Manchmal finden sich die besten Lösungen beim Basteln und Ausprobieren an Dingen, die man schon hat. Fabian Rieder beim FC Augsburg ist ein perfektes Beispiel, als Sechser hebt er das Spiel auf eine neue Dimension.
Augsburgs Sechser sieht viel Potenzial in sich
Aus Augsburgs Trainingslager am Achensee berichtet Frank Linkesch
Man muss tatsächlich prüfen, ob Fabian Rieder wirklich erst 24 Jahre alt ist. Zwei Weltmeisterschaften hat der Schweizer bereits in seiner Vita stehen, eine EM, zwei Kontinentalturniere mit der U 21. Er hat nach der Zeit bei den Young Boys in Frankreich bei Stade Rennes und beim VfB Stuttgart gespielt. „Turbulente Zeiten“ nennt er dies im Rückblick, weswegen er sich beim FC Augsburg ziemlich wohlfühlt, wohin er am Deadline Day vor einem Jahr gewechselt war. Der FCA zahlte für seine Verhältnisse beachtliche sieben Millionen Euro.
Eine Investition, die sich schon jetzt gelohnt hat. Fehlte es Rieder anfangs in einer offensiveren Rolle noch an Konstanz, blühte er in den letzten acht Saisonspielen regelrecht auf, als Trainer Manuel Baum ihn auf die Doppelsechs stellte. Schon jetzt steht fest: Dort wird Rieder bleiben und seine fußballerischen Stärken einbringen, die der Klub im Zentrum bis dahin meist vermissen ließ.
„Ich bin ein Spieler, der gerne viele Ballkontakte hat und sich über Zweikämpfe ins Spiel hineinarbeitet, ein Box-to-box-Spieler. Das sind Stärken, die weiter hinten besser zur Geltung kommen, weil ich meine Mitspieler dann auch besser in Szene setzen kann“, beschreibt Rieder seine Rolle. Er ist eher ein Achter auf der Sechs, derjenige, der neben einem defensiveren Nebenmann das Spiel lenkt. Beim FCA dürfte dieser Nebenmann Han-Noah Massengo sein.
„Ich sehe viel Potenzial in mir“
Als letzter Spieler stieg Rieder in die Vorbereitung beim FCA an, nach drei Wochen Urlaub traf er am Montag im Trainingslager am Achensee ein. Auf Kreta genoss er Hotel und Strand, runterfahren, „auch die Birne“. Nun wirkt er voller Elan. „Ich habe mich so fit gehalten, dass ich voll einsteigen kann, bin mental frisch und komme mit viel Selbstvertrauen zurück. Ich sehe viel Potenzial in mir.“
Selbstvertrauen darf Rieder haben. Eine kleine Verletzung in der WM-Vorbereitung bremste ihn etwas aus, am Ende war er Stammspieler, auch beim bitteren Viertelfinal-Aus nach Verlängerung gegen Argentinien (0:1). „Es ist abgehakt und verarbeitet, der Stolz überwiegt. Wir haben uns sehr gut präsentiert.“ Und wie fällt die persönliche Bilanz nach fünf Einsätzen aus? „Ich hätte mir einen Scorerpunkt gewünscht, im Gesamten habe ich aber ein gutes Turnier gespielt, bin damit zufrieden und habe meine Qualitäten teilweise aufblitzen lassen.“
In einer offensiveren Rolle als beim FCA, Granit Xhaka und Remo Freuler bildeten das gesetzte Duo im Zentrum. Unantastbar beide, aber schon 33 (Xhaka) und 34 Jahre alt. Gut möglich, dass Rieder auch bei der Nati bald seine Lieblingsposition spielen darf. Von Xhaka spricht er ohnehin in den höchsten Tönen, hat sich viel beim Ex-Leverkusener abgeschaut. „Er ist auf jeden Fall ein Vorbild, will jeden Ball haben. Ziemlich beeindruckend, wie er immer die nächste Lösung im Kopf hat.“
Rieder will Führungsspieler sein
Auch Rodri nennt Rieder als „Role model“, doch bei aller Bewunderung verweist er auf sein eigenes Profil. „Ich habe noch andere Qualitäten, die bei denen nicht so ausgeprägt sind, die Abschlussstärke und Scorer. Ich sehe mich bisschen offensiver mit zwei, drei Faktoren, die mich nicht als klassischen Sechser beschreiben.“
Es wäre nur logisch, wenn größere Vereine auf Rieder aufmerksam geworden wären, doch der fühlt sich wohl beim FCA, auch wenn er irgendwann noch eine WM und natürlich Champions League spielen möchte. „Mein Ziel ist, die ganze Saison hier zu spielen, ich habe noch vier Jahre Vertrag. Ich will mich als Führungsspieler 34 Spiele unter Beweis stellen.“ Und mit dem FCA erneut in die Top Ten, das formuliert er offen. Bescheiden solle das Team bleiben, dennoch ambitioniert. So wie Rieder, der selbstbewusst spricht und wirkt, dabei aber niemals überheblich, sondern realistisch und zielgerichtet.
Manchmal finden sich die besten Lösungen beim Basteln und Ausprobieren an Dingen, die man schon hat. Fabian Rieder beim FC Augsburg ist ein perfektes Beispiel, als Sechser hebt er das Spiel auf eine neue Dimension.
