Auswärts ist die Eintracht noch ungeschlagen, doch in Leipzig wartet eine gewaltige Herausforderung. Historisch gesehen ist das kein gutes Pflaster für die Hessen. Vor allem ein Spiel macht Trainer Adi Hütter Mut.
Gewinnt Knauff das Duell auf der Seite?
Der Blick in den Rückspiegel schmerzt. Am 6. Dezember 2025 kassierte die Eintracht die höchste Pflichtspielniederlage in diesem Jahrtausend: 0:6 in Leipzig – eine blamable Leistung. Sechs Wochen später war Trainer Dino Toppmöller Geschichte. In der Rückrunde folgte zu Hause eine 1:3-Niederlage. Kuriose Randnotiz: Diese zwei Partien waren die letzten Top-Spiele am Samstagabend mit SGE-Beteiligung.
Auch sonst ist die Bilanz in Leipzig wenig erbaulich: In zehn Gastspielen bei den Sachsen holte Frankfurt nur einen Sieg, Ansgar Knauff erzielte in der Saison 2023/24 das 1:0-Siegtor. Ansonsten gab es drei Unentschieden und sechs Niederlagen. Mehr als ein Tor gelang der Eintracht in Leipzig noch nie. Leipzig wiederum gewann nicht nur die vergangenen sieben Heimspiele in Serie, sondern erzielte in den jüngsten 31 Partien zu Hause jeweils mindestens ein Tor.
Hütter bemängelt individuelle Fehler
Zumindest statistisch gesehen spricht wenig für einen Dreier, wenn die Eintracht an diesem Samstagabend zum Top-Spiel in Leipzig antritt. Wie kürzlich vor dem Derby in Mainz, das die Hessen dann allerdings mit 3:1 für sich entschieden. Zumal zehn Gegentore in den ersten vier Spielen dokumentieren, dass es auch in dieser Saison unter dem neuen Trainer Adi Hütter zuweilen noch an Stabilität mangelt.
Mehrere Gegentore resultierten vor allem aus individuellem Fehlverhalten. Erinnert sei exemplarisch an die schnellen Gegentreffer nach der Pause gegen Augsburg (1:4) und Freiburg (2:2). „Das hat nichts mit dem physischen Zustand zu tun, sondern ist eine individuelle Geschichte. Wir haben nicht gut verteidigt, waren unkonzentriert. Das müssen wir so schnell wie möglich abstellen, da ist jeder einzelne Spieler gefordert“, betont Hütter.
Vor dem Duell in Leipzig fordert er zudem eine geschlossene Mannschaftsleistung: „Das Wichtigste ist, dass wir eng und kompakt beisammen sind. Wenn wir die Räume zu groß werden lassen, sowohl in der Breite als auch in der Tiefe, sind die Leipziger Spieler sehr, sehr unangenehm und sehr, sehr gefährlich.“
Orientierung bietet in dieser Hinsicht die in Mainz gezeigte Leistung. „Wenn wir so auftreten, wird es auch für Leipzig nicht so einfach“, sagt Hütter. Bei aller Qualität des Gegners müsse auch seine Mannschaft mutig agieren: „Wir brauchen immer wieder auch Momente, in denen wir uns aus dem möglichen Druck befreien. Wir glauben an unsere Qualität.“
Offene Personal- und Systemfragen
Taktisch läuft es wohl wie in Mainz (3-4-2-1) auf eine Dreier-/Fünferkette hinaus, wenngleich der Coach seine Entscheidung noch nicht verkündet. Er lässt sich auch nicht in die Karten blicken, wie er die Offensive zusammenstellen will. Im 3-4-2-1 oder 3-5-2 müsste einer aus dem Trio Ritsu Doan, Can Uzun und Younes Ebnoutalib weichen. Hütter lässt sich lediglich entlocken, dass er Doan nicht als rechten Schienenspieler, sondern weiter vorn im Zehnerraum sieht.
Das ist auch deshalb verständlich, weil er in Elias Baum und dem zu Saisonbeginn verletzten Knauff bereits zwei Kandidaten für diese Position hat. Der Zweikampf zwischen den beiden verspricht Spannung. „Es freut mich, dass Ansgar den Konkurrenzkampf auf dieser Position anheizt. Gegen Eintracht Braunschweig hat er ein sehr ordentliches Spiel gemacht. Elias will sich diesen Platz natürlich nicht nehmen lassen, auch das ist wichtig“, sagt Hütter. Knauff könnte aufgrund seiner Erfahrung und nachgewiesenen Qualität die Nase vorn haben. Doch das gleicht einem Blick in die Glaskugel.
Auswärts ist die Eintracht noch ungeschlagen, doch in Leipzig wartet eine gewaltige Herausforderung. Historisch gesehen ist das kein gutes Pflaster für die Hessen. Vor allem ein Spiel macht Trainer Adi Hütter Mut.
