Ein neuer Ansatz, ein neues Gesicht, doch das gleiche Ergebnis: Auch unter Jan-Moritz Lichte verliert Borussia Mönchengladbach aufgrund von Problemen in der Abwehr und steht nach vier Spieltagen punktlos am Tabellenende. Ein neuer Trainer steht bereits in den Startlöchern.
Einst wenige Gegentore auf St. Pauli
Der Frust in Gladbach war wieder einmal riesig, mit gesenktem Kopf sackten die Spieler nach Abpfiff auf dem Feld oder der Bank nieder. Auch im vierten Spiel gingen die Fohlen leer aus, wie schon gegen Elversberg (3:4) reichten auch gegen Mainz vor heimischem Publikum drei Treffer nicht, um etwas Zählbares mitzunehmen (3:4). Mindestens drei eigene Tore in zwei aufeinanderfolgenden Heimspielen und trotzdem null Punkte, das hat es in der Bundesliga noch nie gegeben. Dabei war unter Interimstrainer Jan-Moritz Lichte durchaus ein anderes Gladbach zu sehen, nicht nur aufgrund der Umstellung auf die Dreierkette.
„Es hat sich nicht schlecht angefühlt, wenn der Ball im Spiel war“, teilte Philipp Sander seinen Eindruck auf dem Feld. „Wir hatten Chancen, um vier oder fünf Tore zu erzielen, machen sogar drei, verschießen noch einen Elfmeter. Das muss einfach reichen, um zuhause Punkte zu holen.“ Die Fohlen gestalteten das Spiel über weite Strecken ausgeglichen und ließen sich, anders als in den Wochen zuvor, diesmal auch von Nackenschlägen wie den Gegentoren oder eben jenem vergebenen Strafstoß von Kevin Diks nicht aus dem Tritt bringen. „Umso belastender ist es einfach, dass du, sobald du eine Ecke gegen dich bekommst, das Gefühl hast, da brennt es lichterloh.“
Lichte lobt ein „extrem gutes Gesicht“
Die eklatante Defensivschwäche konnte auch Lichte nicht abstellen, nach vier Spieltagen stehen desaströse 16 Gegentore auf dem Konto, die Rätsel aufwerfen. Immer wieder stimmte die Abstimmung im eigenen Strafraum nicht, ganz besonders bei gegnerischen Standards – und wenn mal ein Gladbacher in Ballnähe war, wie Isac Lidberg vor dem 2:3, verlor er das Duell meistens.
Der Interimstrainer sah dennoch ein Spiel, in dem eigentlich „vieles funktioniert“ hat. „Ich glaube, wir waren gut vorbereitet, wir wussten, was passiert, und unsere Spieler haben den Plan über weite Strecken sehr ordentlich umgesetzt.“ Auch die zuvor viel besprochene Resilienz gegenüber Rückschlägen stimmte Lichte positiv. „Die Jungs haben da ein extrem gutes Gesicht gezeigt und weitergemacht“, lobte der 46-Jährige. Die Ausnahme lieferte der Streit um den zweiten Elfmeter zwischen Diks und Shuto Machino, der sich durchsetzte und verwandelte. Doch was letztlich über allem schwebt, ist das ganz große „Aber“: „Wenn du hier sitzt und wieder vier Gegentore bekommen hast, dann fällt es schwer, es am Ende irgendwie noch schönzureden, und das will auch keiner.“
„Das Selbstverständnis, zu verteidigen, ist flöten gegangen.“ (Rouven Schröder)
Die Frage nach dem Warum wird Lichte wieder aus der zweiten Reihe als Co-Trainer eines neuen Chefcoaches beantworten müssen. Noch in der vergangenen Saison war es gerade die Defensive, die Borussia stark machte. 13-mal spielte Gladbach zu null, nur Borussia Dortmund toppte diesen Wert (15-mal). „Das Selbstverständnis, zu verteidigen, ist flöten gegangen“, blickte Sportdirektor Rouven Schröder auf die Gegentor-Flut. Ein Umstand, der nicht allein am Abgang von Nico Elvedi festgemacht werden kann.
Stabilität in die Mannschaft bringen, das wird zunächst die Hauptaufgabe des neuen Trainers. „Man wünscht sich auch, dass jemand kommt, der nicht aus der Blase draufschaut, sondern von außen kommt und fragt: Was ist eigentlich los?“ Mit diesem „jemand“ besteht bereits eine mündliche Einigung, wie Schröder am Samstag verkündete. Nun gehe es darum, die Einigung auch zu verschriftlichen und von den Gremien absegnen zu lassen, um „in den nächsten Tagen“ den neuen Mann an der Seitenlinie vorstellen zu können.
Dass dieser weder Horst Steffen noch Christian Titz heißen wird, bestätigte Schröder am Samstag und machte ansonsten einige kleine Andeutungen, ohne dabei konkret zu werden. Eine gewisse Erfahrung müsse der neue Mann haben, mit schwierigen Situationen und dem Druck umgehen können, erklärte er. Und er ließ vorsichtig durchblicken, dass es sich um einen aktuell vertragslosen Coach handelt: „Mit dem Ex-Verein muss man eigentlich fast immer reden. Aber vielleicht in diesem Fall nicht.“
Blessin kann Defensive
Als Favorit auf die Polanski-Nachfolge kristallisiert sich Alexander Blessin heraus. Der 53-Jährige hielt den FC St. Pauli zumindest in seiner ersten Saison knapp in der Liga, anschließend folgten Platz 18 und die Vertragsauflösung. Besonders in seinem ersten Jahr in Hamburg zeichnete die Blessin-Elf eine herausragende Defensive aus. Lediglich die Bayern (32) kassierten 2024/25 weniger Gegentore als St. Pauli (41). Entsprechend ist ihm zuzutrauen, dass er in seinem bevorzugten 3-4-3-System auch Ordnung in die Fohlen-Abwehr bekommt.
„Wir brauchen jetzt eine klare Richtung“, lenkte Schröder den Blick nach vorn und hofft dabei neben dem Blick von außen auch auf „viele Einzelgespräche“ des neuen Trainers, um die Wende einzuleiten. „Im Endeffekt müssen wir anfangen zu punkten.“ Das Derby in Köln wäre sicherlich kein schlechter Zeitpunkt, um genau das zu tun und sich bei den Fans wieder Kredit zu erspielen.
Ein neuer Ansatz, ein neues Gesicht, doch das gleiche Ergebnis: Auch unter Jan-Moritz Lichte verliert Borussia Mönchengladbach aufgrund von Problemen in der Abwehr und steht nach vier Spieltagen punktlos am Tabellenende. Ein neuer Trainer steht bereits in den Startlöchern.
