Laut wurde Vincent Kompany bislang nur auf dem Platz. In Südkorea sprach der Bayern-Trainer zum ersten Mal über die schwierige Vorbereitung – und sein Gegnerscouting.
Bayerns Trainer spricht erstmals in der Vorbereitung
Von der Asien-Reise des FC Bayern berichtet Mario Krischel
Ein kleines bisschen wird Vincent Kompany die vergangenen Wochen genossen haben, in denen er mal schweigen konnte, wenigstens nach außen hin. 14 Tage durfte sich der Trainer des FC Bayern voll und ganz auf das Training mit seiner Mannschaft konzentrieren, also dem Teil, der auch wirklich schon da war. Niemandem musste er dabei erklären, was warum wie läuft.
Seit Sonntag weilt der Rekordmeister nun auf der südkoreanischen Insel Jeju, und dass es Kompany auch in Jahr drei bei Bayern sehr ernst meint, zeigte schon der Start in Asien. Durchschnaufen durften seine Jungs nur ganz kurz nach dem Einchecken ins Teamhotel, danach ging es sofort auf den Trainingsplatz und zum gemeinsamen Abendessen.
Kompany hat in den bisherigen zwei Wochen oft die Rolle des Beobachters eingenommen, des unterstützenden Ratgebers. Gelegentlich aber auch die des mahnenden Lautsprechers, der inzwischen ganz natürlich etwas mehr erwartet. Weil er ja weiß, was für ein Potenzial in seiner Mannschaft steckt, die im vergangenen Jahr nur knapp am Champions-League-Finale vorbeigeschrammt ist.
Also schaute der Trainer immer ganz genau zu, in den Trainingsspielen und dem lockeren Aufgalopp in Rottach-Egern, bei dem er einmal sogar lachen musste. Als er den 18-jährigen WM-Fahrer Bara Sapoko Ndiaye mit einem Klaps aufs Feld schickte (als Rechtsverteidiger übrigens), bedankte der sich sogleich mit einem strammen Schuss zum zwischenzeitlichen 11:0. Kompany drehte sich zur Bank um und schüttelte grinsend den Kopf.
Einfach wird es dem 40-jährigen Belgier auch in diesem Sommer nicht gemacht (abseits der schon getätigten Wunschtransfers), schließlich steigen seine besten und wichtigsten Spieler erst nach und nach ein. Kaum auszumalen, wenn Deutschland die Hürde Paraguay überwunden hätte und selbst Joshua Kimmich und Co. in Südkorea und Hongkong nicht dabei wären. Stattdessen fehlen inzwischen nur noch Harry Kane, Dayot Upamecano und Michael Olise.
Kompanys Extraschicht mit Ibrahimovic – und die ersten Worte auf Jeju
Kompany macht das Beste daraus, wirft nach und nach seine Youngster ins Rennen, sammelt Eindrücke und steht mit Tipps zur Seite. Am Sonntag beispielsweise hielt er nach der normalen Trainingseinheit noch eine kurze Extraschicht mit Arijon Ibrahimovic ab, der sich an Abschlusssituationen aus wenigen Metern versuchen durfte. Und ehrlicherweise einen gemischten Eindruck hinterließ, gelingen will dem Leihrückkehrer noch nicht alles.
Und an Tag 15, vor der zumindest auf Jeju heiß erwarteten öffentlichen Trainingseinheit, durfte (oder musste) Kompany sein Schweigen erstmals brechen. Im prall gefüllten Medienraum des World Cup Stadiums von 2002 nahm der Trainer neben Volksheld Min-Jae Kim Platz und erzählte gut gelaunt, aber auch sehr ernst, dass auch seine dritte Vorbereitung als Bayern-Trainer Hürden bereithält. Erst der gestückelte Start nach der EM 2024, dann die Klub-WM 2025, bei der zwar alle Spieler später, aber dafür gleichzeitig zurückkehrten. Und jetzt eben nach und nach. „Für uns ist es am wichtigsten, unter den richtigen Bedingungen zu reisen und zu trainieren“, erklärt Kompany.
„Wir brauchen das richtige Mindset.“ (Vincent Kompany)
Die Bedingungen sind mit Ausnahme der sehr hohen Luftfeuchtigkeit beinahe optimal. „Ich bin zuversichtlich, dass wir die meisten Spieler in eine gute Verfassung bekommen. Um die späten WM-Rückkehrer macht sich Kompany nur wenig Sorgen. Konrad Laimer und Co. seien „jetzt schon“ auf einem guten Level. Schwieriger wird es dagegen bei Serge Gnabry, Jamal Musiala oder Lennart Karl, die alles aus unterschiedlich langen Ausfallzeiten zurückkehren. „Es ist ein Puzzle, aber es ist nicht unmöglich. Wir müssen damit umgehen.“
Seinen Sonntagabend verbrachte Kompany nach dem Training und Essen mit Gegnerscouting, er schaute sich das Ligaspiel zwischen Jeju SK und Incheon United (3:3) an. „Super interessant“ fand der Trainer seinen Besuch im World Cup Stadium von 2002. Interessant vor allem, um zu sehen, „wie Teams in so einer Liga arbeiten, die ganz anders als unsere ist. Ich wusste nicht, was ich erwarten sollte, aber das Spiel war ziemlich komplett.“
Anders als sein Aufgebot, dass am Dienstagabend (13 Uhr deutscher Zeit, LIVE! bei kicker) auf den Lokalvertreter Jeju trifft. Auch hier werden neben Kim wieder die Teenager ihre Chance bekommen, doch im Fokus steht für Kompany das richtige Signal: „Wir können viel mitnehmen, wir können eine positive Woche haben. Aber wir brauchen das richtige Mindset. Am Ende ist es schon anders, als es in München wäre. Aber wir sind es gewohnt.“
Laut wurde Vincent Kompany bislang nur auf dem Platz. In Südkorea sprach der Bayern-Trainer zum ersten Mal über die schwierige Vorbereitung – und sein Gegnerscouting.
