„Er merkt selbst, dass er gut ist“: Kettemanns Lob für Scheller 

Obwohl ein wichtiger Verteidiger den SC Paderborn verließ und ein mutmaßlich gesetzter Spieler weiterhin verletzt fehlt, macht sich die Abteilung Abwehr beim Aufsteiger gut. Ein wichtiges Faustpfand für Erfolg in der 1. Liga.

Paderborns Defensivverbund stellt den Trainer zufrieden

Mit gerade 24 Jahren erlebte er in diesem Jahr schon seinen zweiten Bundesliga-Aufstieg, wohl aber den ersten „richtig selbst mit erarbeiteten“. In der Saison 2023/24 hatte Tjark Scheller lediglich zwei Zweitliga-Partien für den FC St. Pauli bestritten, als dieser am Saisonende den Sprung in die Bundesliga schaffte. Für Scheller ging es weiter nach Paderborn, wo er eine für Spieler dieses Klubs typische Entwicklung nahm: Sofort mittendrin, absolvierte der Abwehrstratege bei den Ostwestfalen seither 62 von 68 möglichen Punktspielen im Unterhaus, saß nur dreimal auf der Bank und fehlte dreimal gesperrt.

Höhepunkt nun: der Triumph in der Relegation gegen Wolfsburg, in der Scheller zweimal als mittlerer Spieler der Dreierkette glänzte. Umsichtig und stellungssicher, am Ball mit viel Ruhe und Übersicht, fast immer souverän Herr der Lage. Dabei gilt der gebürtige Rendsburger, der über den Nachwuchs von Holstein Kiel und Schalke 04 am Millerntor gelandet war, für viele in Paderborn immer noch angesichts des fehlenden Kapitäns Felix Götze (langwierige Achillessehnenprobleme) eher als Behelfslösung in der Rolle des Abwehrchefs. Ist er das wirklich noch?

„Tjark ist in einem Top-Zustand. Das gilt es jetzt zu konservieren.“ (Paderborns Trainer Ralf Kettemann)

„Wenn ich das zurzeit übernehmen darf, dann mache ich das gerne“, sagt Scheller demütig und schiebt kollegial nach: „Natürlich hoffen wird, dass Felix so schnell es geht wieder zurückkommt.“ Bescheidenheit, während Ralf Kettemann sich nach dem jüngsten 2:0-Testspielsieg in Osnabrück schon etwas offensiver über seinen Defensivmann äußerte. „Tjark ist in einem Top-Zustand. Das gilt es jetzt zu konservieren. Er merkt, so glaube ich, auch selbst, dass er gut ist“, so der Trainer. „Die Position zentral passt sehr gut zu ihm.“ Dort gewinne der 1,92-Meter-Mann die engen Zweikämpfe, lösche die Defensiv-Standards verlässlich. Verbesserungsvorschläge hat Kettemann freilich auch: „Vorne bei Standards öfter an den Ball kommen und natürlich die Balance finden aus viel gutem Ballbesitz und Abspielen. Nicht anfangen, zu überdrehen.“

Es klingt Zufriedenheit und etwas Erleichterung mit, dass es mit Scheller auf der letzten Linie gut funktioniert. Zumal links neben ihm Jonah Sticker eine praktikable Lösung als Nachfolger des nach Augsburg gewechselten Calvin Brackelmann sein könnte. Rechts spielt Mattes Hansen wie schon ausgangs der vergangenen Saison einen soliden Part. Mit dem derzeit am Knie verletzten Nyamekye Awortwie-Grant gibt es zumindest einen vielversprechenden Back-up-Spieler.

So geht es nach vier Wochen Vorbereitung und viertägiger Pause ab Donnerstag an den Feinschliff, mit dem nächsten Härtetest am Samstag gegen Werder Bremen. „Wir werden die Intensität noch einmal hochschrauben, weil wir das in der Liga 90 Minuten gegen gute Gegner brauchen“, sagt Scheller. „Das haben wir letztes Jahr gezeigt, das wollen wir noch einmal toppen.“ Stabile Abwehrarbeit als Faustpfand, um auch in der 1. Liga zu bestehen.

Suche nach Flügelspielern – Baack empfiehlt sich als Sechser

Die Paderborner Macher um Kettemann und Sport-Geschäftsführer Sebastian Lange betonen, dass es in der Offensive, besonders auf den Flügeln, noch Nachsteuerungsbedarf auf dem Transfermarkt gibt. Derweil festigt sich der für einen erfolgreichen Kampf um den Klassenerhalt besonders nötige Deckungsverbund auch in der Linie vor der Abwehr. Verlässlich präsentierte sich in den drei Tests der vergangenen Woche (vor dem Osnabrück-Spiel gab’s für den SCP07 ein 0:2 gegen Magdeburg und ein 2:1 gegen Southampton) der US-Amerikaner Santiago Castaneda. Ihm zur Seite steht, wenn Kettemann mit einer Doppelsechs agiert, in Tom Baack ein sehr abgeklärt auftretender Kandidat, der gegen den Ball diszipliniert attackiert und in Ballbesitz kluge Ideen entwickelt.

„Man sieht, dass die Abläufe immer stimmiger werden“, zieht Tjark Scheller entsprechend insgesamt ein positives Zwischenfazit. Intensiv geht es weiter. „Für vier Wochen Vorbereitung sind wir schon ziemlich weit. Aber in den nächsten vier Wochen muss noch etwas mehr kommen. Das ist unser Anspruch.“

 Obwohl ein wichtiger Verteidiger den SC Paderborn verließ und ein mutmaßlich gesetzter Spieler weiterhin verletzt fehlt, macht sich die Abteilung Abwehr beim Aufsteiger gut. Ein wichtiges Faustpfand für Erfolg in der 1. Liga. 

 

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