„Wir wollten eine Veränderung“: Fritz erklärt das neue Werder-Mindset 

Dass bei Werder im Sommer kein Neuzugang ohne ein persönliches Treffen im Vorfeld verpflichtet wurde, hat sich offensichtlich auch auf die Mentalität der Mannschaft ausgewirkt. Zum großen Weserstadion-Jubiläum folgt nun der nächste Charaktertest.

Charaktertest, Weserstadion-Jubiläum, Füllkrug-Zukunft

Der Rahmen wird natürlich ein etwas anderer sein am Samstagnachmittag, zum 100. Geburtstag des Weserstadions: Mehrere Acts und Interviews sind im Vorprogramm geplant, zudem werden die Bremer Profis im weißen Sondertrikot auflaufen, das bereits vor drei Wochen von den Werder-Legenden gegen eine Altstar-Auswahl von Real Madrid getragen wurde – der 4:3-Heimsieg war als die große Party angelegt. Nun soll möglichst eine weitere folgen.

Auf den Tag genau ein Jahrhundert nach der offiziellen Einweihung der Bremer Heimstätte (damals noch unter dem Namen ABTS-Kampfbahn) wird diesmal indes der 6. Spieltag am Osterdeich ausgetragen – und ungeachtet aller Feierlichkeiten hat Clemens Fritz dabei vornehmlich nur eines im Sinn: „ein Bundesliga-Heimspiel gegen Paderborn“, wie der Sportchef gegenüber dem kicker betont: „Das wird herausfordernd genug.“

Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass schon einmal ein Aufsteiger eine geplante Feier an der Weser crashte, zum 125-jährigen Vereinsjubiläum gewann der 1. FC Heidenheim im Februar 2024 mit 2:1, als die Bremer Erwartungshaltung natürlich eine ganz andere war. Und das dürfte auch jetzt wieder ähnlich sein.

Persönliche Treffen mit Neuzugängen: „Es hat sich gelohnt“

Nach dem gelungenen Saisonstart mit acht Punkten aus fünf Spielen könnte sich Werder mit einem Sieg im vorderen Drittel festsetzen, zumal die beiden bisherigen Heimspiele in dieser Saison beim 3:1-Sieg gegen Leipzig furios und bei der 3:2-Wende nach 0:2 gegen Augsburg sogar spektakulär gerieten.

Das Spiel als Favorit gegen den SCP wird somit zu einer Art Charaktertest – den man in Bremen im vergangenen Sommer übrigens auch allen Neuzugängen unterzogen hat. „Wir haben in diesem Jahr viel Wert darauf gelegt“, erläutert Fritz, „wir wollten eine Veränderung des Mindsets in die Mannschaft reinbekommen“.

„Man bekommt ein besseres Gefühl, wenn man sich gegenübersitzt und in die Augen schaut.“ (Clemens Fritz)

War es in der Vergangenheit in Einzelfällen auch schon mal so, dass man neue Spieler zunächst auf digitalen Kanälen wie über Videocalls kennengelernt hat, lautete die Maßgabe in der zurückliegenden Transferperiode, dass sich die Bremer Entscheider vorher mit jedem Spieler, der verpflichtet werden sollte, persönlich treffen.

Das war zwar durchaus mit einigen Reisestrapazen im Sommer verbunden, aber, so Fritz: „Man muss sagen, dass es sich gelohnt hat.“ Denn: „Man bekommt einfach ein besseres Gefühl, wenn man sich gegenübersitzt und in die Augen schaut – als das beispielsweise über Teams möglich ist.“

Die Symbiose im Weserstadion

Dass jüngst ausnahmslos alle Werder-Protagonisten nach dem 2:2 in Dortmund auf den Teamspirit oder die „krasse Mannschaft“ (Niclas Füllkrug) verwiesen hatten, ist daher genauso auf die Charakterstärke im Team zurückzuführen wie wohl auch die energetische Symbiose zwischen Spielern und Werder-Anhang bei den bisherigen zwei Heimspielen.

Das Weserstadion soll wieder zur Festung werden, wie Fritz betont: „Das ist unser Ziel – daran arbeiten wir.“ Die Energie soll vom Platz auf die Ränge strömen, nachdem das in der Vergangenheit oftmals eher andersherum der Fall war. „Aber man merkt gerade, dass das, was die Mannschaft bringt, auch anerkannt wird. Wir wollen begeistern – das ist uns bislang gut gelungen, aber das müssen wir immer wieder abliefern“, sagte der Sportchef.

Füllkrug-Zukunft? „Wir würden uns freuen, wenn …“

Als Vorbild dafür taugt nach seiner Rückkehr insbesondere Füllkrug, über den der Sportchef sagt: „Dieses Mindset, mehr zu wollen, noch mal den Schritt zusätzlich zu gehen, nicht nur auf dem Platz, sondern auch im Training: Wie er das vorlebt und von seinen Mitspielern einfordert, ist ein Paradebeispiel. Das tut uns gut.“

Und doch handelt es sich dabei ja vorläufig nur um eine Verstärkung (sportlich wie menschlich) auf Zeit: Füllkrug ist bis Saisonende von West Ham United ausgeliehen, steht noch bis 2028 unter Vertrag. Wie es darüber hinaus weitergehen könnte, das müsse man „mal abwarten, noch ist das zu früh“, erklärt Fritz.

Außer Frage steht wiederum, dass von Bremer Seite großes Interesse an einer gemeinsamen Zukunft besteht: „Wir sind total happy mit ihm und würden uns natürlich auch freuen, wenn es über das Jahr hinaus weiter ginge und er uns erhalten bleiben kann“, so der Sportchef weiter. Und von Füllkrugs Seite? „Ich glaube, er fühlt sich unheimlich wohl, das sieht man auch“, sagt Fritz: „Man muss aber auch sagen: Ohne sein Zutun wäre der Wechsel schon jetzt nicht möglich gewesen.“

 Dass bei Werder im Sommer kein Neuzugang ohne ein persönliches Treffen im Vorfeld verpflichtet wurde, hat sich offensichtlich auch auf die Mentalität der Mannschaft ausgewirkt. Zum großen Weserstadion-Jubiläum folgt nun der nächste Charaktertest. 

 

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