Freiburgs harte Landung: Schusters Kritik und bittere Erinnerungen an 2024 

Trotz des rauschenden Finaleinzugs in der Europa League könnte der SC Freiburg das internationale Geschäft verpassen. Julian Schuster übt nach dem durch das 2:3 beim HSV vergebenen Matchball auf Platz 7 klare Kritik – speziell an Maximilian Eggesteins Verhalten beim 2:1.

Nach historischem Hoch am Donnerstag

Igor Matanovic sparte drei Tage nach einem für alle Ewigkeit unvergesslichen SC-Freiburg-Abend nicht mit sachlicher Kritik: „Wir waren nicht annähernd bei 100 Prozent und konnten nicht das abrufen, was wir am Donnerstag abgerufen haben. Deren Flexibilität hat bei uns zu große Lücken aufgerissen“, sagte der Stürmer, der wie schon beim 2:1-Sieg beim FC St. Pauli in seiner Geburts- und Heimstadt Hamburg doppelt getroffen hat. Diesmal aber stand eine bittere 2:3-Niederlage beim HSV aus Freiburger Sicht auf der Anzeigetafel.

Es war eine harte Landung für den SC, der den ersten Matchball auf die Sicherung von Platz 7 und damit die Teilnahme an der Conference League vergeben hat. Nach der Frankfurter Niederlage vom Freitag in Dortmund war klar, ein Sieg reicht, um das letzte über die Liga zu vergebende Europacup-Ticket zu ergattern. Dort, im Europacup, hatte die Mannschaft von Julian Schuster die Fallhöhe fast ins Maximale geschraubt.

Durch einen mitreißenden 3:1-Erfolg drehte sie im Halbfinale der Europa League die 1:2-Hinspielniederlage gegen Sporting Braga und löste das Ticket für das größte Spiel in der Vereinsgeschichte des SC Freiburg: Das Finale um die silberne Trophäe des zweitwichtigsten europäischen Vereinswettbewerbs am 20. Mai in Istanbul gegen Aston Villa.

Dieses Weiterkommen im Semifinale hat Spieler, Trainer, Verantwortliche und Mitarbeiter emotional tief bewegt und die Fans so sehr begeistert, dass ein großer Teil von ihnen für den ersten Freiburger Platzsturm der jüngeren Vergangenheit sorgte.

Bundesliga als Partycrasher

Der Spielplan und die Bundesliga-Tabelle aber spielten schnell die Partycrasher. Das Sonntagsspiel beim HSV kam nämlich nicht als eins von zwei ausstehenden Ligapartien zum weiteren Warm-up für Istanbul daher, sondern als das nächste Endspiel. Entsprechend krass ist der Kontrast binnen drei Tagen. Der SC hat im Rennen um Platz 7 zwar weiterhin alles in der Hand, muss im schwierigen Heimspiel gegen Leipzig aber gewinnen, damit Frankfurt und Augsburg bei eigenen Siegen nicht mehr vorbeiziehen können.

Dann bliebe zwar noch die Chance auf die Champions League durch einen Europa-League-Triumph, der natürlich alles in der SC-Historie bisher Dagewesene in jeder Beziehung toppen würde. Aber Gegner Aston Villa ist als klarer Favorit eine sehr hohe Hürde. Am Ende könnte der SC nach einer jetzt schon fantastischen Europacup-Reise ab dem Sommer unter der Woche freihaben.

Entsprechend fiel die Enttäuschung in Hamburg aus. „Wir haben auch schon nach Donnerstagsspielen viel aktiver und mutiger gespielt“, wollte Matanovic die Belastung nicht als Ausrede gelten lassen. Genauso wenig sein Trainer. „Es muss schon unser Anspruch sein, dass wir losgelöst davon, was am Donnerstag war, hier eine andere Leistung zeigen. Das müssen wir uns vorwerfen, dass wir das nicht geschafft haben“, betonte Schuster.

Der SC-Coach bemängelte konkret das Energiemanagement und die Entscheidungsfindung innerhalb seiner Mannschaft: „Das wäre gleichzeitig ein Lernfeld zu sagen, wenn ich körperlich so vorbelastet bin, welche Konsequenz hat es auf mein Spiel? Wann schalte ich mich ein, wo habe ich die Kontrolle, wo lasse ich den Ball laufen? Wir hatten viel zu einfache Ballverluste und wenn du diesen dann hinterherlaufen musst, dann fehlen irgendwann mal die Körner.“

Schuster unzufrieden

Das liege aber nicht am magischen wie energieraubenden Europa-Abend vom Donnerstag, sondern laut Schuster an der Leistung beim HSV, mit der er „natürlich nicht zufrieden“ sei. Nicht zufrieden war Schuster auch mit dem Knackpunkt in der Partie.

Erst verursachte der sonst so verlässliche Mittelfeld-Dauerbrenner Maximilian Eggestein mit einer zu risikoreichen Grätsche gegen Fabio Vieira, mit der er nicht den Ball erreichte, unnötig einen Freistoß 25 Meter zentral vor dem Tor. Und dann drehte sich Eggestein bei Luka Vuskovics wuchtigem Flachschuss in der Mauer auch noch weg und fälschte unglücklich ab für Noah Atubolu, der mit der Hand noch hinter den Ball kam, das 2:1 für Hamburg aber nicht mehr verhindern konnte.

„Wir trainieren das ganze Jahr, dass man sich nicht wegdrehen soll. Und wenn Vuskovic zum Freistoß antritt aus dieser Entfernung, dann weißt du, dass er nicht über die Mauer zirkelt, sondern Vollgas draufknallt. Und dann musst du stehen bleiben, dann kann es eventuell wehtun“, kritisierte Schuster das Verhalten seines Führungsspielers Eggestein klar und sachlich, ohne aber dessen Namen zu nennen: „Das hat dann auch nichts mit Müdigkeit zu tun, sondern dann musst du das halt einstecken. Dazu musst du bereit sein. Und wenn du es nicht machst, ist es auch kein Zufall, dass du eben den Ball so abfälschst.“

Makengos folgenreicher Fehler

Doppelt ärgerlich, dass vor allem der in den letzten Wochen ohnehin formschwache und im Hamburg eingewechselte Jordy Makengo – der sich in der Mauer beim 2:1 übrigens auch weggedreht hatte – mit einem Stellungsfehler samt folgendem Ausrutscher dem HSV den schnellen Doppelschlag zum 3:1 durch Fabio Baldé ermöglichte. Deshalb reichte Matanovics zweites Tor nicht mal zu einem Remis.

Jetzt dürften bei vielen Freiburgern bittere Erinnerungen wach werden. Schon 2024, beim Abschied von Christian Streich und kurz vor der Amtsübernahme durch Schuster, waren die Breisgauer in den Schlussminuten der Saison aus den internationalen Rängen auf Platz 10 gefallen. Das wird vielen Protagonisten noch sehr präsent sein. Aber immerhin haben die SC-Profis jetzt fünf Tage Zeit, um zu regenerieren und sich für Leipzig und dann Aston Villa noch mal auf ihr Toplevel hochzufahren.

 Trotz des rauschenden Finaleinzugs in der Europa League könnte der SC Freiburg das internationale Geschäft verpassen. Julian Schuster übt nach dem durch das 2:3 beim HSV vergebenen Matchball auf Platz 7 klare Kritik – speziell an Maximilian Eggesteins Verhalten beim 2:1. 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert