Poulsen sendet ein erstes Signal aus 

Auf dem Weg ins Trainingslager in Längenfeld machte der HSV am Samstag Station in Wien, verlor 2:3 beim SK Rapid und gewann dennoch Zuversicht in einer Personalie: Yussuf Poulsen ist weiter als vor einem Jahr zu dieser Zeitpunkt der Vorbereitung.

HSV-Stürmer setzt den Plan der Ärzte um

Eine Auswechslung nach 33 Minuten ist im Normalfall selten ein gutes Zeichen. Bei Yussuf Poulsen hingegen ist der Ausnahmefall Programm. Fünf Verletzungspausen hatte der 32-jährige Angreifer in seiner ersten HSV-Saison, absolvierte deshalb nur ein Spiel von Beginn an. Beim ersten Test dieser Vorbereitung, am Samstag bei Rapid Wien (2:3), war für ihn von vornherein nur eine halbe Stunde Einsatzzeit vorgesehen. Dass er diese von Beginn an erhielt und auch noch traf, taugt zum dezenten Hoffnungsschimmer.

Startelf, ein Tor und viele Kommandos

Poulsen war vor einem Jahr mit der Hoffnung von RB Leipzig verpflichtet worden, dass er für den Aufsteiger ein Ausnahmestürmer sein könnte. Stattdessen wurde er zum Ausnahmefall, der aufgrund seiner Verletzungshistorie, die bereits in den beiden Jahren zuvor begonnen hatte, regelmäßig gesteuert werden musste – und trotzdem immer wieder ausfiel.

Dass die richtige Steuerung zum Start in die neue Spielzeit wieder entscheidend ist, zeigt zweierlei: Poulsens Verfügbarkeit bleibt ein Fragezeichen. Gleichzeitig sind Mediziner, Trainerteam und der Routinier selbst bemüht, nichts unversucht zu lassen. Der Musterprofi, in der Kabine hoch geschätzt für seine Art des Auftretens, hat sich bei seinem Heimatklub Lyngby BK auf die Vorbereitung gewissermaßen „vorbereitet“, will durch die Vordertür von der Karrierebühne abtreten.

Merlin Polzin registriert nach den ersten Eindrücken und vor der nun mit den Tagen im Aqua Dome in Längenfeld beginnenden heißen Phase der Vorbereitung: „Yussi ist voller Energie und hat totale Lust auf eine Saison mit mehr Startelf-Einsätzen.“ Gleichwohl hat der Trainer ihm keinen Persilschein für die Vergabe des Kapitänsamts ausgestellt: „Die Mannschaft ist noch nicht komplett. Es gibt Themen, die man erstmal intern bespricht, bevor man es nach außen macht.“

Poulsen verschafft sich Gehör

Nicht komplett ist der Hamburger Kader nach dem Abgang der insgesamt vier Angreifer Damion Downs, Philip Otele, Robert Glatzel und Ransford-Yeboah Königsdörffer insbesondere in der vordersten Reihe, wo Poulsen in Österreich in Abwesenheit von U 19-Nationalspieler Otto Stange der einzige Mittelstürmer ist. Als dieser begann er am Samstag in Wien, führte die Mannschaft zudem als Kapitän aufs Feld – und nicht nur wegen seines Torerfolgs auch als Impulsgeber an.

Mit dem Anführer war das Offensivspiel der insgesamt mit sechs Nachwuchskräften bestückten Hamburger Formation deutlich klarer – auch, weil Poulsen, bevor er vom Trainer gesteuert wurde, das Angriffspressing sicht- und hörbar steuerte. „Das“, sagt er, „ist ein Teil meines Spiels. Ich habe viele Profispiele gemacht und kenne die Abläufe. Mit Erfahrung weiß man, was zu tun ist.“

Erfahrungen hat Poulsen, notgedrungen, auch im Umgang mit dem eigenen Körper gesammelt. Sein neues Rezept: „Ich mache das, was unsere Ärzte sagen. Bis jetzt kann ich alles mitmachen, und wenn ich hier und da herausgenommen werde, ist es okay. Nun waren es 33 Minuten, vielleicht sind es beim nächsten Mal dann mehr.“

Genau das strebt sein Coach an: „Wir wussten vorher, dass Yussi eine halbe Stunde gehen kann. Wir wollten kein unnötiges Risiko eingehen.“ Weil perspektivisch mehr von ihm kommen soll. „Ein einziger Startelf-Einsatz von ihm in der vergangenen Saison war natürlich nicht zufriedenstellend. Nicht für ihn und nicht für uns. Daraus müssen wir lernen.“ Polzin weiß: „Yussis Körper ist so, wie er ist. Er ist ein wichtiger Bestandteil unserer Mannschaft. Mit welcher Spielzeit und in welcher Rolle auch immer.“

„Ich definiere mich nicht nur über Tore.“ (Yussuf Poulsen)

Mit dem Einstieg in die Vorbereitung hat Poulsen gegenüber dem Vorjahr zumindest schon einen Fortschritt erzielt. Als er im Juli 2025 während des ersten Trainingslagers im fränkischen Herzogenaurach zur Mannschaft stieß, konnte er nur individuelle Einheiten absolvieren, verpasste auch den ersten Härtetest bei Sturm Graz (1:2). Aktuell ist er mittendrin, traf sogar beim ersten Test – und macht deutlich, dass er mehr will. „Ich definiere mich nicht nur über Tore. Ich finde es wichtiger, dass wir als Mannschaft funktionieren.“

Poulsen will seinen Beitrag dazu leisten. Und das möglichst deutlich mehr als in der Vorsaison, da er vor allem in der Kabine gewirkt hat. Spuren hinterlassen haben die von Ausfällen geprägten Monate bei ihm keine. Zumindest nicht im Kopf. „Ich bin nicht ängstlich und mache das, was vorgegeben wird.“ In der Hoffnung, dass sein Dienstende künftig weiter nach hinten geschoben wird.

 Auf dem Weg ins Trainingslager in Längenfeld machte der HSV am Samstag Station in Wien, verlor 2:3 beim SK Rapid und gewann dennoch Zuversicht in einer Personalie: Yussuf Poulsen ist weiter als vor einem Jahr zu dieser Zeitpunkt der Vorbereitung. 

 

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