Stögers Fehlstart-Hattrick: Warum Gladbach daraus Hoffnung schöpfen kann 

Gladbach ist das vierte Team der Liga-Geschichte, das mit sechs Niederlagen in eine Saison startet. Warum für die Borussia damit noch nichts verloren ist, weiß niemand besser als Kevin Stöger.

Schon wieder sechs Niederlagen

Die Gelegenheit, Gladbachs historischen Fehlstart zu verhindern, bekam Kevin Stöger am 6. Spieltag nicht. Zwar berief ihn Trainer Alexander Blessin für das Match gegen Hoffenheim im Gegensatz zur Vorwoche in den Spieltags-Kader, die 1:2-Niederlage musste der Österreicher jedoch 90 Minuten von der Bank aus verfolgen. Wieder gab es nichts Zählbares für die Borussia – was langsam historisch wird.

Zuvor waren nur Fortuna Düsseldorf 1991/92, der 1. FSV Mainz 2020/21 und der VfL Bochum 2022/23 nach sechs Spieltagen noch punktlos. Mainz und Bochum? Bei beiden Vereinen stand in just der jeweiligen Spielzeit auch ebenjener Stöger unter Vertrag. Für ihn ist die Situation in Gladbach also nichts Neues. Und seine Erfahrungen dienen der Borussia durchaus als Mutmacher.

Wende in Mainz dank Svensson

Im Oktober 2020 hatte sich der damals vereinslose Stöger den Mainzern angeschlossen, da stand der FSV bereits mit drei Niederlagen aus drei Partien auf dem vorletzten Platz und hatte Coach Achim Beierlorzer entlassen.

Besser wurde es auch unter dessen Nachfolger Jan-Moritz Lichte nicht. Zwar holte das Team am 7. Spieltag beim 2:2 gegen Schalke den ersten Punkt, angesichts der Lage war jedoch ein Remis zu Hause gegen den Tabellensiebzehnten zu wenig. Nur ein Dreier glückte dem FSV in der Amtszeit des heutigen Gladbacher Co-Trainers. Nach drei torlosen Partien im Dezember beendete Mainz das Kapitel Lichte.

Erst mit Bo Svensson änderte sich die Statik der Saison. Der Däne übernahm den Vorletzten im Januar. Unter seiner Führung gewann Mainz jene Eigenschaften zurück, die im Abstiegskampf unverzichtbar sind: Teamgeist und Einsatzwillen. Fortan lief Mainz abgesehen vom 1:1 gegen Bielefeld am 27. Spieltag in jeder Saisonpartie mehr als der jeweilige Gegner.

Plötzlich schlug das Pendel auch in engen Spielen zugunsten des FSV aus. Daran hatte auch Stöger einen Anteil: Am 21. Spieltag beim 2:2 in Leverkusen erzielte der Österreicher in der Nachspielzeit den Ausgleichstreffer, eine Woche später war er kurz vor Schluss für das goldene 2:1 in Gladbach verantwortlich. Neun Siege feierten die 05er noch unter Svensson – alle mit nur einem Tor Differenz. Die Rheinhessen mussten nicht mal bis zum Schluss zittern und kletterten am Ende sogar auf den 12. Platz.

Stöger führte Bochum zum Klassenerhalt

Ein Déjà-vu erlebte Stöger 2022/23, als er nach Bochum wechselte. Gleich am 1. Spieltag unterlag er trotz seines zwischenzeitlichen Ausgleichstreffers gegen Ex-Klub Mainz mit 1:2. Es folgten fünf weitere Niederlagen und die Entlassung des einstigen Bochumer Aufstiegstrainers Thomas Reis. Erst unter Interimscoach Heiko Butscher holte der VfL den ersten Punkt: beim 1:1 gegen Köln am 7. Spieltag.

Das Siegen lernte der VfL schließlich wieder unter Thomas Letsch. Vor allem an der Castroper Straße entwickelte das Team unter dem neuen Coach wieder eine enorme Wucht. Seine ersten fünf Heimspiele gewann Letsch allesamt, darunter mit 3:0 gegen den frisch gebackenen Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt sowie mit 5:2 gegen die TSG Hoffenheim.

Im Gegensatz zu Mainz in der Saison 2020/21 war Bochum vor dem letzten Spieltag allerdings noch nicht gerettet. Beim Saisonfinale gegen Leverkusen war der Sechzehnte zum Siegen verdammt. Erneut zeigte der VfL im eigenen Stadion, wer Herr im Hause ist. Angeführt von einem überragenden Stöger, der ein Tor, einen Assist und einen vorletzten Pass verzeichnete, feierte der VfL einen 3:0-Erfolg. Der Spielmacher verdiente sich nicht nur erstmals die kicker-Note 1, sondern auch den Klassenerhalt.

Das einzige Team, das mit null Punkten nach sechs Spieltagen absteigen musste, war Düsseldorf in der Saison 1991/92. Der Fortuna half auch ein Trainerwechsel nach dem Fehlstart nichts. Aber die Rheinländer hatten damals eben auch keinen Kevin Stöger in ihren Reihen.

 Gladbach ist das vierte Team der Liga-Geschichte, das mit sechs Niederlagen in eine Saison startet. Warum für die Borussia damit noch nichts verloren ist, weiß niemand besser als Kevin Stöger. 

 

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