Alphonso Davies wird den Bayern im Saison-Endspurt fehlen und zittert um eine WM-Teilnahme. Auf den Kanadier wartet die nächste ganz große Herausforderung.
Bayern-Profi erleidet den nächsten Rückschlag
Man darf nur hoffen, dass Alphonso Davies in diesem Sommer keine Zeit für Youtube-Streams findet. Das würde nämlich bedeuten, dass der Linksverteidiger des FC Bayern nach der Klub-WM auch das nächste Fußballturnier in Nordamerika und damit die Heim-WM verpassen wird.
Noch sind das eher leise als laute Befürchtungen, doch die Muskelverletzung, die sich Davies nach dem Rückspiel gegen Paris Saint-Germain in der vergangenen Woche zugezogen hat, bremst ihn für die restlichen Saisonspiele mit dem FC Bayern aus. Sowohl beim Ligaabschluss gegen Köln als auch im Pokalfinale gegen Stuttgart bleibt ihm nur die Zuschauerrolle, danach beginnt der Wettlauf gegen die Zeit.
Für Davies ist es der nächste von vielen Rückschlägen, seit er sich im März des vergangenen Jahres bei einem Nations-League-Spiel mit Kanada das Kreuzband im rechten Knie gerissen hatte. Auf das Comeback im Dezember folgte im Februar ein Muskelfaserriss im Oberschenkel, dann gleich nach dem neuerlichen Neustart eine Oberschenkelzerrung.
Und damals, bei der Auswechslung in Bergamo, waren beim leidgeplagten 25-Jährigen nicht zum ersten Mal die Tränen geflossen. Bereits während der Reha nach dem Kreuzbandriss habe Davies, wie er es selbst einmal bei Youtube erzählte, einen mentalen Zusammenbruch erlitten. „Ich habe geduscht und bin dann in Tränen ausgebrochen.“
Die Tendenz ist bedenklich, und das nicht nur sportlich. Während Konrad Laimer und Josip Stanisic sich auf den Außenverteidiger-Positionen beinahe festgespielt haben, lässt die Frohnatur Davies der eigene Körper immer wieder im Stich. „Das ist natürlich sehr bitter“, findet nicht nur Sportdirektor Christoph Freund. „Er ist gut zurückgekommen von seiner schweren Knieverletzung, und dann haben ihn jetzt immer wieder Muskelverletzungen zurückgeworfen. Er ist nie so richtig in einen Rhythmus gekommen.“
„Manche Spieler können nach 24 Stunden den Schalter wieder umlegen, bei manchen dauert es ein bisschen länger.“ (Kompany über Davies‘ Rückschlag)
Körperlich macht sich Vincent Kompany „keine Sorgen“, wie der Trainer erzählt. „Der wird zurückkommen, das wird alles wieder gut sein. Aber mental ist es halt unheimlich schwierig. Und es sind manchmal nicht die ganz großen Verletzungen, die schwierig sind. Es sind diese kleineren Verletzungen, die immer wieder zurückkommen. Wo du manchmal mental noch einen extra Tick bekommst.“
Für Davies geht es nicht nur auf lange, sondern vor allem auf kurze Sicht um die nötige Portion Selbstvertrauen und Vertrauen in den eigenen Körper. „Manche Spieler können nach 24 Stunden den Schalter wieder umlegen, bei manchen dauert es ein bisschen länger“, weiß Kompany, der sich als Spieler selbst oft mit kleinen und großen Verletzungen herumschlagen musste. „Irgendwann werde ich Phonzy trotzdem wieder in die Augen schauen und sagen: ‚Komm jetzt, einfach weitermachen.‘ Man darf keine Angst haben. Angst ist der größte Feind von Spielen, die oft in einem Verletzungskreis sind.“
Alphonso Davies wird den Bayern im Saison-Endspurt fehlen und zittert um eine WM-Teilnahme. Auf den Kanadier wartet die nächste ganz große Herausforderung.
