Mit 1:2 verlor Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg. Die neue Trainerin Marie-Louise Eta, die mit ihrem Debüt Geschichte schrieb, hob dennoch viel Positives hervor – und erhielt Lob von vielen Seiten.
„Die Jungs leben, das sieht man“
Davon, dass es ein historisches Spiel war, wollten sie in Köpenick nichts wissen. „Wir haben eine U-19-Trainerin zu den Profis geholt, was bei anderen Vereinen als Interimslösung auch passiert“, hatte Union-Präsident Dirk Zingler beim TV-Sender Sky erklärt und lapidar hinzugefügt: „Somit hatten wir plötzlich eine Cheftrainerin. Für uns war das ein normaler Vorgang.“ Allerdings schrieb Marie-Louise Eta eben doch Geschichte, als erste Cheftrainerin in Europas besten fünf Männer-Ligen.
Auch nach Abpfiff war das bei den Berlinern kein Thema, nach dem Kellerduell gegen Wolfsburg haderten sie vielmehr mit dem Ergebnis: 25:5 Torschüsse hatten sie abgegeben, auch die xGoals sprachen mit 2,09 zu 0,19 eine klare Sprache. Doch auf der Anzeigetafel stand eben eine 1:2-Niederlage. „Das Ergebnis heute ist beschissen, die Niederlage war maximal unnötig“, ärgerte sich Rani Khedira. „Aber die Art und Weise war in Ordnung.“
Der 32-Jährige betonte den Einfluss von Eta: „Loui ist inhaltlich unfassbar und emphatisch. Sie hat den Fokus aufs Wesentliche gerichtet, den Fußball.“ Die neue Trainerin habe sich nicht „ins Schaufenster gestellt“, das ganze Thema werde medial zu groß gemacht, fand Khedira. „Sie hat gesagt, es geht nur um diesen Verein. Sie hat uns Punkte mitgegeben, die wir schon teilweise sehr gut umgesetzt haben.“ Auch Kapitän Christopher Trimmel war überrascht, dass es nach dem Trainerwechsel samt neuer Inhalte „schon heute so gut läuft“.
Probleme mit Ansah? „Das, was man haben will“
Eta, nach der Entlassung von Steffen Baumgart am vorigen Samstag befördert, hob ebenfalls die positiven Aspekte des Union-Spiels hervor: Ihre Mannschaft habe ein „sehr, sehr gutes Spiel gemacht“, bei den zahlreichen Chancen hätten „immer nur Kleinigkeiten“ gefehlt. „Ich kann den Jungs keinen großen Vorwurf machen. Das Ergebnis zeigt nicht das, was die Leistung gezeigt hat“, so die 34-Jährige. „Es haben schon viele Sachen funktioniert, die wir uns vorgenommen haben, deshalb bin ich heute sehr positiv.“
- Erste Cheftrainerin in der Bundesliga: Unions Interimslösung Eta im Porträt
Jeglichen Fragen zur Bedeutung ihres Bundesliga-Debüts wich Eta aus: „Es geht um Fußball, nicht um mich. Es ist immer etwas Besonderes, an der Seitenlinie zu stehen. Aber heute ging es nur darum, die Jungs bestmöglich zu unterstützen und zu schauen, wo wir noch Impulse setzen können.“
Auch eine erste kritische Szene moderierte die 34-Jährige gekonnt ab. Ilyas Ansah hatte nach seiner Auswechslung vor Wut eine Flasche weggepfeffert. Ein gutes Zeichen, wie Eta fand: „Er war unzufrieden, weil er gespürt hat, dass heute mehr drin war. Das ist doch das, was man haben will.“ Ein Zeichen also, dass die Mannschaft sich gegen den Abstieg stemmt „Die Jungs leben, das sieht man. Alles in Ordnung also“, so die Union-Trainerin.
Zingler hofft auf breite Wirkung der Eta-Beförderung
Der Abstiegskampf ist für die Eisernen nach zwei Niederlagen gegen die beiden Tabellenschlusslichter. „Wir wissen, dass es sehr eng ist und nehmen die Situation ernst“, meinte Trimmel angesichts von nur vermeintlich beruhigenden sechs Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz. Doch Eta verbreitete Optimismus: Sie sei „absolut überzeugt, dass wir mit dieser Art, so wie wir heute aufgetreten sind, in den nächsten Spielen entscheidende Punkte holen werden.“ Die Chance dazu haben die Köpenicker schon am kommenden Freitagabend (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) bei RB Leipzig.
Immerhin einmal blickte ein Berliner über die bloßen fußballerischen Debatten rund um das Kellerduell hinaus, es war wieder Union-Präsident Zingler. Dem Verein sei natürlich bewusst gewesen, dass man mit der ersten Cheftrainerin eine Wirkung erzielen werde: „Hoffentlich inspiriert es viele junge Frauen dazu, sich im Fußball noch aktiver einzubringen.“
Mit 1:2 verlor Union Berlin gegen den VfL Wolfsburg. Die neue Trainerin Marie-Louise Eta, die mit ihrem Debüt Geschichte schrieb, hob dennoch viel Positives hervor – und erhielt Lob von vielen Seiten.
