Salim Musah soll die Zukunft gehören, doch beim SV Werder Bremen zählt erst einmal die Gegenwart – und die heißt aktuell Niclas Füllkrug. Der Jungprofi ist „nicht glücklich“. Und es gibt Parallelen zu Nick Woltemade.
Thioune über den „Leidtragenden“
6 Minuten, 29 Minuten, 7 Minuten – null Minuten. Bislang kam Salim Musah für den SV Werder Bremen in dieser neuen Saison nur sehr dosiert zum Einsatz. Am vergangenen Samstag beim 1:1 in Köln verblieb der Angreifer nun erstmals über die gesamte Spielzeit auf der Ersatzbank – und war damit „nicht glücklich“, wie Coach Daniel Thioune einerseits verriet und andererseits für „völlig normal“ hielt.
Eigentlich, so war das von allen Seiten perspektivisch vorgesehen, sollte der 20-Jährige in seiner zweiten Spielzeit bei den Werder-Profis noch mehr Spielpraxis erhalten als in der Vorsaison. Da hatte Musah gerade gegen Ende mehrere Bewährungschancen von Thioune erhalten, der damit auch seinen Worten über Zukunftskandidat Musah Taten folgen ließ: Acht Bundesliga-Spiele sprangen für ihn letztlich heraus, zweimal stand er in der Bremer Startelf.
Allerdings stellte sich auch die Konkurrenzsituation im Bremer Angriff seinerzeit noch anders dar. Die Großbaustelle der Vorsaison wurde in der Sommer-Transferperiode inzwischen jedoch geschlossen: Erst wurde der Schweizer WM-Fahrer Cedric Itten verpflichtet, dann folgte auch noch die vielbeachtete Rückkehr von Niclas Füllkrug – die bislang jedenfalls auch voll aufgeht.
Thiounes Entscheidung „im Sinne des Erfolges“
Stand jetzt wiederum hat sich die Situation zulasten von Musah entwickelt, nachdem er in der Vorbereitung eigentlich als einer der wenigen Werder-Profis positiv auf sich aufmerksam machen konnte.
Beim Pflichtspielauftakt im DFB-Pokal startete trotz der Leistungsnachweise von Musah dann jedoch direkt Füllkrug – um ihm jene Spielpraxis zu verschaffen, die ihm aufgrund seiner späten Verpflichtung vorher abging; Ähnliches galt für Itten. Der U-20-Nationalstürmer war erst einmal nur noch Stürmer Nummer drei.
Thioune erklärte am Sonntag indes, dass er seine Entscheidungen im Werder-Sturm bislang „im Sinne des Erfolges“ getroffen habe, „übergeordnet müssen wir Fußballspiele gewinnen“. Drei Füllkrug-Tore (darunter ein Elfmeter im DFB-Pokal) sowie vier Punkte nach drei Spielen in der Bundesliga geben ihm in dieser Hinsicht durchaus recht.
Musah? „Wird immer einen Leidtragenden geben“
Und die Entwicklung von Musah? Die Situation des Angreifers seit diesem Sommer schätzt der 52-Jährige so ein: „Es war eine ordentliche Vorbereitung von Salim – gefehlt haben natürlich dann die Konkurrenten im Sturm.“ Nach einer Erkrankung sei ihm zwischenzeitlich zudem etwas die Frische abgegangen. Und doch habe er bis auf die Partie in Köln „in jedem Spiel Minuten bekommen“; gegen Leipzig habe Thioune gar das System „für ihn“ umgestellt.
Der Werder-Trainer könne wiederum „gerade nicht allen Talenten gerecht werden“, betonte er – und verweist in der Personalie Musah darauf, dass bei ihm „a) Geduld gefragt ist und b) er die Zeit nutzen“ müsse, wenn er seine Chancen erhält.
Als Joker wohlgemerkt, denn „dass ein junger Spieler nicht unbedingt starten kann“, ließ Thioune dann auch klar durchblicken: „Das ist vielleicht auch normal, wenn aktuell bei Niclas Füllkrug darüber gesprochen wird, wie gut er ist – dann wird es immer einen Leidtragenden geben.“
Wie Woltemade? Das Déjà-vu bei Musah
Dass es sich dabei um Musah und damit seinen Spieler handeln könnte, da hatte dessen Berater Danny Bachmann nach Füllkrugs Blitz-Startelfdebüt zum Saisonauftakt schon so eine Vorahnung. Anschließend sagte er der Bild: „Die Entscheidungen im Pokalspiel passen nicht ansatzweise zu den letzten Gesprächen mit den Verantwortlichen.“
Pikant: Bachmann betreut auch Ex-Werder-Profi Nick Woltemade – und wie dieses Kapitel für den Klub endete, ist bekannt: Das Eigengewächs wechselte vor zwei Jahren ablösefrei nach Stuttgart, nachdem der Angreifer in Bremen nicht jene Entwicklungsmöglichkeiten bekam, die man ihm angesichts seines Karriereverlaufs wohl besser zugestanden hätte.
Die Situation bei Musah, heißt es, erinnere da durchaus an jene von Woltemade: Ein Déjà-vu also, das Werder jedoch unbedingt verhindern sollte.
Salim Musah soll die Zukunft gehören, doch beim SV Werder Bremen zählt erst einmal die Gegenwart – und die heißt aktuell Niclas Füllkrug. Der Jungprofi ist „nicht glücklich“. Und es gibt Parallelen zu Nick Woltemade.
