Erstaunliche Zufälle im Prozess wegen Hoffenheim-Machtkampf 

An diesem Mittwochvormittag hätte die Kündigungsschutzklage zweier ehemaliger leitender Mitarbeiter gegen die TSG Hoffenheim verhandelt werden müssen. Nun aber gibt es Ablehnungsgesuche gegen die beiden Beisitzer des Gerichtsprozesses. Ihre Berufung wirkt wie ein erstaunlicher Zufall.

Kläger stellen Ablehnungsgesuche

Diese stellten die Kläger Asmahan Gamgami und Arno Metz, die im Zuge des Machtkampfes bei der TSG Hoffenheim im Februar fristlos entlassen wurden und sich dagegen mit einer Kündigungsschutzklage vor der Heidelberger Kammer des Arbeitsgerichts (ArbG) Mannheim wehren. Jener schlagzeilenträchtige Machtkampf entbrannte auch aufgrund der Weitergabe von Mitgliederdatenlisten. Die damaligen Umstände der Weitergabe erweckten den Eindruck, dass es darum gegangen sein könnte, handverlesene Kandidaten für den künftigen Vereinsvorsitz zu finden, die der Partei von Kapitalgeber Dietmar Hopp gewogen sein könnten.

Zerren um die Meldestelle und die Untersuchung als Auslöser?

Metz und Gamgami waren damals zuständig für die interne Meldestelle der TSG für etwaige Verfehlungen und ließen die Sache von der externen Kanzlei Freshfields untersuchen. Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker – die damals einzige verbliebene Person auf der höchsten Leitungsebene des Klubs – zog das Duo von der Meldestelle ab und vergab die Prüfung anderweitig an die Frankfurter Firma Legaltegrity, die auch schon den DFB während der Heim-EM 2024 beraten hatte.

Kurz danach stand zwischenzeitlich sogar die Abberufung des Österreichers im Raum, während die Profimannschaft der TSG einen sportlichen Höhenflug erlebte. Doch stattdessen ging der damalige interimistische e.V.-Vorsitzende Christoph Henssler – nicht zuletzt, weil Hopp eine Gesellschafterversammlung mit einer einstweiligen Verfügung stoppte.

Mittlerweile hat der e.V. mit André Kreuzwieser einen neuen Vorsitzenden, doch richtig aufgearbeitet wurde der Machtkampf nie: weder die Hintergründe der (parallel laufenden) Trennung von Ex-Marketinggeschäftsführer Tim Jost, der mittlerweile als Kandidat beim VfL Wolfsburg gilt, noch die Datenweitergabe an sich. Zwar sieht ein externes Gutachten keinen ernsthaften Verstoß gegen Datenschutzregeln, doch nach kicker-Informationen hat man die Sache beim behördlich zuständigen Landesbeauftragten für den Datenschutz und Informationssicherheit in Baden-Württemberg noch immer nicht final ad acta gelegt.

Beisitzer: Ein Hopp-Freund und ein SAP-Aufsichtsrat

Gamgami, intern unter anderem zuständig für Unternehmensentwicklung, und Ex-Justiziar Metz, der aus der Kanzlei von Ex-CEO Dr. Markus Schütz kommt, der sich in der Folge der Prozesse um das Hausverbot gegen Spielerberater Roger Wittmann mit Geldgeber Hopp überworfen hatte, hätten damals nach einer etwaigen Schicker-Demission übergangsweise übernehmen sollen. So zumindest lautet ganz offenbar ein zentraler Vorwurf. Die Sachlage ist kompliziert, schon aufgrund der Tatsache, dass nach der Rückgabe von Hopps Stimmrechtsmehrheit der Vereinschef das Sagen hat. Damals war das interimistisch der aus der Ultraszene stammende Henssler.

Nun also hätte es nach einem gescheiterten Gütetermin in zwei Kammerterminen in Heidelberg um die Kündigungen der ehemaligen leitenden Mitarbeiter gehen sollen. Allerdings musste sich das ArbG vertagen. Denn – und das wirkt dann schon wie ein erstaunlicher Zufall – als ehrenamtliche Beisitzende hatte das ArbG einen Heidelberger Verleger geladen, der mit Dietmar Hopp befreundet ist und eine Geschäftsbeziehung zur TSG pflegt, und einen Betriebs- und Aufsichtsrat der SAP. Also ausgerechnet jenes Softwarekonzerns, den Hopp einst mitgegründet und zu Weltruhm geführt hatte.

Prozedere zieht sich bis in den September – mindestens

Dazu kommt noch, dass in Gerd Oswald ein weiterer enger Vertrauter Hopps bis Ende April im Kontrollgremium der SAP saß, der zuletzt bei der TSG wieder aktiver in Erscheinung getreten ist und dem avisierten Beisitzer aufgrund der geschilderten Konstellation bestens bekannt sein dürfte. Dies löste bei den Rechtsvertretern der beiden Kläger offenbar heftige Bauchschmerzen aus und sorgte für Ablehnungsgesuche. Über diese hat das Arbeitsgericht nun zu befinden. Heißt: Das Prozedere wird sich ziehen, mit einer Fortführung ist frühestens im September zu rechnen, eher später.

Bei arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen ist es üblich, dass neben dem hauptamtlichen auch jeweils ehrenamtliche Richter eingesetzt werden, um jeweils die Perspektive der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberseite abzubilden. Laut Darstellung einer Gerichtssprecherin erfolgt die Nominierung üblicherweise auf Basis von Bestandslisten, die alphabetisch abgearbeitet werden. Die Stimme eines ehrenamtlichen Beisitzers hat im Arbeitsgerichtsverfahren den gleichen Wert wie die eines hauptamtlichen Richters.

 An diesem Mittwochvormittag hätte die Kündigungsschutzklage zweier ehemaliger leitender Mitarbeiter gegen die TSG Hoffenheim verhandelt werden müssen. Nun aber gibt es Ablehnungsgesuche gegen die beiden Beisitzer des Gerichtsprozesses. Ihre Berufung wirkt wie ein erstaunlicher Zufall. 

 

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