Der Werder-Widerspruch bei Grüll 

Die Statistiken seiner Premieren-Saison konnte Marco Grüll nicht bestätigen. Weshalb man seine Leistung in Bremen trotzdem nicht als enttäuschend betrachtet.

Mehr Spielzeit, weniger Scorerpunkte

2012 Bundesligaminuten in 33 Spielen der abgelaufenen Saison stehen 1180 Minuten in 30 Spielen aus seiner Premieren-Saison beim SV Werder Bremen gegenüber: Man könnte also meinen, dass der Wert von Marco Grüll in seinem zweiten Jahr am Osterdeich nach dem Wechsel von Rapid Wien gewachsen ist.

Man könnte allerdings auch meinen, dass er gesunken ist. Denn die Anzahl der erzielten Treffer des Offensivspielers hat abgenommen: von sechs auf drei, ebenso seine Assists von zwei auf eins. Wie passt das also zusammen, eine fast verdoppelte Spielzeit und halb so wenige Scorerpunkte?

In Bremen ist man sich dieses vermeintlichen Widerspruchs bei der Entwicklung von Grüll durchaus bewusst – und weiß das entsprechend einzuordnen. Denn was den 28-Jährigen ausmacht, sei seine Polyvalenz.

Vorteil oder Nachteil für Grüll?

Und die wurde in seinen 33 absolvierten Partien auch in Anspruch genommen: Zu Saisonbeginn lief er meistens als Mittelstürmer auf, anschließend mal als rechter Angreifer, mal als linker Angreifer, situativ auch als Schienenspieler mit defensiven Verpflichtungen.

Grüll fiel damit gewissermaßen auch der Inkonstanz in der Bremer Fast-Abstiegssaison zum Opfer: sportlich einerseits, andererseits jedoch auch bei den Aufstellungen – die gerade in der Offensive nahezu wöchentlich verändert wurden. Und derlei Verschiebungen machen es einem Spieler auch nicht gerade leicht, in einen Flow zu kommen.

Der Österreicher selbst sprach nach Saisonbeginn zwar zwischenzeitlich von einem „Vorteil“ für sich, weil „ich jede Position in der Offensive spielen kann“ – es kann ihm natürlich aber auch als Nachteil ausgelegt werden. Wenn man eben für nichts so richtig steht: Nicht als Torjäger, nicht als Flügelflitzer, nicht als Spielgestalter.

Was man bei Werder an Grüll schätzt

Wofür Grüll indes immer steht, das betont man in Bremen auch nach der abgelaufenen Saison, ist sein unermüdlicher Einsatz: Sich stets völlig zu verausgaben, sich für die Arbeit gegen den Ball nicht zu schade zu sein – und „immer an die Grenze zu gehen“, wie schon sein Ex-Trainer in Wien, Robert Klauß, gegenüber dem kicker herausstellte.

Diesen Wert jedenfalls schätzt man bei Werder auch unabhängig von Scorerpunkten und plant weiterhin mit Grüll. Erhöhen dürfe er diese Statistiken trotzdem wieder, zumal man insbesondere die Schusstechnik des achtmaligen Nationalspielers als vielversprechend dafür erachtet.

Für eine WM-Nominierung reichten Grülls Leistungen jedenfalls nicht aus. Letztmals war er im November für die Rangnick-Elf zu einem Kurzeinsatz gekommen.

 Die Statistiken seiner Premieren-Saison konnte Marco Grüll nicht bestätigen. Weshalb man seine Leistung in Bremen trotzdem nicht als enttäuschend betrachtet. 

 

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