Anlässlich Halloween präsentieren wir die gruseligsten Partien der Bundesliga-Geschichte: die sechs Duelle, die im kicker die Spielnote 6 erhielten.
Gewürge statt Spektakel
Wattenscheid – Schalke 0:0 (19.02.1993)
Ab der Saison 1992/93 begann der kicker für Bundesliga-Spiele Noten zu vergeben. Die erste Sechs verteilte der kicker am 18. Spieltag jener Spielzeit beim torlosen Remis von Schlusslicht Wattenscheid gegen Schalke 04.
Beide Mannschaften befanden sich damals offenbar noch im Winterschlaf. SG-Trainer Hans Bongartz wollte die Gäste aus Gelsenkirchen mit drei Stürmern unter Druck setzen, doch der Plan misslang völlig. Schalke wiederum kontrollierte zwar weitestgehend das Geschehen, ließ aber ebenfalls jegliche Durchschlagskraft vermissen. Zudem gab es „Querschläger und Missverständnisse in Potenz“, ächzte der kicker, man habe „Fußball zum Abgewöhnen“ gesehen.
Selbst Schiedsrichter Hans-Jürgen Kasper passte sich dem schwachen Niveau an und übersah als Höhepunkt etlicher falscher Entscheidungen ein Handspiel von Uwe Neuhaus im Wattenscheider Strafraum. Ins Bild passte auch das Verhalten von Reservespieler Uwe Scherr. Da Schalkes Mittelfeldspieler nicht von Beginn an auflaufen durfte, wärmte er sich später dermaßen lustlos auf, dass Schalkes Trainer Helmut Schulte sauer wurde und intern eine Strafe verhängte.
kicker-Bewertung: Eine schlimme Vorstellung zweier Mannschaften, die die Winterpause noch nicht verdaut hatten. Oder, wohlwollend ausgedrückt: fast schon oberligareif.
Köln – Wolfsburg 0:0 (16.03.2001)
90 Minuten quälten auch Köln und Wolfsburg die 27.500 Zuschauer im Müngersdorfer Stadion am 26. Spieltag 2000/01. Die Gastgeber versuchten erst gar nicht, sich in Wolfsburger Strafraumnähe zu begeben und stellten sich über die gesamte Spielzeit hinten rein. Die Wölfe waren gedanklich und körperlich zu langsam, um dem Bollwerk beizukommen. „In der Kölner Hälfte standen sich alle Mann auf den Füßen“, meckerte VfL-Spielmacher Dietmar Kühbauer nach der Partie.
Die einzige Torchance notierte der kicker acht Minuten vor Schluss, als Charles Akonnor nach einer Ecke zum Kopfball kam. Ausnahmsweise kürte der kicker nicht mal einen Spieler des Spiels. Diese Auszeichnung habe sich keiner verdient, befanden die Reporter, die sich das langweilige Ballgeschiebe über die komplette Spielzeit antun mussten.
kicker-Bewertung: Mit dem Punktgewinn wurden beide Mannschaften in einer spielerisch und dramaturgisch indiskutablen Partie für ihre Leistungen zu großzügig belohnt.
Leverkusen – Karlsruhe 0:1 (25.04.2009)
Selbst ein Tor rettete die Partie Leverkusen gegen Karlsruhe am 29. Spieltag 2008/09 nicht vor der Spielnote 6. Der Treffer war zwar durchaus schön anzusehen, aber ein reines Zufallsprodukt: Sebastian Langkamp rettete am Mittelkreis vor Renato Augusto mit einem Befreiungsschlag aus 46,5 Metern, und irgendwie fand der Ball den Weg ins Netz. „Ich wollte klären. Und dachte, der Ball geht ins Aus oder auf die Tribüne“, gestand der Torschütze hinterher.
Auch der Rückstand konnte den Gastgeber nicht aus der Lethargie reißen. Offenbar hatte die Werkself den Einzug ins Pokalfinale vier Tage zuvor mindestens drei Tage lang gefeiert. Sportdirektor Rudi Völler und Trainer Bruno Labbadia waren dermaßen angefressen von der Leistung ihrer Profis, dass sie die freien Tage am Montag und Dienstag strichen.
Und Karlsruhe? Der Tabellenletzte durfte sich freuen, dass es ihm mit seinen limitierten Mitteln gelang, drei Punkte aus dem Rheinland zu entführen. Zu einem erbaulichen Spiel trugen die Badener aber auch nichts bei.
kicker-Bewertung: Was als uninspirierter Sommerkick begann, endete in der fußballerischen Katastrophe.
Frankfurt – Kaiserslautern 0:0 (05.03.2011)
Die Rückrunde 2010/11 würde jeder Frankfurter Anhänger wohl am liebsten aus dem Gedächtnis streichen. Besonders übel war das klägliche 0:0 gegen Aufsteiger Kaiserslautern am 25. Spieltag. Hatten die Hessen eine Woche zuvor beim 0:2 gegen den VfB Stuttgart noch etwas Elan und Courage gezeigt, war davon im wichtigen Spiel gegen den Tabellensechzehnten nichts mehr zu sehen. Die erste Ecke gab es in der 29. Minute, die erste zarte Chance sogar erst in der 48. Minute.
Die Gäste aus der Pfalz zeigten gleichfalls Defizite in allen Bereichen. Die Ankündigung, speziell über die Außen Druck auf die Eintracht auszuüben, erwies sich als bloßes Lippenbekenntnis. Offensivaktionen gab es auf beiden Seiten nur in homöopathischen Dosen. Folgerichtig endete die Partie torlos. Für die Eintracht war das damals nichts Neues: Bereits acht Partien warteten die Adler damit schon auf einen Torerfolg. Am Ende wurde die zweite Saisonhälfte der SGE mit dem Abstieg quittiert, Lautern musste erst ein Jahr später runter.
kicker-Bewertung: Zu sagen, das Derby sei auf Zweitliganiveau gewesen, wäre eine Beleidigung für die 2. Liga.
Fürth – Nürnberg 0:0 (24.11.2012)
Viele Zweikämpfe, zahlreiche Nickeligkeiten, wenige Chancen und kaum gelungene Spielzüge waren die schwer verdaulichen Zutaten beim fränkischen Derby zwischen der SpVgg Greuther Fürth und dem 1. FC Nürnberg am 13. Spieltag 2012/13. Sinnbildlich war die beste Möglichkeit im ersten Durchgang: Nach einem katastrophalen Fehlpass von Javier Pinola vertändelte Gerald Asamoah bemitleidenswert. Negativer Höhepunkt war die Rote Karte für FCN-Profi Markus Feulner in der 35. Minute.
Der zweite Durchgang wurde noch zäher. Beide Rivalen scheuten nach der Pause jegliches Risiko und schlossen scheinbar einen Nichtangriffspakt. Die fränkische Fan-Seele blutete auf beiden Seiten angesichts der fehlenden Leidenschaft auf dem Rasen. Für etwas Aufregung sorgte zumindest noch der Platzverweis für Fürths Sercan Sararer. So endete die Partie auch personell mit einem Remis.
kicker-Bewertung: Beide Teams konterkarierten die hohen Derby-Erwartungen: Der Partie fehlte von der ersten bis zur letzten Minute das Bundesliga-Niveau.
Mainz – Schalke 0:0 (05.03.2021)
Beim Kellerduell zwischen Schalke und Mainz am 24. Spieltag 2020/21 wusste man nicht so recht, ob die Spieler zwischen Freund und Feind unterscheiden konnten, so regelmäßig wurde der Ball zum Gegner gespielt. Oder ins Seitenaus. Zusammengerechnet gab es 257 Fehlpässe in anderthalb Stunden, das sind im Schnitt fast drei pro Minute. Selbstredend, dass da keinerlei Spielfluss zustande kommen konnte.
Überdies gab es beiderseits unzählige weitere Stümpereien, vor allem offensiv. Schalke mühte sich bei der Premiere von Trainer Dimitrios Grammozis zu zwei Abschlüssen, während die Gäste aus Mainz immerhin zu 19 Torschüssen kamen. Allerdings brachten die 05er davon nur zwei auch auf den gegnerischen Kasten.
kicker-Bewertung: Das Engagement der Spieler in allen Ehren: Es war fußballerisch von beiden Seiten eine absolute Zumutung, allein die Zahl der Fehlpässe (257) spricht Bände. Keine einzige Minute dieses in allen Belangen unattraktiven Spiels verdient es, noch einmal angesehen zu werden.
Anlässlich Halloween präsentieren wir die gruseligsten Partien der Bundesliga-Geschichte: die sechs Duelle, die im kicker die Spielnote 6 erhielten.
