Grüll bei Werder: Nicht mehr nur einer von vielen 

Der wohl „beste“ Marco Grüll seit seinem Wechsel zum SV Werder Bremen: Die nächste Leistungsexplosion wirkt sich zunehmend auf sein Standing aus – und wird auch in Österreich wieder registriert.

Vom „Kaderspieler“ zum Topscorer mit Olise

Diesmal war die Meinung von Daniel Thioune mit jenen aus der Trophäen-Abteilung der Bundesliga auf Linie: „Ich glaube, heute ist er auch verdientermaßen Spieler des Spiels geworden“, sagte der Trainer des SV Werder Bremen nach dem 3:2 gegen den FC Augsburg über Marco Grüll.

Vor zwei Wochen hatte der 52-Jährige dem Österreicher dieses Attribut ja schon einmal zugesprochen – doch nach dem 3:1-Sieg gegen Leipzig wiederum trug Niclas Füllkrug diese offizielle Auszeichnung durch die Mixed Zone im Weserstadion.

Dort schaut nun offenbar auch Grüll regelmäßiger als sonst vorbei, sollte er so weitermachen wie bisher: Ein Tor und eine Vorlage waren es bereits im Spiel gegen RB, als er im Nachgang ebenfalls in aller Nüchternheit seine Emotionen schilderte. Nun gegen Augsburg packte der 28-Jährige noch einen Assist obendrauf.

Thioune: „Das will ja kein Fußballer über sich hören“

Grüll war damit Initiator bei der Werder-Wende nach 0:2-Rückstand: Das 1:2 erzielte er fulminant selbst, beim 2:2 und 3:2 legte er jeweils auf – und ganz allgemein versprühte der linke Angreifer im Bremer 4-3-3 eine Immer-weiter-machen-Mentalität, die sich am Samstagnachmittag einerseits auf den Rest der Mannschaft auswirkte.

Und die Grüll selbst andererseits nach schwacher Saisonvorbereitung sowie mit dem Status als einer von vielen Offensivspielern im Werder-Aufgebot aktuell zum Topscorer (zwei Treffer, vier Assists) werden ließ bei Werder – und in der Bundesliga: Gemeinsam mit Michael Olise (vier Treffer, zwei Assists) rangiert er aktuell auf Rang 1.

„Man nimmt ihn immer als Kaderspieler wahr“, erläuterte Coach Thioune das allgemeine Standing rund um Grüll: „Man ist immer froh darüber, dass er fleißig arbeitet, dass er sich an taktische Inhalte hält und dass er dann grundsätzlich auch immer zuverlässig ist – aber das will ja kein Fußballer über sich hören.“

Grülls Qualitäten – und die Arbeiter-Facette

Schon gar nicht ein Angreifer, als einer, den man dann natürlich auch an harten Fakten misst – an seiner Ausbeute. Und, so Thioune weiter: „Da haben wir ihn vielleicht darauf hingewiesen, dass er jetzt auch mal Qualitäten zeigen kann, die er ja besitzt.“

Dazu zählt insbesondere seine formidable Schusstechnik, die Grüll neuerdings ja auch als Standardschütze einbringt – aber auch ein Topspeed von 33,97 km/h vom Samstag; kein Bremer war schneller.

Und dann ist da eben noch jene Facette als Arbeiter, mit der er sich in der Vergangenheit stets auch dem Kollektiv und taktischen Vorgaben untergeordnet hat. Da spielte der vor zwei Jahren von Rapid Wien verpflichtete achtmalige Nationalspieler dann auch mal auf der defensiven Schiene – verrichtete seinen Job diszipliniert, ohne jedoch großartig aufzufallen.

Grülls Akzentuierung: „Lieber in der Saison performen“

Nun, in offensiver Rolle, wurde seine Leistungsexplosion auch in Österreich registriert, erstmals seit November 2025 und nach der verpassten Weltmeisterschaft wurde er wieder für die ÖFB-Auswahl nominiert. „Ich weiß nicht, ob wir bei Werder Bremen Marco Grüll schon mal in einer besseren Verfassung gesehen haben“, ergänzte Thioune wertschätzend.

Und was sagt Grüll selbst eigentlich zu seiner Steigerung im Vergleich zur Phase rund um das Bremer Trainingslager im Juli? „Also, ich sehe die Vorbereitung und die Meisterschaft immer getrennt“, meinte er nur: „Ich würde das eben auch nicht überbewerten, weil man da ein anderes Training hat und man vielleicht nicht so frisch ins Spiel geht.“

Der 28-Jährige hat offenbar die richtige Akzentuierung gewählt, indem er seinerzeit die Grundlage gelegt hat für seine „Spielweise, bei der ich schon im Saft sein muss“ – was sich nun auszahlt: „Deswegen ist es mir lieber, wenn ich in der Saison performe.“

Niemand redet über Mbangula oder Njinmah

Zwar wies Grüll auch darauf hin, dass das jetzt „gerade mal vier Spiele“ waren – und doch hat er in dieser Zeit dafür gesorgt, dass mittlerweile nahezu niemand mehr über den Abgang von Samuel Mbangula, die Verletzung von Justin Njinmah und demnach einen Qualitätsverlust auf dieser Position redet.

Beim Saisonauftakt waren ihm beide Profis ja noch in der Startelf vorgezogen worden, genauso übrigens wie Joker Paul Erevbenagie. Das Leipzig-Spiel sei da womöglich ein Schlüsselerlebnis für Grüll gewesen. „Es hat ihm sicherlich sehr viel Selbstvertrauen gegeben“, erklärte Coach Thioune.

Grüll habe seither „viel Liebe und viel Wärme“ erfahren, konnte dann „auch mal zeigen, wie gut er ist“, meinte der 52-Jährige weiter: „Und jetzt hat er das Momentum auf seiner Seite.“ Die Kunst wird nun sein, dieses auch über die lange Länderspielpause hinaus zu konservieren. Grüll bekundete jedenfalls: „Ich will so weitermachen.“

 Der wohl „beste“ Marco Grüll seit seinem Wechsel zum SV Werder Bremen: Die nächste Leistungsexplosion wirkt sich zunehmend auf sein Standing aus – und wird auch in Österreich wieder registriert. 

 

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