Weil Manuel Neuer bald wohl Schluss macht, rückt Jonas Urbig beim FC Bayern in den Fokus – und wurde angeblich kalt erwischt.
Neuers Erbe über die Torwartfrage und das Bälle halten
Von der Asien-Reise des FC Bayern berichtet Mario Krischel
Laut kann Jonas Urbig sehr wohl sein, auch wenn er meistens eher leise spricht, überlegt vor allem. Der Torwart des FC Bayern scheint sich gut vorzubereiten auf seine Gegner, ob das auf dem Platz ist oder daneben. Nun ist der normale Fußballreporter in der Regel natürlich kein Konkurrent, aber ja doch ein bisschen wie der Stürmer der anderen Mannschaft: zumindest mal auf Ausrutscher lauernd.
Also passt Urbig auf, was er sagt. Weil er auch weiß, dass seine Situation beim deutschen Rekordmeister eine spannende ist. Geholt als Thronfolger des großen Manuel Neuer, ist der ehemalige Kölner eigentlich längst schon mehr Gegenwart als Zukunft, ein Thronteiler sozusagen. Weil Neuer gerade im vergangenen Jahr entweder mit Wadenproblemen zu kämpfen hatte oder Urbig einfach so mal ran durfte, wenn die Gegner nicht Paris oder Madrid hießen. Und inzwischen steht ja sogar quasi fest, dass Neuer im kommenden Sommer aufhören wird. Also vielleicht.
Ob Urbig, der in der vergangenen Saison auf stolze 20 Pflichtspieleinsätze kam, in der kommenden Spielzeit vielleicht sogar noch mehr erwarten kann? „Also ein Modell habe ich jetzt nicht ausgearbeitet“, sagt er lächelnd im neuen, nicht unschöneren Teamhotel der Bayern in Hongkong. Am Nachmittag ging es im Flieger vom südkoreanischen Jeju in die südchinesische Millionenmetropole. „Schon sehr, sehr besonders“ findet Urbig „diese Euphorie, die uns entgegengebracht wird.“
In den kommenden Tagen wird das Pensum noch mal etwas gesteigert, dieses Mal nicht nur auf dem Trainingsplatz, sondern auch dort, wo eine Vorbereitungstour nach Asien nun mal hinführt: PR, Marketing, Autogramme und Selfies. Urbig ist das längst gewohnt, er macht den Bayern-Trubel inzwischen schon seit anderthalb Jahren mit. Entsprechend selbstbewusst tritt er auf, besonders auf dem Platz ist das gerade dann zu hören, wenn wie gegen Jeju SK (2:1) nicht so viel Lärm auf den Rängen herrscht. Oder im idyllischen Rottach-Egern, wenn Urbig seine Abwehr mit lautstarken Kommandos dirigiert.
„Da könnt ihr nicht so viel rausziehen, aber es ist so.“ (Urbig schmunzelnd über seine Zukunft)
Er hat sich das Standing erarbeitet, mit guten Leistungen und einem souveränen Auftritt. „Ich glaube, im Bälle halten bin ich gut“, sagt er über sich. „Fußballerisch, glaube ich, kann ich dem Team viel mitgeben“, was natürlich ausdrücklich auch für Neuer und Sven Ulreich gelte. Eh klar. „Ich denke, ich habe meine Stärken noch in der Nahdistanz, im Eins-gegen-eins. Und ich glaube, dass ich mental stark bin.“
Eine gewisse Resilienz kann beim FC Bayern nie schaden, vor allem dann, wenn es bald wirklich ohne den Freund und Lehrer Neuer funktionieren muss. Mitbekommen von Neuers Abschieds-Ankündigung hat Urbig laut eigener Aussage nichts, glauben kann man ihm das natürlich. Kurz bevor Neuer am Tegernsee gesprochen hatte, war Urbig noch als Unterhalter von Neuers Sohn Luca in Aktion. Würde aber auch bedeuten, dass der bald 23-Jährige das Internet meidet. Na ja.
Am Samstag hat Urbig übrigens Geburtstag, genau dann, wenn der Bayern-Tross nach dem Testspiel gegen Aston Villa den Flieger für den Rückweg nach München besteigt. Ein Ständchen muss sich der Euskirchener noch überlegen, aber das sind freilich nur Nebensächlichkeiten in diesem so fordernden Business.
Urbig wird oft genug spielen – und stärkt seine Kollegen
Wie es nun genau aussehen wird in der neuen Saison? Unklar, ein Modell jedenfalls gibt es nach Aussage des jüngsten Bayern-Keepers nicht, spielen wird er garantiert oft genug. „Der Fokus liegt auf der alltäglichen Arbeit“, sagt er vorbildlich. „Das hatte ich in der vergangenen Saison auch schon sehr, sehr oft betont. Ich weiß, das ist immer für euch nicht so … Da könnt ihr nicht so viel rausziehen, aber es ist so.“ So tickt er halt, und das muss man ja nicht verurteilen.
Lieber weniger sprechen und dafür mehr handeln, mit so einer Haltung sind bislang die wenigsten Fußballer gescheitert. „Ich freue mich, dass es wieder so gut wird wie in der letzten Saison, dass jeder Einzelne weiß: Okay, egal welcher Torwart hinten drinsteht, darauf können wir vertrauen.“ Und was dann im Sommer 2027 passiert, ist ja erst mal egal.
Weil Manuel Neuer bald wohl Schluss macht, rückt Jonas Urbig beim FC Bayern in den Fokus – und wurde angeblich kalt erwischt.
