Nur vier Kurzeinsätze über insgesamt fünf Bundesliga-Minuten durfte Lukas Klostermann in den ersten 29 Saisonspielen von RB Leipzig absolvieren: Umso überraschender war seine Leistung beim historischen 3:1-Sieg in Frankfurt.
Startelf für Ex-Nationalspieler
Zum ersten Mal überhaupt durfte Christoph Baumgartner in seinem 116. Pflichtspiel für RB Leipzig die Mannschaft aufs Feld führen – weil außer dem angeschlagenen Kapitän David Raum und dessen gelbgesperrtem Stellvertreter Xaver Schlager auch die drei übrigen Mitglieder des Mannschaftsrates verletzt (Willi Orban) waren oder auf der Bank (Castello Lukeba, Benjamin Henrichs) Platz nehmen mussten.
Nach dem 3:1-Sieg in Frankfurt, Leipzigs erstem Auswärtssieg im elften Anlauf bei der Eintracht, fiel nicht nur dem Aushilfskapitän ein großer Stein vom Herzen. Nicht etwa, weil dadurch die Rückkehr ins internationale Geschäft besiegelt wurde, sondern vor allem, weil es in der internen Wahrnehmung ein Meilenstein auf dem angestrebten Weg in die Champions League war.
„Es ist grundsätzlich ein sehr gutes Gefühl, alles in der eigenen Hand zu haben“, sagte Baumgartner angesichts der Tatsache, dass dank Leverkusens überraschender Heimniederlage gegen Augsburg der Vorsprung auf den jetzt von Hoffenheim eingenommenen Platz fünf auf fünf Punkte angewachsen ist. Zudem schob sich RB durch die 2:4-Niederlage des VfB Stuttgart beim FC Bayern auf Platz drei, mit nun drei Punkten Vorsprung auf die Schwaben. „Wir müssen einfach dranbleiben. Wenn wir so seriös sind und es so annehmen wie heute, sind wir unfassbar schwer zu schlagen“, glaubt Baumgartner.
Großes Lob hatte der Österreicher für einen Teamkollegen übrig, der im bisherigen Saisonverlauf nicht über eine Nebenrolle hinausgekommen war: Lukas Klostermann. Der 22-malige Nationalspieler ist seit Sommer außen vor, aber anders als die gleichfalls ausgemusterten Timo Werner, Kevin Kampl, Amadou Haidara und Yussuf Poulsen hält der Abwehrspieler an seinem noch bis 2028 datierten Vertrag fest. Bis zum Samstag hatte Trainer Ole Werner den Verteidiger lediglich viermal über insgesamt fünf Bundesliga-Minuten eingewechselt. Nach den Ausfällen von Orban und Lukeba blieb dem Coach gar nichts anderes mehr übrig, als Klostermann in die Startelf zu berufen – und dieser rechtfertigte die Aufstellung mit einer angesichts der bisherigen Einsatzzeiten überraschend stabilen und konstanten Vorstellung.
„Unfassbar schnell und clever“
Als „unfassbar beeindruckend“ bezeichnete Baumgartner die Vorstellung des Kollegen und hob dessen Arbeitsmoral hervor: „Es steht außer Frage, dass diese Saison für Klosti ganz, ganz schwierig war. Wie er sich aber tagtäglich verhält und arbeitet, ist unfassbar professionell.“ Als sich unter der Woche abzeichnete, dass die beiden Stamm-Innenverteidiger nicht rechtzeitig fit werden würden, habe er „nie ein schlechtes Gefühl beim Gedanken gehabt, dass Klosti startet“, betonte Baumgartner: „Denn ich sehe ja, wie er tagtäglich die Jungs abläuft. Er ist noch immer unfassbar schnell und clever.“
Werner: „Kann nur den Hut ziehen“
Auch Werner hob Klostermanns Leistung in dessen 333. Pflichtspiel für Leipzig hervor. „Als Trainer sagst du das ganze Jahr, dass es auf jeden ankommt und jeder gebraucht wird. Lukas hat von mir keinen Rhythmus und keine Einsätze bekommen – und macht dann solch ein Spiel. Da kann ich nur den Hut ziehen“, sagte der Coach über den Verteidiger, der 9,7 Kilometer abspulte und bei 56 Ballkontakten und 46 Pässen auf eine gute Passquote von 91 Prozent kam. Auch seine Zweikampfquote (71 Prozent) konnte sich sehen lassen.
Perspektiven bleiben unberührt
Kurz vor Schluss zog sich Klostermann bei einem Zweikampf mit Arnaud Kalimuendo eine Blessur am linken Knöchel zu und wurde ausgewechselt. Allerdings hat er sich nach Klubangaben vom Sonntag nicht schwerwiegender verletzt. Seine Perspektive in Leipzig bleibt davon unberührt: Melden sich Orban und Lukeba gegen Union Berlin zurück, bleibt ihm am Freitag allenfalls ein Platz im Kader – oder, wie in sieben der letzten zehn Pflichtspiele davor, nicht einmal das.
Nur vier Kurzeinsätze über insgesamt fünf Bundesliga-Minuten durfte Lukas Klostermann in den ersten 29 Saisonspielen von RB Leipzig absolvieren: Umso überraschender war seine Leistung beim historischen 3:1-Sieg in Frankfurt.
