Gegen Schwächen und Kritik: Werder wehrt sich in dieser Saison 

Die nächste Bremer Reaktion, erste behobene Fehler aus der Vorsaison und ein Sportchef, der sich öffentlich gegen verfrühte Kritik stemmt: Werder nimmt Widerstände an.

Vier-Punkte-Start

Marco Friedl war geladen: „Ich bin extrem ausgeflippt – weil wir das anders besprochen haben.“ Und weil es anders trainiert wurde, die ganze Woche über. Die Bremer wollten in der Eröffnung eigentlich über den Außenverteidiger ins Spiel finden in Köln – doch dann entschied sich Amos Pieper anders.

Statt den Pass auf Arthur zu spielen, wählte der Innenverteidiger den riskanteren Weg ins Zentrum, wo laut Friedl jedoch weder Eren Dinkci noch Chuki als Adressaten „bereit“ gewesen waren für das Zuspiel – und aus dem Fehlpass sowie dem Kölner Gegenangriff resultierte dann der frühe Rückstand (11.).

Der hätte zu diesem Zeitpunkt gar schon höher ausfallen können, wenn Keeper Karl Hein drei Minuten zuvor nicht den platziert geschossenen Handelfmeter gegen Thijs Dallinga pariert hätte – der Este war damit so etwas wie der erste Bremer Widerstandskämpfer an diesem Abend, und viele weitere sollten später noch folgen.

Thioune: „Wir sind cool zurückgekommen“

Werder zeigte ja auch am 3. Spieltag wieder eine Reaktion – so wie das schon am 2. Spieltag nach der 1:4-Auftakt-Klatsche in Freiburg und allerlei Unruhe im Umfeld beim 3:1 gegen RB Leipzig gelungen war. Diesmal jedoch auch innerhalb von 90 Minuten. Und nach Rückstand.

In der ersten Hälfte jedenfalls hatte Werder „nicht annähernd so viel investiert“ wie erst nach der Halbzeit, befand Coach Daniel Thioune: „Da waren wir brutal energetisch, sind cool zurückgekommen und hatten eine Mega-Haltung.“

Wieder gingen die Bremer als die laufstärkere Mannschaft (fast 124 Kilometer gegenüber 122) aus der Partie – wie schon in der Vorwoche gegen Leipzig (fast 126 gegenüber 118). Wieder traf auch Niclas Füllkrug – zum dritten Mal in dieser Saison, zum zweiten Mal in der Bundesliga.

Füllkrug hat „was aufgeweckt“

„Er hat uns gefehlt, man sieht, dass er Stürmer ist“, meinte Thioune: „Er hat ein bisschen was aufgeweckt.“ Gerade letztere Aussage könnte man in vielerlei Richtungen interpretieren. Vor allem wohl dahingehend, dass mit dem 33-Jährigen im Angriffszentrum schon jetzt eine ganz andere Gefahr aus jenem Mannschaftsteil hervorgeht als in der Vorsaison.

Auch für die Standardsituationen stellt der kopfballstarke Mann einen Mehrwert als Zielspieler dar, der sich bereits mit dem vierten Bremer Treffer nach ruhendem Ball in dieser Saison in den Statistiken niederschlägt. Mängel, die man bei Werder fürs Erste behoben zu haben scheint.

„Dass zu so einem frühen Zeitpunkt so draufgehauen wurde, fand ich der Mannschaft gegenüber enorm unfair.“ (Clemens Fritz über die harte Kritik an den Werderanern)

Die Fehlerkultur wirkt jedenfalls stimmig, wenn Thioune nun auch über Piepers Fauxpas sagt: „Ich bin erst mal froh, dass ich ein paar Jungs habe, die die Idee haben, auch mal Linien zu brechen“, so der Coach: „Die die Überzeugung haben, wenn sie etwas machen, dass das durch viel Mut und Selbstverständlichkeit begleitet ist. Da habe ich eine hohe Toleranz.“

Fritz: „Das fand ich unfair“

Werder wehrt sich in dieser neuen Saison: gegen Schwächen, gegen Widerstände – und auch gegen Kritik von außen. Sportchef Clemens Fritz etwa reagierte in Köln ziemlich verstimmt auf ein vermeintlich vorschnelles (Negativ-)Urteil zum finalen Bremer Kader: „Dass zu so einem frühen Zeitpunkt stellenweise schon so draufgehauen wurde, fand ich der Mannschaft gegenüber enorm unfair.“

Über die Berichterstattung habe er sich „geärgert“, so Fritz: „Ich habe es nicht so kritisch gesehen, wie es von außen gemacht wurde.“ Mit vier Punkten aus dem „ambitionierten Startprogramm“ hervorgegangen zu sein, damit könne man erst mal zufrieden sein.

 Die nächste Bremer Reaktion, erste behobene Fehler aus der Vorsaison und ein Sportchef, der sich öffentlich gegen verfrühte Kritik stemmt: Werder nimmt Widerstände an. 

 

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