Sportlich bedeutet der Wechsel zum 1. FSV Mainz 05 ein „Downgrade“ für Alexander Schwolow (34). Doch für den Keeper ist seine Familie die klare Nummer 1.
Warum der Keeper sich wieder hinten anstellt
Aus dem Trainingslager von Mainz 05 im österreichischen Hopfgarten berichtet Thiemo Müller
Rein sportlich verlief das Ende für Alexander Schwolow beim schottischen Vizemeister Heart of Midlothian ernüchternd. In der 2. Champions-League-Qualirunde unterlag der Hauptstadtklub aus Edinburgh nach einem 0:4 bei Sturm Graz auch im Rückspiel vor heimischer Kulisse mit 0:2. Dennoch blickt Schwolow versöhnlich zurück: „Der Abschied war schon emotional. Leider haben wir verloren. Aber es sind viele Fans noch geblieben, auch um mir nochmal danke und Goodbye zu sagen. Das war echt ein sehr schönes Gefühl.“
Ganz generell schwärmt der 34-Jährige von „einer verrückten Saison“ in Schottland, die „mir immer im Kopf bleiben wird“. Wegen des erfolgreichen Abschneidens mit dem Team, auch wenn das Meisterschaftsrennen gegen Celtic Glasgow auf der Zielgeraden verloren ging. Aber auch wegen der „Erfahrungen mit der dortigen Mentalität – das war einfach mega-erfrischend“. Und nicht zuletzt wegen des persönlichen Status als Nummer 1 nach zwei Jahren Reservisten-Dasein bei Union Berlin. Ehrliches Fazit des Routiniers: „Vorher kannte ich den Verein gar nicht. Aber dann war ich direkt begeistert – das letzte Jahr hat mir noch einmal richtig die Freude zurückgebracht.“
Vor allem die Sprachbarriere für die Kinder wurde zur Belastung
Umso erstaunlicher ist auf den ersten Blick, dass Schwolow trotz des bis 2027 laufenden Vertrags den Hearts den Rücken gekehrt hat, um nach Mainz zu wechseln – ungeachtet der Trikotnummer 1 als erklärte sportliche Nummer 2 hinter Robin Zentner (31).
Die persönlichen Beweggründe, aus denen er im Gespräch keinen Hehl macht, sind freilich sehr verständlich: „Es war keine sportliche Entscheidung, sondern eine familiäre.“ Vor allem die Sprachbarriere für die beiden Kinder im Kindergarten-Alter wurden zur Belastung. Für die fünf Jahre alte Tochter hätte in diesem Sommer die Einschulung angestanden: „Es war absehbar, dass das nicht funktionieren würde. Deshalb musste ich zusehen, wieder in den deutschsprachigen Raum zu kommen.“
Dem Sportdirektor seines Ex-Klubs hatte Schwolow die Situation schon im Frühjahr offenbart, am Ende legten die Schotten beim ablösefreien Wechsel keine Steine in den Weg: „Das hätte man deutlich schwieriger gestalten können, dafür bin ich dem Verein sehr dankbar. Und genauso Mainz, dass sie mich die beiden Champions-League-Qualispiele noch absolvieren ließen, bevor die Hearts Ersatz für mich hatten.“
„Urs Fischer arbeitet sehr präzise, sehr ehrlich und hart – das schätze ich.“ (Alexander Schwolow über das „Zusatzargument“ pro Mainz 05)
Die Entscheidung, sehenden Auges wieder auf den Nummer-1-Status zu verzichten, habe er „schweren Herzens“ getroffen, räumt Schwolow ein, der für Freiburg, Hertha, Schalke und Union insgesamt 206 Bundesligaspiele absolviert hat. Zugleich stellt er fest: „Mit 34 Jahren fällt es definitiv leichter, Rollen zu akzeptieren. Ich bleibe ambitioniert und will mich weiter auf höchstem Niveau beweisen, entweder Spielzeit sammeln oder Robin maximalen Druck machen. Aber am Ende geht es darum, was für den Verein am besten ist.“
Eine Haltung, die Mainz-Trainer Urs Fischer an Schwolow zu gemeinsamen Zeiten bei Union aus eigener Erfahrung zu schätzen gelernt hat. Schließlich bestritt der Keeper dort kein einziges Pflichtspiel unter dem Schweizer Coach. Dennoch sagt Schwolow: „Die Zusammenarbeit mit Urs Fischer war von großer gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Das hat er mir auch immer vermittelt. Er war sicher ein Zusatzargument für mich, nach Mainz zu kommen. Weil ich weiß, wie er arbeitet: Sehr präzise, sehr ehrlich und auch hart – das sind Eigenschaften, die ich schätze.“
Sportlich bedeutet der Wechsel zum 1. FSV Mainz 05 ein „Downgrade“ für Alexander Schwolow (34). Doch für den Keeper ist seine Familie die klare Nummer 1.
