Der FC Schalke 04 will unbedingt eine Reform der TV-Geld-Verteilung erreichen. Als Verein, der die Massen überdurchschnittlich stark anzieht, fühlen sich die Königsblauen aktuell extrem benachteiligt.
Finanz-Fesseln schränken Aufsteiger stark ein
Der FC Schalke 04 muss sich auch in Zukunft kniffligen Finanz-Fragen stellen. Eine am Samstag auf der Mitgliederversammlung eingeblendete Grafik verdeutlichte die angespannte Situation einmal mehr überaus anschaulich.
Von den 18 Bundesligisten hat nur Schalke 04 ein negatives Eigenkapital, das mit fast 100 Millionen Euro auch noch exorbitant ausfällt. Alle anderen Erstligisten liegen im Plus.
Bayern an der Spitze
Zum Vergleich: Der FC Bayern steht laut der Schalker Rangliste bei rund 585 Millionen Euro, Revier-Rivale BVB bei etwa 325. Augsburg (knapp 65), der HSV (fast 50) und der 1. FC Köln (annähernd 30) liegen komfortabel im zweistelligen Millionenbereich. Auch die beiden Mitaufsteiger SV Elversberg (1,4) und SC Paderborn (6,4) rangieren vor dem früheren Champions-League-Teilnehmer.
Die Eigenkapitalauflage der Bundesliga (Schalke droht chronisch ein Drei-Punkte-Abzug zu Saisonbeginn) hemmt den Verein. Schon jetzt wissen die Verantwortlichen, dass sie die Verbesserung des Eigenkapitals – erforderlich sind zehn Prozent pro Jahr – 2027 nicht aus dem Tagesgeschäft erreichen können.
Die Hoffnung liegt in großem Maße auf der Fördergenossenschaft. Der Pottklub hängt an ihrem Tropf, wenn auch selbstbestimmt. „Die Fördergenossenschaft ist unsere Antwort auf das Problem des negativen Eigenkapitals“, sagt Vorstandsboss Matthias Tillmann. Er bezeichnet die Fördergenossenschaft als „charmanteste Lösung“, schränkt aber ein, dass sie „nur funktioniert, wenn viele mitmachen und es eine Bewegung wird“.
Hier liegt die Schwierigkeit. Was den Ertrag betrifft, besteht weiter Luft nach oben. Bislang haben 9000 Menschen Anteile gezeichnet, die eingenommene Summe liegt mit etwa acht Millionen Euro immer noch nicht im zweistelligen Millionenbereich.
Im Raum stehen 50 Millionen Euro, diese Summe wurde beim Start der zeitlos angelegten Fördergenossenschaft vor mehr als anderthalb Jahren als Marke genannt. Im Rahmen der Mitgliederversammlung präzisierte Tillmann nun noch einmal: „Ich habe damals gesagt, dass sich die Welt auf Schalke ändert, wenn wir unser Eigenkapital um 50 Millionen Euro verbessern.“ Die Erwartung sei nicht gewesen, „dass wir im ersten Schritt 50 Millionen einsammeln“. Die Fördergenossenschaft kann maßgeblich dabei helfen, an diesen finanziellen Meilenstein heranzukommen.
Schalke trommelt weiter für die Fördergenossenschaft, die Mitgliederversammlung glich zumindest im ersten Drittel einer Werbeveranstaltung. Die Schalker Verantwortlichen befinden sich in diesen Wochen in der gesamten Republik auf Werbetour, um den Mitgliedern die Genossenschaft weiter schmackhaft zu machen.
Ein Dorn im Auge ist den Schalkern derweil die aus ihrer Sicht unfaire Verteilung der TV-Erlöse. Ihr Problem: Der Schlüssel berücksichtigt stark den sportlichen Erfolg, der bei den Gelsenkirchenern (vier Zweitligasaisons in fünf Jahren) zuletzt vergleichsweise überschaubar war.
Zehnthöchster Zuschauerschnitt in Europa
Die Pfunde, mit denen der Pottklub wuchern kann, fallen derweil kaum ins Gewicht, dazu zählt beispielsweise das immense Interesse: Schalke präsentierte eine Grafik, aus der hervorging, dass der Verein 2025/26 mit 61.904 Zuschauern europaweit den zehnthöchsten Schnitt aufwies.
„Wir tragen zur Attraktivität der Bundesliga bei“, betonte Tillmann, was die TV-Tabelle aber nicht berücksichtige. Er kündigte an, bei dem Thema in den kommenden Jahren nicht nachzulassen. „Wir wollen das nicht akzeptieren“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Schalke 04 will unbedingt eine Reform der Verteilung des TV-Gelds erreichen, dazu wird das Thema früh und mit Nachdruck gesetzt.
Für 2026/27 erwartet Schalke 36 Millionen Euro an TV-Erlösen. Laut Axel Hefer, der auf der Versammlung von den anwesenden Stimmberechtigten erneut in den Aufsichtsrat gewählt und später vom Gremium auch als Vorsitzender bestätigt wurde, wären das „neun Millionen Euro weniger“ als in der jüngsten Erstligasaison 2022/23. In der Abstiegssaison 2020/21 konnten die Gelsenkirchener noch 76 Millionen Euro an TV-Geld einstreichen.
Der FC Schalke 04 will unbedingt eine Reform der TV-Geld-Verteilung erreichen. Als Verein, der die Massen überdurchschnittlich stark anzieht, fühlen sich die Königsblauen aktuell extrem benachteiligt.
