Dortmunds Punktverlust: Zwei Klassiker und ein Ausrutscher 

Borussia Dortmund zeigt gegen Werder Bremen erst bekannte Stärken und Schwächen, dann aber ein verloren geglaubtes Gesicht. Acht Minuten Nachlässigkeit kosten am Ende zwei Punkte.

BVB hadert mit acht Minuten Kontrollverlust

Es gibt Momente in Fußballspielen, die sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt haben. In Dortmund reicht beispielsweise seit etwas mehr als zehn Jahren das Schlagwort „Malaga“ für ein Aufbessern der schlechtesten Stimmung. Das allerdings funktioniert in beide Richtungen: Als am Freitagabend gegen 22.15 Uhr Bremens Ludovit Reis mit seinem Anschlusstreffer aus der Distanz ein vermeintlich entschiedenes Spiel wieder spannend machte, gingen die Gedanken vieler an einen Tag vor rund vier Jahren zurück.

Damals drehte Werder Bremen einen 0:2-Rückstand innerhalb der finalen sieben Minuten noch in einen 3:2-Sieg und versetzte den bis dahin verlustpunktfreien Dortmundern den ersten dicken Dämpfer einer Saison, in der am Ende unter anderem diese ein bis drei Punkte zur Meisterschaft fehlten. Und auch wenn vom damaligen Team nur noch Nico Schlotterbeck und Gregor Kobel auf dem Platz standen, reichte das Gegentor für ein erneutes Zittern.

Erst viel Rotation, dann mehr Druck

In der Kombination aus Verunsicherung, nachlassenden Kräften und dadurch fehlender Konzentration glichen die Gäste auch 2026 aus. Dass es im Unterschied zu 2022 noch zu einem Punkt reichte, war kein großer Trost auf Dortmunder Seite. „Wir haben nach dem 2:0 aufgehört, an unserem Plan festzuhalten, und haben nicht mehr gut verteidigt“, bekannte Waldemar Anton: „Wir machen Fouls, bei denen wir einfach zu spät kommen, das ist maximal ärgerlich.“

Es waren zwei bekannte Gesichter und ein verloren geglaubtes, die der BVB am Freitagabend zeigte. 30 Minuten lang taten sich die Gastgeber extrem schwer, gegen den tief stehenden und gut verschiebenden Riegel von Werder in den Strafraum und gar zu Chancen zu kommen. Anton als Mittelmann der Dreierkette kam vor der Pause auf 80 Ballkontakte, weil das Spielgerät dauerhaft von links nach rechts und wieder zurück rotierte, aber kaum zwischen die Ketten und tief. „Wir hatten extrem viel Ballbesitz, in der ersten Halbzeit vielleicht noch zu wenig Torgefahr“, erkannte auch Sport-Geschäftsführer Lars Ricken.

Ricken enttäuscht, Anton fordernd

Es ist inzwischen aber auch typisch, dass Dortmund sich steigern kann, wenn es nötig ist. Der Wechsel der beiden Außenverteidiger, mehr Tempo und Zug im Passspiel und ein hervorragendes Gegenpressing schnürten den Gegner dann nach dem Seitenwechsel ein, die beiden Treffer waren folgerichtig. Untypisch war dagegen, dass der BVB unter Niko Kovac den Vorsprung wieder aus der Hand gab und entscheidende acht Minuten unaufmerksam wurde. „Das müssen wir uns vorwerfen“, befand der Coach.

„Die pure Enttäuschung“, wie Ricken es nannte, soll ein Warnschuss bleiben. „Wir werden jetzt daran arbeiten, dass das nur einmal so passiert“, forderte Anton. Oder zumindest nur einmal alle vier Jahre.

 Borussia Dortmund zeigt gegen Werder Bremen erst bekannte Stärken und Schwächen, dann aber ein verloren geglaubtes Gesicht. Acht Minuten Nachlässigkeit kosten am Ende zwei Punkte. 

 

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