Drei Spieltage hat der VfL Wolfsburg noch, um den drohenden Abstieg abzuwenden. Siege werden da fast schon zum Imperativ, wie auch Coach Dieter Hecking weiß. Den SC Freiburg erwartet er voll motiviert – und die Spielweise von Paris oder Bayern schloss er für den VfL aus.
Wolfsburgs Trainer über ein Jubiläum und Bayerns 4:5
Zum Abschluss des 32. Spieltags reist der VfL Wolfsburg am Sonntag (LIVE! ab 19.30 Uhr bei kicker) zum SC Freiburg und steht dort vor der kniffligen Aufgabe, möglichst drei Punkte einfahren zu müssen. „Ich erwarte ein sehr intensives Spiel“, blickte VfL-Coach Dieter Hecking bei der Spieltags-PK schon mal voraus und verwies darauf, dass es für den Sport-Club um Platz sieben und um die Europa-Qualifikation geht. Deshalb erwartet er keine Freiburger Mannschaft, die mit angezogener Handbremse spielen wird, auch wenn sie am Donnerstag im Europa-League-Halbfinale bei Sporting Braga 1:2 unterlegen war.
„Es war eine total ausgeglichene Partie, leider mit dem unglücklichen Tor kurz vor Schluss“, urteilte Hecking über Freiburgs Spiel in Braga und betonte, dass der SC „noch alle Möglichkeiten hat, um das Finale zu erreichen“. Genau das zeige aber auch, „welche Qualität diese Mannschaft hat“ – und das treffe auch auf das Personal zu. „Ich lobe immer mal wieder den Freiburger Weg und glaube, dass dieser Kader zwei gute Mannschaften hat. Die können auch wechseln, ohne dass es zu einem Leistungsabfall kommt.“
Heckings Verweis auf den HSV
Hecking schob damit etwaige Überlegungen, der SC könnte das Bundesliga-Duell ob seiner Aufgaben in der Europa League stiefmütterlich behandeln, zur Seite. „Ich halte von so was gar nichts“, sagte der 61-Jährige und erklärte auch, warum er diesbezüglich ein gebranntes Kind ist. „Ich bin selbst mal ein Leidtragender gewesen“, erläuterte Hecking und verwies auf die Saison 2009/10, als er mit dem 1. FC Nürnberg wenige Tage nach dem Europapokal-Halbfinal-Aus des HSV in Hamburg unter die Räder geriet. „Der HSV hatte am Donnerstag gegen Fulham verloren (1:2, die Red.) und wir haben alle gedacht, jetzt werden sie mental und körperlich am Boden sein – und zwei Tage später stand es nach einer halben Stunde 3:0 für Hamburg, das dazu.“
„Ich kann nur sagen, dass ich keines von diesen 450 Spielen missen möchte. Jedes Spiel an sich ist für mich immer noch ein Feiertag.“ (Dieter Hecking)
Der Wolfsburger Coach ist sich sicher, dass sein Kollege Julian Schuster am Sonntag „eine Mannschaft auf den Platz stellen wird, die das Spiel gewinnen will.“ Selbiges trifft aber auch auf Hecking zu, für den es das 450. Bundesliga-Spiel als Trainer sein wird. „Eine schöne Zahl“, merkte Hecking diesbezüglich an und zeigte sich durchaus stolz darauf. „Ich weiß nicht, ob das so viele in Zukunft noch schaffen werden, weil das Trainergeschäft viel schnelllebiger geworden ist. Von daher sind 450 eine Hausnummer und ich kann nur sagen, dass ich keines von diesen 450 Spielen missen möchte. Jedes Spiel an sich ist für mich immer noch ein Feiertag – Bundesliga ist Bundesliga. Ich freue mich genauso auf mein 450. Spiel wie auf mein 451. oder das 13. – für mich ist Bundesliga nach wie vor Highlight-Programm.“
„Wir treffen immer noch oft falsche Entscheidungen“
Gegen Freiburg werde es auch darauf ankommen, wie man mit dem hohen Anlaufen des Gegners zurechtkommt. „Sie werden uns auch stressen“, weiß Hecking und fordert „guten Ballbesitz, gute Lösungen im Positionsspiel, sauberes Passspiel und viel Bewegung, um nicht statisch zu sein. Dann kommt es auch zu guten Lösungen. Der erfolgreiche Torabschluss ist dann das nächste. Es geht darum, im Spiel nach vorne mehr Effektivität und Torgefahr zu erzielen. Wir treffen immer noch oft falsche Entscheidungen, sind oftmals überhastet.“
Immerhin habe der VfL in den vergangenen Wochen „eine defensive Stabilität gefunden. Wir sind nicht mehr so instabil, brechen nicht mehr so weg und richten uns im Spiel auch auf“, so Hecking: „Es ist gut zu wissen, dass wir das können, denn es kann durchaus sein, dass man mal in Rückstand gerät.“
Entwarnung bei Vinicius Souza und Paredes
Dass viel auf dem Spiel steht und die Wölfe zudem nachlegen müssen, weiß Hecking auch. „Es kommt auch darauf an, wie stressresistent wir sein werden. St. Pauli legt vor und wir werden wieder wissen, was passiert ist. Das werden wir nicht ganz ausblenden können, irgendeiner wird das Ergebnis schon überliefern“, so Hecking, „aber wir haben das nicht zu beeinflussen. Wir haben weiterhin die Chance, den Klassenerhalt zu schaffen – und die wollen wir am Sonntag verbessern. Wir müssen so oder so gewinnen – A, um dranzubleiben oder B, um sich vorbeizuschieben.“
Sorgen, seine Spieler könnten dem Druck nicht standhalten, mache er sich aber nicht, zumal „die Mannschaft bislang gut mit dem Druck umgegangen ist“. Personell bestätigte Hecking zudem, dass sowohl Vinicius Souza als auch Kevin Paredes, die zuletzt im Training etwas kürzertreten mussten, einsatzfähig sein werden, „beide haben voll trainiert“ – ergo kamen keine neuen Namen ins Verletztenlazarett.
Chaos als die neue Art des Fußballs
Dass Hecking auch über den eigenen Tellerrand hinausschaut, ist auch nichts Neues. So ging der erfahrene Coach auch auf das spektakuläre 5:4 zwischen Paris St. Germain und dem FC Bayern ein. Das „atemberaubende Spektakel“ habe zwar „die Qualität beider Mannschaften“ gezeigt, „für mich herrschte manchmal aber ein bisschen Chaos auf dem Platz. Mittlerweile wurde das auch schon so dargestellt, dass das der neue Fußball ist. Das Mann-gegen-Mann-Spiel über den gesamten Platz, fast ohne Mittelfeld zu spielen, das kommt gerade so ein bisschen auf.“
Das Duell habe auch gezeigt, was im Fußball möglich sei und er verwies darauf, dass derartige Spielweisen „mittlerweile auch schon in ein, zwei anderen Ligen aufgetreten“ seien, schloss das für den VfL aber gleich aus: „Wenn wir so spielen würden, würden alle sagen: Hat der ’ne Vollmeise?“
Drei Spieltage hat der VfL Wolfsburg noch, um den drohenden Abstieg abzuwenden. Siege werden da fast schon zum Imperativ, wie auch Coach Dieter Hecking weiß. Den SC Freiburg erwartet er voll motiviert – und die Spielweise von Paris oder Bayern schloss er für den VfL aus.
