Schickers verrücktes Jahr 

Hoffenheims Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker wird an diesem Montag 40 Jahre alt. Nicht der einzige Grund zum Feiern für den Österreicher zwischen Beinahe-Abschied, Beförderung und Rekordtransfer.

Tourés Rekordtransfer setzt neue Maßstäbe

Wenn Andreas Schicker an diesem Montag seinen 40. Geburtstag feiert, dürften ihm auch noch einige andere Gründe in den Sinn kommen, auf die es anzustoßen lohnt. Etwa den am Samstagnachmittag besiegelten größten Transfer in der Geschichte der TSG Hoffenheim. Für stolze 50 Millionen Euro wechselt Bazoumana Touré zu Newcastle United in die englische Premier League und beschert der TSG eine neue Rekordeinnahme. Überdies sicherte sich Hoffenheim auch eine Beteiligung von zehn Prozent, sollte Newcastle den Ivorer irgendwann weiterverkaufen. Damit dringen die Kraichgauer für ihre Verhältnisse in eine neue Dimension vor.

Es ist Schickers bislang größter Coup, der nicht nur ein Lebensjahr abrundet, sondern auch zwölf Monate, die von hoher Intensität und teils kuriosen Turbulenzen geprägt waren. Denn neben der Grundsanierung des Hoffenheimer Kaders nach dem soeben noch erreichten Klassenerhalt, war der Fußball-Manager auch auf ungewohntem Terrain gefordert. Etwa als Kronzeuge in dem schlagzeilenträchtigen Gerichtsprozess rund um das gegen Berater Roger Wittmann verhängte Haus- und Stadionverbot.

Auch Demissionen oder Rücktritte seiner Geschäftsführerkollegen Dr. Markus Schütz, Frank Briel, Tim Jost oder Vereinsboss Jörg Albrecht galt es zu überstehen, um ein Haar hätte der genervte Schicker von den Querelen aufgerieben die TSG Richtung Wolfsburg verlassen, als neben RB Salzburg der VfL am hartnäckigsten lockte. Später wurde knapp Schickers Degradierung seitens des Interimsvorsitzenden Christoph Henssler abgewehrt, zudem galt es einen mutmaßlichen Datenschutzverstoß zu managen.

Zweitbeste Saisonbilanz der Hoffenheimer Erstligazugehörigkeit

All das endete schließlich in Schickers Bestätigung und Beförderung in Form einer vorzeitigen Vertragsverlängerung und in der Gewissheit, nunmehr ohne Störfeuer die sportlichen Geschicke der Kraichgauer lenken und planen zu können. Als logische Folge haben längst seine allesamt aus Graz nachgeholten Mitstreiter verlängert, neben Chefcoach Christian Ilzer auch dessen Trainerteam sowie der zum Sportdirektor beförderte Paul Pajduch. Auch darauf könnte Schicker das Glas erheben, ebenso auf die zweitbeste Saisonbilanz der Hoffenheimer Erstligazugehörigkeit inklusive Rückkehr in die Europa League.

Schickers Netzwerk und Weitsicht

Die Wertschöpfung im Fall Touré fiel indes so rasant aus, wie dieser Sprinter den linken Flügel bespurtete. Nur ein Beispiel von vielen für Schickers Netzwerk und Weitsicht, was das sportliche wie finanzielle Entwicklungspotenzial von noch relativ unbekannten Spielern betrifft. Immerhin hatte der Österreicher im Winter 2025 (im Gegensatz zu anderen Bundesligisten) die mutige Entscheidung getroffen, immerhin stattliche zehn Millionen Euro für das damals gerade mal 18 Jahre alte Talent und noch unbeschriebene Blatt nach Hammarby in Schweden zu überweisen.

Eine Investition, die nicht immer aufgeht, wie der zumindest finanziell vergleichbare Fall des zeitgleich verpflichteten Gift Orban zeigt, der sich als Flop erwies. Für Schicker bislang allerdings die Ausnahme von der Regel, einen Riecher für Volltreffer zu haben, das beweisen die zahlreichen bewährten Verstärkungen der vergangenen Erfolgssaison. So haben neben Touré etwa auch Sechser Leon Avdullahu, Achter Wouter Burger oder Innenverteidiger Albian Hajdari voll eingeschlagen und ihre Marktwerte vervielfacht. Das gilt auch für Rückkehrer Fisnik Asllani. Zudem haben Routiniers wie Vladimir Coufal oder Bernardo das Gebilde stabilisiert, auch Star Andrej Kramaric blühte herausgefordert von Muhammed Damar einmal mehr auf.

Die Touré-Millionen decken jedenfalls schon mal die bislang in diesem Kalenderjahr getätigten Transfers von bislang rund 40 Millionen Euro ab, die Schicker bereits in den Kader der fünften Europapokalsaison der TSG gesteckt hat. So wurden im Winter bereits Perspektivstürmer Yannik Eduardo von RB Leipzig und Sechser Luis Engelns geholt und diesen Sommer kräftig investiert in Linksverteidiger Mats Rots (12 Mio. plus Boni aus Enschede), Rechtsaußen Patrick Wimmer (10 Mio. aus Wolfsburg), Mittelfeldspieler Cajetan Lenz (10 Mio. aus Bochum) sowie Stürmer Alessandro Vogt (2,8 Mio. aus St. Gallen). Weitere designierte Verkäufe etwa von Damar, Asllani und dem umworbenen Eigengewächs Hennes Behrens sollen weiteren Spielraum schaffen.

Schließlich hat Schicker die Angel auch noch nach Kandidaten wie Nathan De Cat von RSC Anderlecht, Kodai Sano von NEC Nijmegen oder Bremens Jens Stage ausgeworfen. Einen Touré-Nachfolger im Hochgeschwindigkeitsbereich braucht es nun auch noch. Mal sehen wer da noch alles anbeißt – und wie üppig die Feierlichkeiten in einem Jahr ausfallen …

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