Nur aus Reiselust ist der FC Bayern nicht nach Asien zurückgekehrt: Vorstand Rouven Kasper fordert mehr Unterstützung aus der Bundesliga.
Bayerns Marketingvorstand fordert mehr Auslandsreisen
Von der Asien-Reise des FC Bayern berichtet Mario Krischel
Die schwüle Hitze des asiatischen Sommers macht nicht jedem beim oder um den FC Bayern zu schaffen. Rouven Kasper zum Beispiel genießt das grenzwertige Klima, hier fühlt sich der Münchner Marketingvorstand nach eigener Aussage sehr wohl. Von 2016 bis 2021 leitete Kasper das damals neu eröffnete Shanghai-Büro des deutschen Rekordmeisters, seit der Rückkehr vom VfB Stuttgart hat er den asiatischen Markt erneut in den Fokus genommen.
„Wir sind in Asien super positioniert“, bilanziert Kasper mit Blick auf die Bucht vor dem Mannschaftshotel der Bayern zufrieden, die „Verlässlichkeit“ hebe den deutschen Double-Sieger von anderen Teams ab, die Fannähe ebenso. Genau deshalb kann er seinen Marktanteil auf dem bevölkerungsreichsten Kontinent der Erde überhaupt vergrößern. „Wir haben allein in Asien 560 Millionen Follower“, erklärt der Vorstand. In Korea, dem ersten Teil der Reise, acht, in China über 140 Millionen.
„Uns kommt es so vor, als dass wir appellieren, appellieren, appellieren.“ (Rouven Kasper)
All die Follower und all die Reichweite sind allerdings auch notwendig, um irgendwie mithalten zu können mit der fast schon enteilten Premier League. International, das betonte zu Beginn der Bilanz-PK auch Präsident Herbert Hainer, muss die Bundesliga gigantische Aufholarbeit leisten. „Die Bundesliga steht im Vergleich zur Premier League deutlich, deutlich im Hintergrund“, sagt er. „Das ist auch ein Appell, den ich hier loswerden möchte und an die deutsche Bundesliga richte: Es kann nicht sein, dass der FC Bayern den Wagen allein zieht, sondern wir brauchen hier eine deutlich aktivere Unterstützung der gesamten Bundesliga – nicht nur von einem oder zwei Vereinen, sondern von der ganzen Bundesliga.“
Soll heißen: Weniger Vorbereitungstrips in die österreichischen Berge, mehr Reisen über die europäischen Grenzen hinaus. Wie zum Beispiel auch beim BVB, der in diesem Sommer in Japan unterwegs war. „Es kann nicht sein, wenn der FC Bayern vorangeht, dass dann die Bundesliga stehen bleibt“, findet Hainer. „Internationalisierung ist kein Sololauf eines einzelnen Vereins, sondern das müssen wir alle zusammen in der Bundesliga machen. Und da muss die Bundesliga deutlich nachziehen.“
Auch Kasper hatte am ersten Abend der Reise im südkoreanischen Jeju bereits gemahnt, dieses Mal pflichtete er dem Präsidenten bei. Neben den nationalen Medienerlösen erhält jeder Bundesligist jährlich die internationalen Gelder, auch wenn natürlich nicht jeder Klub in einem internationalen Wettbewerb vertreten ist. „Und auch wenn wir jetzt rausreisen und Relevanz produzieren, partizipieren alle“, sagt Kasper.
Kasper fordert mehr Austausch mit den Bundesliga-Kollegen
Diese Solidarität sei zwar „zu 100 Prozent richtig“; aber „es ist schon so, dass die Kolleginnen und Kollegen einfach mal realisieren müssen, dass nicht nur wir das ganze Internationalisierungsschiff mit ein, zwei anderen zusammen ziehen, sondern dass sie auch ihre Fußballschuhe mal packen müssen und es Pflicht ist, ins Ausland zu reisen. Und das ist definitiv zu wenig. Uns kommt es so vor, als dass wir appellieren, appellieren, appellieren.“ Passiert ist offenbar wenig.
Wie es besser werden kann? Kasper fordert einen Austausch, den es in der Kommission Internationalisierung eigentlich auch geben sollte. „Man hat die Jahresversammlung, und von 36 Klubs sind da nur 19. Das zeigt das schon, dass viele einfach gar kein Interesse daran haben. Und da gibt’s noch viel aufzuarbeiten.“
Nur aus Reiselust ist der FC Bayern nicht nach Asien zurückgekehrt: Vorstand Rouven Kasper fordert mehr Unterstützung aus der Bundesliga.
