Bayer 04 Leverkusen hat nur noch minimale Chancen, das Saisonziel Champions League zu erreichen. Nach dem 1:3 in Stuttgart prangerte Kapitän Andrich mit deutlichen Worten die Charakterschwäche des Teams an.
Kapitän stellt Charakterfrage
So klar wie die Unterlegenheit der eigenen Mannschaft in Stuttgart war, so klar waren im Anschluss die Worte des Kapitäns. „Es war von allen zu wenig“, sagte Robert Andrich nach dem 1:3 im Champions-League-Showdown bei DAZN, ehe er Generalkritik am eigenen Team übte, die tief blicken ließ: „Heute war ein Sinnbild unserer Saison. Sobald es eng und brenzlig wird, schaffen wir es nicht, als Mannschaft zusammenzustehen.“
Kritik am Charakter der Mannschaft von einem Kapitän in einer Deutlichkeit, die fast schon entlarvend ist. „Das ist ein Ding, was mich extrem ärgert, weil es ein Team-Ding ist“, fuhr Andrich fort. Und als Team war Leverkusen in Stuttgart in einem Spiel, dessen Bedeutung jedem Spieler vorab klar war, in allen Belangen unterlegen – obwohl der Spielverlauf es mit einem Führungstor nach 34 Sekunden eigentlich noch gut gemeint hatte.
Danach konnte Leverkusen zu keinem Zeitpunkt mehr mit dem VfB mithalten, verlor hochverdient mit 1:3. „Wir sind über 90 Minuten nicht ansatzweise da hingekommen, dass wir Stuttgart schlagen konnten“, resümierte Andrich treffend.
„Wir haben zu wenig Leute, die zusammenstehen.“ (Robert Andrich)
Aber warum, in einem Spiel, in dem es um so viel geht? „Wir haben viele Charaktere, die ziemlich viel mit sich selbst ausmachen“, kritisierte Andrich später in der Mixed Zone. „Wir haben zu wenig Leute, die zusammenstehen.“ Liegt das Problem in Leverkusen also in der Kabine? Andrich, der als Kapitän eigentlich für diese Themen verantwortlich ist, übte auch deutliche Selbstkritik. „Da muss ich mir auch vieles ankreiden“, gestand er ein. „Ich stand schon häufig nach solchen Spielen hier, in denen wir nicht ins Spiel gekommen sind. Irgendwo muss der Fehler ja liegen.“
Andrich wird deutlich: „Meiner Meinung nach Bullshit“
Dass Andrich ihn im fehlenden Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft vermutet, wirft kein gutes Bild auf eine Leverkusener Umbruchs-Saison, die nun höchstwahrscheinlich in der Europa League enden wird. Vor dem letzten Spieltag ist Bayer 04 Sechster, kann nur noch mit einem eigenen Sieg gegen den HSV am kommenden Samstag und parallelen Niederlagen des VfB Stuttgart und der TSG Hoffenheim das Saisonziel Champions League erreichen.
„Mit der Platzierung geht’s mir beschissen“, stellte Andrich im TV-Interview klar. „Wenn ich Spiele wie heute anschaue, dann muss man sagen, dass wir es auch nicht verdient haben, so ehrlich müssen wir mit uns sein.“ Später legte er in der Mixed Zone entsprechend nach: „Es ist besser als zu sagen, dass wir hier auch hätten gewinnen können. Das ist meiner Meinung nach Bullshit.“ Zu weit entfernt war Leverkusen von einem Punktgewinn in Stuttgart, nach Aleix Garcias frühem Führungstreffer kam Leverkusen im gesamten Spiel zu keiner hochkarätigen Chance mehr.
Jetzt bleibt nur noch die minimale Hoffnung auf gleich zwei gegnerische Aussetzer am letzten Spieltag. „Es kann alles passieren“, sagte Andrich zwar, ließ aber direkt danach durchblicken, dass auch er die Aussichten als eher gering einschätzt: „Es geht für uns auch noch um ein bisschen Urlaubsgeld, das man verdienen kann. Wir müssen unser Spiel gewinnen und dann müssen wir beten.“
Bayer 04 Leverkusen hat nur noch minimale Chancen, das Saisonziel Champions League zu erreichen. Nach dem 1:3 in Stuttgart prangerte Kapitän Andrich mit deutlichen Worten die Charakterschwäche des Teams an.
