Harte Schalker Selbsturteile – und die Erkenntnis bei Dzeko 

Auch nach sechs Spieltagen wartet Schalke 04 auf ein echtes Stürmer-Tor, doch dieses Manko geriet angesichts der schlechten Gesamtleistung gegen Mainz sogar noch in den Hintergrund. Die Schalker fällten nach dem 0:1 harte Selbsturteile.

Gegen Mainz läuft fast alles schief

Genervt pfeffert Edin Dzeko mit seiner rechten Hand das blutbefleckte weiße Tupftuch auf den Rasen der Schalker Arena. Mit einem zwischen Schmerz und Frust schwankenden Gesichtsausdruck nimmt er auf der Ersatzbank Platz, um wenig später den Weg Richtung Spielertunnel zu nehmen und im Kabinentrakt zu verschwinden. Gleichzeitig mühen sich seine auf dem Feld verbliebenen Mitspieler gegen Mainz 05 weiter ab und versuchen eher stümperhaft denn zielstrebig, das 0:1 aus der 24. Minute zu egalisieren. Die halbe Stunde, die ihnen noch bleibt, verstreicht ohne erkennbares Aufbäumen.

Die Schalker haben vom ersten Moment an gespürt, dass an diesem Tag vieles schieflaufen könnte – allein Loris Karius, 90 Minuten lang mit großem Abstand bester Schalker, war es mit seinen frühen Rettungstaten gegen Sheraldo Becker nach 22 Sekunden, Jae-Sung Lee im Nachsetzen zwei Sekunden später sowie erneut Becker nach 53 Sekunden zu verdanken, dass die Königsblauen nicht mit einem Blitzgegentor ins Heimspiel gestartet waren.

Kann natürlich passieren, so ein schläfriger Beginn. Viel entscheidender und besorgniserregender ist, dass die Schalker auch in der Zeit danach neben sich standen. Obwohl ihnen das sehr bewusst war, fanden sie gemeinsam kein Mittel, um sich aus dieser Lage zu befreien.

Entsprechend harsch fiel seitens der Hauptfiguren die Selbstkritik im Anschluss aus. Und die beschäftigte sich längst nicht nur mit dem frustrierenden Fakt, dass es den Königsblauen auch im sechsten Versuch nicht gelungen ist, einen Treffer durch einen klassischen Stürmer, von dem der Kader ja eine ganze Reihe hergibt, zu erzielen.

Konkret auf die weiterhin bestehende Torjäger-Misere der Königsblauen angesprochen, analysierte Abwehrspieler Timo Becker treffend, dass man „nicht nur der Offensive“ einen Vorwurf machen müsse, „sondern der gesamten Mannschaft“. Schalke sei „von Anfang an nicht so richtig in die Duelle gekommen“, hätte „die Bälle zu schnell verloren“ und „ungezielte Bälle gespielt“. Da sei es „natürlich schwer für die Offensivspieler, daraus etwas zu machen“.

Karaman wieder einmal Klartext-Kapitän

Klartext-Kapitän Kenan Karaman konstatierte: „Das war unsere bislang schlechteste Saisonleistung.“ Er verwendete sogar das Wort „unterirdisch“ und stellte fest, dass man zeitweise „bis auf Loris alle hätte auswechseln können“. Sportdirektor Youri Mulder ergänzte ernüchtert: „Wir wollen aggressiv, intensiv und mutig sein, gegen Mainz hat man davon aber überhaupt nichts gesehen.“ So glanzlos der Auftritt auf dem Platz war, so sehr glänzten die Schalker anschließend mit ihren angebracht harten Selbsturteilen.

Trainer Miron Muslic zeigte sich vor allem enttäuscht darüber, dass er die gesamte Woche über versucht hatte, seine Spieler auf die notwendige Zweikampfhärte vorzubereiten, wofür er öffentlich sogar kreative Formulierungen fand, als er auf der Spieltagspressekonferenz zwei Tage vor dem Duell davon sprach, dass beispielsweise mit seinem robusten Innenverteidiger Nikola Katic und dem Mainzer Sturm-Schrank Philipp Tietz „zwei Kuschelbären aufeinandertreffen, die sich fetzen werden“.

Derlei Zweikämpfe „werden wir auf dem ganzen Platz haben, und wir müssen bereit sein, diese Duelle anzunehmen“, hatte Muslic prophezeit. Seine Erkenntnis nach der 0:1-Niederlage fiel vernichtend aus. „Wenn man 65 Minuten gefühlt keinen Zweikampf gewinnt, wird es extrem schwierig“, schimpfte der Trainer. Ironie des Schicksals: Schalke schluckte auch deshalb nach knapp einer halben Stunde das Gegentor, weil sich Tietz im Duell der Kuschelbären entscheidend gegen Bewacher Katic durchsetzte.

Dzeko aktuell kein Mann für die Startelf

Und Dzeko? Mit all seinen herausragenden Fähigkeiten verkörpert der Torjäger auch im Alter von 40 Jahren zweifellos weiterhin den Topangreifer auf Bundesliga-Niveau. Allerdings hat sich nach den ersten sechs Saisonspielen die Erkenntnis durchgesetzt, dass er für Schalke 04 als Joker deutlich wertvoller sein könnte.

Wie schon bei seinem ersten Startelf-Einsatz gegen die SV Elversberg (0:0) konnte die Mannschaft ihren namhaftesten Star auch jetzt gegen Mainz überhaupt nicht in Szene setzen. Dzeko versuchte sich als Zielspieler in Stellung zu bringen, doch alle Bemühungen verpufften. In der Schlussphase, als zumindest mal ein paar Abschlussversuche erfolgten (gleichwohl blieb Satoshi Tanakas Schuss nach 74 Minuten Schalkes einzige gefährliche Torchance), hätten die Königsblauen hingegen einen Angreifer seines Formats bestens gebrauchen können.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich Dzeko allerdings in ärztlicher Behandlung. Seine heftige Platzwunde an der rechten Kopfseite, entstanden durch einen Zusammenprall mit Kacper Potulski, wurde noch am Abend von Mannschaftsarzt Patrick Ingelfinger mit mehreren Stichen genäht. Heilt die Wunde schnell und stabil zu, könnte der bosnische Ex-Nationalspieler schon am kommenden Samstag gegen Köln wieder dabei sein. Dann allerdings eher als Joker.

 Auch nach sechs Spieltagen wartet Schalke 04 auf ein echtes Stürmer-Tor, doch dieses Manko geriet angesichts der schlechten Gesamtleistung gegen Mainz sogar noch in den Hintergrund. Die Schalker fällten nach dem 0:1 harte Selbsturteile. 

 

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