Seit vergangener Woche fungiert Edmond Tapsoba als Kapitän von Bayer 04. Am Dienstag sprach der 27-Jährige über seine neue Rolle und darüber, wie er mit der Last der Binde umgeht, die seinen Vorgängern Robert Andrich und Lukas Hradecky anfangs zu schaffen machte.
Leverkusens neuer Kapitän
Im ersten Moment muss die Nachricht, dass Edmond Tapsoba neuer Kapitän von Bayer 04 wird, bei den Fans der Werkself für ein unwohles Gefühl gesorgt haben. Schließlich hatten die beiden Vorgänger des 27-Jährigen – zumindest zu Beginn ihrer Amtszeit – durchaus mit der Last der Binde zu kämpfen.
So stellte Torhüter Lukas Hradecky im Laufe der Hinrunde 2022, in der ihm ungewöhnlich viele Fehler unterlaufen waren, fest, dass es für ihn schwierig gewesen sei, sich auf seine Leistung zu fokussieren, weil er sich für so viele andere Dinge als Kapitän verantwortlich fühlte. Für die Umstellung benötigte der Finne ein halbes Jahr, um danach mit Bayer 2024 das Double zu gewinnen.
Hradecky und Andrich hatten anfangs mit der Last der Binde zu kämpfen
Tapsobas unmittelbarem Vorgänger Robert Andrich ging es nicht besser. Auch er startete schwer in die vergangene Saison. Jetzt hat ihm Bayer nahe gelegt, sich einen neuen Klub zu suchen. Dies an Andrichs Kapitänsamt festzumachen, wäre natürlich zu hoch gegriffen. Doch Glück hat ihm die Binde bei Bayer nicht gebracht.
Hat Tapsoba also Bedenken, dass es ihm genauso ergehen könnte? Der Innenverteidiger gibt sich bei dem Thema – ganz seinem Naturell entsprechend – äußerst gelassen. „Ich werde einfach weitermachen wie bisher. Ich werde mich natürlich mehr auf die Mannschaft konzentrieren, aber auch auf mich selbst, um weiter das zu machen, was ich bisher richtig gemacht habe“, erklärt der herausragende Spieleröffner.
„Für mich sollte jeder in seinem Herzen Kapitän sein.“ (Edmond Tapsoba)
Zudem sieht er sich durch die Binde nicht in der alleinigen Verantwortung. „Jetzt haben wir ja eine Gruppe von Kapitänen, also bin ich nicht allein“, sagt er, „wir versuchen, die Aufgaben so aufzuteilen, dass jeder Spaß daran hat und auch jeder seinen Platz findet. Unser Team ist fantastisch, wir versuchen, uns gegenseitig zu helfen. Und wenn jemand vom Weg abkommt, bringen wir ihn wieder auf den richtigen Kurs.“ Tapsoba bemüht dafür auch ein bekanntes Bild, wenn er erklärt: „Für mich sollte jeder in seinem Herzen Kapitän sein.“
Dieses „Einer für alle und alle für einen“ sieht er auch als das große Plus des Kaders an. „Wenn man auf den Platz geht, weiß jeder, was er zu tun hat“, sagt Tapsoba, „man versucht, den jungen Spielern zu helfen und auch die Neuen willkommen zu heißen. Aber es gibt eigentlich keine Neuen, weil jeder integriert ist. Das ist das Geheimnis dieser Mannschaft.“
„Als ich hierherkam, war ich noch ein kleiner Junge. Jetzt kann ich sagen, dass ich in allen Bereichen gewachsen bin.“ (Edmond Tapsoba)
Sich selbst sieht er für die neue Aufgabe in sechseinhalb Jahren in Leverkusen auf allen Ebenen gereift. Als er im Januar 2020 von Vitoria Guimaraes aus Portugal „hierherkam, war ich noch ein kleiner Junge. Und jetzt kann ich sagen, dass ich in allen Bereichen gewachsen bin, sowohl was den Fußball angeht als auch im Leben. Deutschland hat mir viel beigebracht. Und ich möchte mich weiterentwickeln und immer weiter dazulernen.“
Wie lange dies noch in Leverkusen erfolgt, lässt er trotz seiner jüngsten Vertragsverlängerung bis 2031 nach der vergangenen Saison bei Bayer 04 allerdings offen. So erklärt er zwar, warum er noch nicht bereit für einen Wechsel war, wenn er sagt: „Für mich ist es klar, den nächsten Schritt zu machen, bevor ich vielleicht gehe oder für immer bleibe. Aber zuerst muss ich den nächsten Schritt machen.“ Den vom Leistungsträger zum absoluten Leader.
„Man darf im Leben niemals nie sagen. Aber im Moment bin ich voll auf Bayer konzentriert.“ (Edmond Tapsoba)
Doch einen Abgang aus Leverkusen schließt er für die Zukunft nicht aus. Denn Tapsoba antwortet auf die Frage, ob er noch Größeres vorhabe: „Man darf im Leben niemals nie sagen. Aber im Moment sind mein ganzes Herz und mein ganzer Verstand voll und ganz auf Bayer konzentriert. Mal sehen, was die Zukunft bringt – vielleicht schon in naher oder erst in ferner Zukunft.“
Das Potenzial für einen weiteren Schritt nach oben besitzt er zweifellos. Jetzt muss er dieses aber erst in der anstehenden Saison wie in den Jahren zuvor auch auf den Platz in Leistung umsetzen – und sich nicht wie Hradecky oder Andrich von der Last der Binde herunter ziehen lassen.
Seit vergangener Woche fungiert Edmond Tapsoba als Kapitän von Bayer 04. Am Dienstag sprach der 27-Jährige über seine neue Rolle und darüber, wie er mit der Last der Binde umgeht, die seinen Vorgängern Robert Andrich und Lukas Hradecky anfangs zu schaffen machte.
