Zweites Nordderby und die Treffer zwei und drei für Jens Stage: Der Werder-Profi wird zur entscheidenden Figur beim 3:1 – nachdem er unter der Woche nicht mal selbst mit einem Einsatz gerechnet hatte.
Doppel-Torschütze überrascht Thioune
Amos Pieper musste lachen, laut lachen, als er gebeten wurde, ein paar Worte zu Jens Stage zu verlieren. „Der trainiert die ganze Woche nicht, und dann sagen ihm alle: ‚Jetzt reiß dich mal zusammen, es wäre schon gut, wenn es klappt‘ – und dann kommt er zurück“, sagte der Werder-Profi: „Da brauchen wir nicht drüber zu reden: Was der Junge uns und dem Verein gibt, ist unglaublich. Er ist nicht zu ersetzen.“
Eine Aussage von unzweifelhaftem Charakter: Der SV Werder Bremen ohne Stage ist ein anderer als mit dem Mittelfeldantreiber und wieder mal besten Torschützen. Gegen den Hamburger SV erzielte der 29-Jährige seine Saisontreffer acht und neun – sowie seine Nordderbytore zwei und drei. Schon in der Hinrunde hatte er bei der 2:3-Niederlage in Hamburg getroffen.
Mit dem unemotionalisierten Bremer Auftritt aus dem Dezember hatte die neuerliche Auflage am Samstagnachmittag im Weserstadion indes so gar nichts mehr zu tun. Werder präsentierte sich auf einem energetischen Level, das so eine Partie schlicht voraussetzt. Was auch mit Stage zusammenhing, dessen Einsatz indes die ganze Woche über noch fraglich war.
Stage fühlte sich „nicht perfekt“
Lediglich das Abschlusstraining am Freitag hatte er absolvieren können. „Das war die letzte Chance, um zu sehen, ob er wettkampffähig ist“, berichtete Daniel Thioune: „Es war sehr eng, das ist kein Geheimnis.“ Stage signalisierte dem Cheftrainer, dass er sich zwar „nicht perfekt“ gefühlt habe – was jedoch immer noch ausreicht, dass man sich als Werder-Coach immer für eine Berufung dieses Ausnahmespielers entscheiden sollte.
„Er ist jemand, der bei uns die Kabine verbindet. Wenn ich ihn vor dem Spiel höre, weiß ich, was er für ein Faktor sein kann“, so Thioune weiter: „Aber ich hätte mir niemals ausmalen können, dass er zwei solche Tore schießt: Das Kopfballtor kenne ich Woche für Woche aus dem Training, aber dieser Schuss …“
Erst hatte Stage wuchtig zum 1:0 eingeköpft, sein traumhafter Abschluss zum 2:1 klatschte von der Querlatte ins Hamburger Tor. „Deswegen sind wir unheimlich froh, dass er in diesem Derby gezeigt hat, wie wertvoll er für uns ist“, lobte Thioune: „Großes Kompliment an Jens, aber auch ein großes Kompliment an unsere medizinische Abteilung, dass sie es geschafft hat, ihn bis heute Nachmittag wertkampffähig zu machen.“
Wie Stage fürs Derby fit wurde
Drei Wochen lang konnte der Mittelfeldspieler kein Werder-Spiel absolvieren, einer Gelbsperre in Wolfsburg folgten hartnäckige muskuläre Probleme im Oberschenkel, die auch in den vergangenen beiden Partien zu einem Ausfall führten. „Ich muss ehrlich sagen, dass ich die ganze Woche dachte, dass es nicht möglich sein wird“, meinte Stage zu seinem Comeback.
Wie er trotzdem fit gemacht wurde? „Ich kann nur sagen, wir haben alles probiert – wir waren in ganz Deutschland unterwegs“, erklärte der Profi: „Vielen Dank an meinen Physiotherapeuten. Am Ende hat es gereicht.“ Wenngleich nicht bis zum Ende.
Nach rund einer Stunde zeigte Stage erstmals an, den Platz verlassen zu wollen – nicht aufgrund seiner Probleme, aus Erschöpfungsgründen: „Von der Luft her war ich tot, ich hatte Krämpfe im ganzen Körper. Ich habe drei Wochen nicht trainiert.“ Seine Auswechslung nach 67 Minuten wurde von Standing Ovations begleitet.
Zweites Nordderby und die Treffer zwei und drei für Jens Stage: Der Werder-Profi wird zur entscheidenden Figur beim 3:1 – nachdem er unter der Woche nicht mal selbst mit einem Einsatz gerechnet hatte.
