Liebling Leverkusen: Elversberg feiert Coup – und will in Gladbach nachlegen 

Aufsteiger SV Elversberg überzeugt 70 Minuten lang mit schnellen Kombinationen und großer Leidensfähigkeit. Lukas Petkov sorgt für geschichtsträchtigen Treffer, Trainer Vincent Wagner fordert noch mehr Mut.

Zwischen Kunst und Historie

Bayer Leverkusen scheint für saarländische Mannschaften zum Lieblingsgegner zu werden. Bis zu diesem Wochenende hatte über 33 Jahre lang kein Team aus dem Saarland mehr einen Bundesliga-Sieg einfahren können. Den letzten Erfolg im Fußballoberhaus feierte im Februar 1993 der 1. FC Saarbrücken – der Gegner beim 3:1-Sieg damals: Bayer Leverkusen.

Dass ausgerechnet die Werkself jetzt wieder die Punkte im Saarland lassen musste, schien im Vorfeld nahezu unmöglich. „Am Wochenende spielen 25 Millionen gegen 250 Millionen in der Startaufstellung“, verwies Elversbergs Trainer Vincent Wagner vor der Auftaktpartie gegen Leverkusen eindrucksvoll auf die unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen – und lag damit knapp Zweidrittel unter den eigentlichen Kaderwerten.

Petkov erlebt große Genugtuung

Aufsteiger Elversberg startete in die erste Bundesliga-Partie seiner Vereinsgeschichte mit sieben Debütanten, die noch nie im Oberhaus im Einsatz waren. Aber statt ehrfurchtsvoll Bayer die Initiative zu überlassen, legte der Aufsteiger los wie die Feuerwehr, überrannte die Gäste förmlich und belohnte sich schon nach nur acht Minuten für den couragierten Start, als Lukas Petkov mit seinem Treffer zum 1:0 Historisches gelang: „Ich weiß nicht, ob ich jetzt mein Leben lang rumlaufen und erzählen werde, dass ich das erste Bundesliga-Tor überhaupt für Elversberg geschossen habe,“ war dem Schützen der Rummel um seine Person fast schon unangenehm, der Treffer aber auch eine große Genugtuung: „Für mich ist es schon etwas sehr Schönes, weil es wirklich ein holpriger Weg war bis dahin.“

Petkov stand vor seiner Zeit in Elversberg schon einmal bei einem Bundesligisten unter Vertrag, war beim FC Augsburg ähnlich wie seine Startelfkollegen Lasse Günther (fünf Einsätze ebenfalls für Augsburg), Cole Campbell (zehn, Dortmund, Hoffenheim) und David Mokwa (zwei, Hoffenheim) aber nur zu acht Kurzeinsätzen gekommen und musste zunächst mit den Leihklubs SC Verl und SpVgg Greuther Fürth, dann mit Elversberg den Umweg über die 3. und 2. Liga nehmen.

Die Freude, endlich in der Bundesliga angekommen zu sein, das Bedürfnis, sich dort zu beweisen, das Petkov quasi mit dem gesamten Team teilt, war sicher auch ein Grund für den furiosen Auftaktsieg der SVE und führte gepaart mit wenig Druck von außen, Vertrauen innerhalb des Teams und einer Portion Unbekümmertheit zum furchtlosen Auftritt der Saarländer – zumindest über 70 Minuten.

Der überraschende 3:2-Sieg über die Werkself soll aber nur der erste Schritt gewesen sein, wenn es nach Petkov, der neben seinem Führungstreffer auch Mokwas 3:0 mit einer starken Hereingabe mustergültig vorbereitet hatte, geht: „Es sollen schon noch mehr Tore und Siege folgen“, will der bulgarische Nationalspieler weiter vorangehen, den vielen blutjungen Top-Talenten im Kader ein Vorbild sein und auch beim ersten Auswärtsspiel in Gladbach mit seinem Team für eine Überraschung sorgen.

„Wenn wir intensiv spielen, können wir auf jeden Fall mithalten.“ (Vincent Wagner, SVE-Trainer)

Eine Last ist der SV Elversberg nach dem Auftaktsieg zumindest genommen: „Wenn wir mutigen Fußball spielen, wenn wir intensiv spielen, können wir auch in dieser Liga auf jeden Fall mithalten“, attestiert Wagner seiner jungen Truppe die Erstligatauglichkeit. Trotzdem wissen die Elversberger sehr wohl, dass das Spiel gegen Leverkusen in der Schlussphase noch hätte kippen können, weil die SVE ihre Intensität nicht mehr so hochhalten konnte wie in den ersten 70 Minuten und Leverkusen damit prompt zurück ins Spiel brachte. Neben schönen Kombinationen, Pässen in die Tiefe und schnellem Umschalten wird in Gladbach daher auch wieder Leidensfähigkeit, Moral und bedingungsloser Einsatz in der Defensive gefordert sein werden.

Statt sich – wie gegen Leverkusen – in Druckphasen des Gegners weit zurückzuziehen und mit langen Bällen zu operieren, fordert Wagner in Gladbach aber den nächsten Entwicklungsschritt: „Fußballerisch brauchen wir uns nicht zu verstecken. Aber wir müssen noch mutiger Fußball spielen, auch gegen den Druck des Gegners, das ist die große Kunst.“ Das erste Kunststück ist der SVE mit dem 3:2-Erfolg über Leverkusen jedenfalls schon gelungen und damit auch ein Novum im Vergleich mit den saarländischen Konkurrenten Saarbrücken, Homburg und Neunkirchen, die ebenfalls vor langer Zeit schon den Sprung in die Bundesliga geschafft hatten. Elversberg konnte als erstes der vier saarländischen Teams ein Auftaktspiel gewinnen.

 Aufsteiger SV Elversberg überzeugt 70 Minuten lang mit schnellen Kombinationen und großer Leidensfähigkeit. Lukas Petkov sorgt für geschichtsträchtigen Treffer, Trainer Vincent Wagner fordert noch mehr Mut. 

 

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