Warum sind im Sommer nicht mehr Bundesligisten im Ausland? Zuletzt hatten Bayern-Verantwortliche Bequemlichkeit angeprangert. Jetzt wehren sich die Klubs – mit einer Ausnahme.
Bundesligisten zu bequem?
Die Diskussion lässt sich herunterbrechen auf Jeju versus Saalfelden, Osaka versus Hopfgarten-Markt. Zum Abschluss seiner Asien-Reise hatte der FC Bayern unlängst deutliche Kritik an den Großteil der Bundesliga-Konkurrenz gerichtet. Tenor: Warum sind schon wieder nur Bayern und Borussia Dortmund global unterwegs, um die Bundesliga international voranzubringen?
„Es kann nicht sein, wenn der FC Bayern vorangeht, dass dann die Bundesliga stehen bleibt“, hatte FCB-Präsident Herbert Hainer geklagt, während Vorstand Rouven Kasper noch deutlicher geworden war: „Die Kolleginnen und Kollegen müssen einfach mal realisieren, dass sie auch ihre Fußballschuhe packen müssen und es Pflicht ist, ins Ausland zu reisen.“ Womit er Asien oder die USA meinte, nicht Österreich oder die Niederlande.
„Es wird nicht ausreichend berücksichtigt, was solche Reisen für kleinere Vereine bedeuten“
Der kicker hat sich daraufhin in der Liga umgehört – und stieß auf Widerspruch, aber auch Zustimmung. „Ich habe es nicht als Kritik, sondern als Appell, als Aufruf verstanden“, meint etwa Rouven Schröder, Sportchef von Borussia Mönchengladbach. „Wenn alle Rahmenbedingungen passen, beschäftigen wir uns natürlich damit, ich denke da zum Beispiel an eine Möglichkeit mit unserem Kooperationspartner Kashima Antlers in Japan. In diesem Jahr hat es nicht gepasst. Die sportliche Vorbereitung darf nicht hinter dem Kommerziellen hintenanstehen. Aber wenn alles zu 100 Prozent passt – gerne.“
Auch Werder Bremen verteidigte seine Entscheidung, sich lieber in Österreich auf die neue Saison vorzubereiten. „Für eine Reise im Anschluss an eine Saison braucht man Planungssicherheit – Stichwort mögliche Relegation oder Abstieg. Und dem Trainer vor der neuen Saison, während der Vorbereitung und mit einem veränderten Kader ein solches Thema aufzubürden, ist schwierig, wenn man sich sportlich in einer völlig anderen Situation als zum Beispiel die Bayern befindet“, gaben die Grün-Weißen auf kicker-Anfrage zu bedenken.
Zudem blieben „von der DFL-Auslandsförderung für eine Reise mit dem gesamten Tross nicht viele finanzielle Mittel hängen. Größere Klubs ziehen aus diesen Reisen bis zu zweistellige Millioneneinnahmen, weil Sponsoring-Verträge laufen und sie die Stadien vollmachen.“ Kurzum: „Es werden Äpfel mit Birnen verglichen. Es wird nicht ausreichend berücksichtigt, was solche Reisen für kleinere Vereine bedeuten.“
Und wie groß wäre der Effekt für die Bundesliga überhaupt, würden mehr Klubs Bayern nach Jeju oder Dortmund nach Osaka folgen? „Man kann intensiv darüber diskutieren, ob die Reise von Werder Bremen nach Südafrika im Jahr 2019 oder nach China im Sommer 2014 wirklich Auswirkungen auf die TV-Verträge und die Legacy der Bundesliga hatte“, gibt der SVW zu bedenken, betont aber auch, sich dem Thema keineswegs zu verschließen. „Die dreiwöchige Länderspielpause im September würde sich dafür beispielsweise anbieten.“
Auch der FC Augsburg zeigt sich grundsätzlich „offen für Aktivitäten im Ausland, die die Bundesliga repräsentieren“, wie Geschäftsführer Michael Ströll dem kicker mitteilte. „Das stellen wir unter anderem durch unsere Reise nach Südafrika 2024, durch unsere Kooperation mit Buriram United FC in Thailand, die wir seit 2025 pflegen, und die Bundesliga-Reise von Benni Weber (FCA-Sportdirektor, Anm. d. Red.) und mir in diesem Sommer zur WM in den USA unter Beweis. Auch zukünftig können wir uns weitere Reisen in Zielmärkte der Bundesliga vorstellen, weil wir dies als wichtig für die Zukunft der Bundesliga erachten.“
Zustimmung aus Frankfurt – und eine Ankündigung
Während sich Fernando Carro, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Bayer 04 Leverkusen, sich im Kölner Stadt-Anzeiger nicht von der Bayern-Kritik angesprochen fühlte („Eine pauschale Kritik an anderen Vereinen wird den unterschiedlichen Voraussetzungen nicht gerecht“), findet sie Axel Hellmann ganz offen „berechtigt“.
„Wir Klubs müssen durch Auslandsreisen mehr für die internationale Vermarktung der Bundesliga tun“, stimmt Eintracht Frankfurts Vorstandssprecher gegenüber dem kicker Hainer und Kasper zu. „Eintracht Frankfurt war in den vergangenen Jahren mehrfach in den USA und auch in Japan unterwegs. In diesem Jahr gab es übergeordnete klubinterne Gründe für einen Verbleib in Deutschland. 2027 sind wieder internationale Touren geplant.“
Warum sind im Sommer nicht mehr Bundesligisten im Ausland? Zuletzt hatten Bayern-Verantwortliche Bequemlichkeit angeprangert. Jetzt wehren sich die Klubs – mit einer Ausnahme.
