Das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV hatte auch einige unschöne Szenen zu bieten. So kam es zu Pyrotechnik-Vorfällen nach dem Spiel. Die Rothosen haben nun Stellung bezogen.
Unschöne Szenen nach dem Derby
Das Nordderby zwischen Werder und dem HSV ist immer aufgeladen, das bringt die Geschichte mit sich. Das Duell am Samstag brachte durch die Tabellensituation der beiden um den Klassenerhalt kämpfenden Vereine noch einmal eine zusätzliche Brisanz mit. Auf dem Feld ging es rund, nach dem 3:1 der Bremer gerieten dann auch beide Bänke aneinander.
Nach dem Abpfiff gab es Fanausschreitungen, außerdem flogen Geschosse auf Fans des SV Werder, im Block des HSV gab es einen Polizeieinsatz. In andere Fanblöcke und auch auf das Feld flogen Geschosse, die nicht weit weg von den Werder-Spielern einschlugen. Bremens Mediendirektor Christoph Pieper erklärte während der Pressekonferenz nach der Begegnung, dass es zwar einige Sachbeschädigungen gab, Zuschauer nach ersten Erkenntnissen aber nicht verletzt wurden.
„Der Hamburger SV verurteilt die Vorfälle in aller Klarheit. Was wir in Bremen gesehen haben – insbesondere das gezielte Abschießen von Pyrotechnik in Richtung anderer Zuschauerbereiche – stellt eine deutliche Eskalation dar“, so Cornelius Göbel, Direktor Fans, Kultur & Nachhaltigkeit beim HSV, auf der Website der Rothosen. „Hier wurde Pyrotechnik nicht mehr als atmosphärisches Element eingesetzt, sondern als Mittel der Konfrontation. In dem Moment, in dem sie gezielt in Richtung von Menschen eingesetzt wird, sprechen wir nicht mehr über Fankultur, sondern über konkrete Gefährdung. Das ist eine klare Grenzüberschreitung.“
Göbel führte weiter aus: „Wenn man solche Vorfälle analytisch betrachtet, erkennt man bekannte Muster aus der Fan- und Konfliktforschung. Zum einen sehen wir eine Verschiebung von Normen. Dinge, die lange auch innerhalb der Szene als inakzeptabel galten, werden in bestimmten Situationen plötzlich toleriert oder sogar gerechtfertigt. Gleichzeitig entstehen gerade bei emotional aufgeladenen Spielen wie einem Derby Dynamiken, in denen sich Gruppen gegenseitig verstärken und individuelle Hemmschwellen sinken. Hinzu kommt, dass sich die Bedeutung von Pyrotechnik verändert. Was in Teilen der Fanszene als kulturelles Ausdrucksmittel verstanden wird, verliert diesen Charakter in dem Moment, in dem es gegen Menschen eingesetzt wird. Dann wird daraus faktisch ein Gefährdungsinstrument.“
„Dafür gibt es keinerlei Rechtfertigung“
Dass sich nach dem Spiel viel entlädt und die HSV-Anhänger nach der Niederlage enttäuscht sind, ist klar. Allerdings müsse natürlich alles im Rahmen bleiben, das ist auch den Hamburgern klar. „Der Polizeieinsatz im Block und die kleineren Konfliktsituationen im Nachgang zeigen, wie angespannt die Lage insgesamt war. Nach allem, was wir aktuell wissen, waren daran jedoch nicht die organisierten Strukturen der aktiven Fanszene beteiligt – das ist für die Einordnung wichtig“, sagte Göbel. „Unabhängig davon müssen wir aber klar sagen: Die Zerstörung von Sanitäranlagen im Gästebereich ist nichts anderes als blanker Vandalismus. Dafür gibt es keinerlei Rechtfertigung. Solche Handlungen haben mit Fankultur nichts zu tun, sondern sind reine Sachbeschädigung und sie schaden letztlich allen Beteiligten.“
Und wie geht der HSV nun damit um? Welche Konsequenzen werden aus den unschönen Szenen nach Abpfiff gezogen? „Zunächst geht es um eine umfassende Aufarbeitung gemeinsam mit den zuständigen Behörden. Darüber hinaus werden wir unsere Risikoanalysen für Auswärtsspiele weiter schärfen und die Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden noch enger gestalten“, berichtete Göbel. „Gleichzeitig werden wir unsere präventiven Ansätze weiterentwickeln und den Dialog mit der Fanszene fortführen, allerdings auf einer noch klareren und verbindlicheren Grundlage. Entscheidend wird sein, Grenzen deutlicher zu benennen und die Konsequenzen bei Überschreitungen transparent zu machen.“
Das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV hatte auch einige unschöne Szenen zu bieten. So kam es zu Pyrotechnik-Vorfällen nach dem Spiel. Die Rothosen haben nun Stellung bezogen.
