mit gesenkten Köpfen in den Bus steigen muss.“
Die Gegentor-Serie mit 20 Ligaspielen ohne weiße Weste hält an – und doch stabilisiert sich die Abwehr des 1. FC Köln immer weiter. Nun erweitert Coach René Wagner auch das taktische Repertoire.
