Kölns Neuzugang Paul Okon-Engstler saugt im Trainingslager „Neues“ begierig auf. Wofür ihn der Bundesligist verpflichtet, ist ihm derweil bewusst.
Engagement der FC-Trainer ist „etwas Neues“
Aus Kitzbühel berichtet Frank Lußem
Der Vorschusslorbeer, den sein Sportdirektor Alexander Baumjohann aus Sydney ihm auf den Weg an das andere Fußball-Ende der Welt mitgab, muss sich Paul Okon-Engstler natürlich erst verdienen. Doch es scheint, dass in diesem Fall Vertrauen und Lob für eine Tat, die erst noch erbracht werden muss, nicht vorschnell ausgesprochen werden. Baumjohann kennt den Spieler seit acht Jahren und er weiß ihn einzuschätzen: „Ich habe noch keinen Australier gesehen, der ein solches Gesamtpaket mitbringt.“
Und dies gilt so ganz nebenbei nicht nur für den Job. „Paulie“, wie er genannt wird, ist ein heller Bursche, wovon nicht allein die Tatsache zeugt, dass er gleich fünf Sprachen beherrscht: Englisch, italienisch, portugiesisch, spanisch und niederländisch spricht der 21-jährige Mittelfeldspieler, der im belgischen Oostende – wo einst sein Vater kickte – sein Talent früh offenbarte und drei Jahre im Nachwuchs des Club Brügge ausgebildet wurde, eher es ihn nach Lissabon zog, wo er die nächsten drei Jahre für den Benfica-Nachwuchs spielte.
Und nun – nach einem erfolgreichen Intermezzo in Sydney mit anschließender WM-Teilnahme und vier Einsätzen für die Socceroos – der Wechsel nach Köln. Angebahnt hatte der sich bereits vor der WM, allerdings verschwiegen sein Vater Paul und das Management des Spielers diesem das Interesse des Bundesligisten: „Ich sollte mich voll auf die WM konzentrieren.“
„Mein erstes WM-Spiel zu bestreiten und auf dieser Bühne zu stehen, der größten Bühne im Fußball, war ein wahr gewordener Traum.“ (Paul Okon-Engstler)
Das funktionierte wie erhofft. In einem Interview auf der FIFA-Homepage beschrieb er seine Gedanken: „Ich habe mich großartig gefühlt. Mein erstes WM-Spiel zu bestreiten und auf dieser Bühne zu stehen, der größten Bühne im Fußball, war ein wahr gewordener Traum. Jedes Kind träumt davon. Ich bin einfach unglaublich glücklich, dass ich mir diesen Traum erfüllen konnte.“
Jetzt aber ist der FC an der Reihe. Im Kitzbüheler Trainingscamp macht der junge Mann mit dem etwas sperrigen Nachnamen im Umgang mit den Menschen um ihn herum („Ich lerne nach und nach die Namen.“) ebenso täglich Fortschritte wie auf dem Rasen. Er ist als Sechser eingeplant, kann aber mit seinen Fertigkeiten auch auf der Acht spielen.
Geradlinigkeit, hohes Antizipationsvermögen, Zweikampfstärke, ein starker linker Fuß und die Fähigkeit, Bälle zu erobern, zu behaupten und zu verteilen zeichnen ihn aus. Die neue Umgebung flößt ihm keinen übermäßigen Respekt ein, Neues saugt er begierig auf. So zum Beispiel das Engagement der Trainer an der Seitenlinie, die während des Trainingsspiels über die gesamte Länge des Platzes von der Seitenlinie aus lautstark Kommandos geben: „Das ist etwas Neues für mich, sehr aufregend.“
Seine Geburtsstadt ist nur vier Autostunden entfernt
Was von ihm verlangt wird, weiß er: „Sie haben für mich bezahlt, damit ich spiele, dem Team helfe und wir Spiele gewinnen.“ Was er dazu beitragen will: „Ich liebe es, den Ball zu haben. Ich mache gerne die Drecksarbeit, will für Stabilität sorgen und für Kontrolle.“ Das Lob von allen Seiten, insbesondere dies von Alexander Baumjohann, löst keinen Druck bei ihm aus: „Ich will mich hier beweisen. Köln ist ein großer Klub, die Bundesliga eine Top-5-Liga in der Welt. Und ich bin glücklich, hier zu sein.“
Von Druck also keine Spur. Und wenn es ihn zur Erholung mal zurück in die Vergangenheit zieht, ist Köln auch die richtige Adresse: Ob mit Zug oder Auto – seine Geburtsstadt Oostende erreicht er von dort in knapp vier Stunden.
Kölns Neuzugang Paul Okon-Engstler saugt im Trainingslager „Neues“ begierig auf. Wofür ihn der Bundesligist verpflichtet, ist ihm derweil bewusst.
