Zwischen dem Europapokal-Halbfinaleinzug und dem DFB-Pokal-Halbfinale in Stuttgart steht für den SC Freiburg der Liga-Alltag auf dem Programm, den er mit der gleichen Einstellung angehen will.
Freiburg zwischen Highlights und Liga-Endspurt
„Als ich vor neun Jahren hergekommen bin, haben wir am letzten Spieltag den Nicht-Abstieg geschafft“, erinnerte sich Philipp Lienhart nach dem 3:1-Sieg bei Celta Vigo im Interview bei SC-TV. „Der Verein hat eine unglaubliche Entwicklung genommen. Ich bin froh, ein Teil davon zu sein, aber ab und zu muss ich mich kneifen, dass das wirklich Realität ist.“ Wie alle beim Sport-Club war der österreichische Innenverteidiger extrem stolz auf den zweiten Halbfinaleinzug in dieser Saison, den er mit seiner Mannschaft vor allem beeindruckend souverän geschafft hat.
Trainer Julian Schuster wurde ebenfalls emotional nach dem großen Erfolg, blickte aber schon bald wieder voraus. „Wir haben einen weiteren Schritt geschafft, aber wir sind noch nicht am Ende“, betonte der SC-Coach, „feiern werden wir dann Ende Mai.“ Das unterstreicht die großen Ambitionen, die das Team in dieser Saison noch hat. Und die Bundesliga soll dabei keinesfalls hinten runterfallen, und das gilt auch für das Heimspiel gegen den 1. FC Heidenheim (Sonntag, 15.30 Uhr, LIVE! bei kicker). „Bei aller Freude über das Geleistete“ habe er schon bei seiner Ansprache nach dem Spiel gesagt, „dass es die Kunst und Qualität ist, am Sonntag wieder so eine Leistung abzurufen und nicht in den Erfolgen zu verharren“.
Das hat die Mannschaft zuletzt gut geschafft, als sie nach dem Europapokal-Rückspiel gegen Genk und dem Hinspiel gegen Vigo die Auswärtsspiele beim FC St. Pauli (2.1) und in Mainz (1:0) gewonnen hat. „Wir wollen den Flow mitnehmen“, meinte Schuster, und nannte als warnendes Beispiel die 0:3-Niederlage von Celta gegen das Schlusslicht der spanischen Liga zwischen den beiden Viertelfinal-Duellen mit dem SC. So etwas habe Einfluss auf folgende Spiele, deswegen werde der Sport-Club „alles, was möglich ist, reinlegen“. Er hat in dieser Hinsicht allerdings keine Bedenken: „Man spürt in letzter Zeit, die Mannschaft ist noch mal enger zusammen gerückt, es ist unglaublich viel Energie und Füreinander da.“
Grifo warnt vor dem FCH und will Platz sieben
Und das liegt auch am Trainer, erklärte Vincenzo Grifo: „Er versucht alles aus uns rauszuholen, er bringt uns dazu, an die Kante zu gehen.“ Das werde er auch gegen den Tabellenletzten Heidenheim wieder einfordern, der seit drei Spielen ungeschlagen ist, und zuletzt nach zwei Unentschieden gegen Leverkusen und Gladbach gegen Union Berlin gewonnen hat. „Sie werden darauf hoffen, dass wir auf Höhenflug sind und minimal weniger machen“, weiß Grifo, „aber wir wollen Momentum, Spielfreude und Selbstvertrauen mitnehmen, ohne Überheblichkeit.“ Schließlich wollen die Freiburger in der Liga noch auf Platz sieben klettern.
Derzeit hat die Eintracht zwei Punkte Vorsprung. „Wenn Frankfurt minimal was liegen lässt, dann sind wir da“, kündigte Grifo an, „darauf lauern wir – wie Streichi sagt: lauern!“ Er bezieht sich dabei auf seinen Ex-Coach Christian Streich, der ihm das immer geraten habe, um zu Torchancen zu kommen. Bei seinem Rekordtor, dem 106. für den SC gegen Genk, ist ihm das perfekt gelungen. In Vigo hatte er das zweite Tor von Yuito Suzuki vorgelegt, und die „unglaublich reife, abgezockte und erwachsene Leistung“ seines Teams gelobt – die auch bei den nächsten Aufgaben wichtig sein wird. Nach der Niederlage im Achtelfinale in Genk habe die Mannschaft „den Schalter umgelegt, auf Details geachtet, ist mit anderer Haltung ins Spiel gegangen“, sagte der Vize-Kapitän, „diese positive Energie wollen wir uns nicht nehmen lassen“.
DKMS-Aktion läuft
Allerdings hat der SC zuletzt zwei Heimspiele in Folge verloren, gegen Union und Bayern, nach zuvor elf ungeschlagenen Spielen im eigenen Stadion. Das dient als zusätzliche Motivation, wie auch die etwas unglückliche 1:2-Niederlage im Hinspiel in Heidenheim. Und trotzdem wird es am Sonntag in Freiburg nicht nur um den sportlichen Ehrgeiz gehen, sondern auch um eine wichtige Gemeinschaftsaktion. Vor dem Spiel gibt es eine Registrierungsaktion der DKMS, „für Cinja und für viele andere Menschen“, die auf eine lebenswichtige Stammzellenspende angewiesen sein könnten. Cinja, die Freundin des derzeit vom Sport-Club an seinen Ex-Verein FCH ausgeliehenen Eren Dinkci, ist an Leukämie erkrankt.
„Da sieht man, wie viel dann auch in den Hintergrund rückt“, sagte Schuster. „Das sind Aufgaben im Leben, die sehr, sehr hart sind.“ Der Sport-Club versuche die Familie zu unterstützen „mit unserem Umfeld, mit Ärzten und mit unserem Bezug zur Uniklinik“. Der bereits in der Kartei der DKMS registrierte SC-Coach rief dazu auf, sich registrieren zu lassen. Heidenheim plant die gleiche Aktion eine Woche später vor dem Spiel gegen St. Pauli. Die Registrierung ist aber auch ganz einfach online möglich.
Zwischen dem Europapokal-Halbfinaleinzug und dem DFB-Pokal-Halbfinale in Stuttgart steht für den SC Freiburg der Liga-Alltag auf dem Programm, den er mit der gleichen Einstellung angehen will.
