Die lange Länderspielpause ist für Gladbach Fluch und Segen zugleich 

Alexander Blessin hat bei Borussia Mönchengladbach eine Menge Arbeit vor sich. Dafür bekommt er durch die Länderspielpause zwar mehr Zeit, doch dort, wo er ganz besonders ansetzen muss, fehlt ihm der Großteil der Profis.

Viel Zeit, wenig Defensive

Am Montag und Dienstag übernahm Jan-Moritz Lichte noch die Leitung des Trainings als Interimstrainer von Borussia Mönchengladbach. Logisch, es galt, keine Zeit zu verlieren, um nach dem katastrophalen Saisonstart mit vier Niederlagen in vier Spielen Veränderung herbeizuführen, auch wenn der endgültige Vollzug mit Alexander Blessin erst am Mittwoch gelang.

Nun rückt Lichte wieder ins zweite Glied und soll den neuen Mann dabei unterstützen, die Wende einzuleiten. Die ungewohnt lange Länderspielpause ist für Blessin und die Gladbacher sicherlich ein praktischer Umstand, schließlich erhält der Nachfolger von Eugen Polanski mehr Zeit, um sich einzufinden, die Köpfe der Spieler freizukriegen und seine eigene Spielidee an die Mannschaft heranzutragen, bevor es erst in zweieinhalb Wochen in der Bundesliga weitergeht.

Die Defensive muss stabilisiert werden

Ganz oben auf der Gladbacher Mängelliste steht neben mentalen Faktoren natürlich die Defensive, die in der bisherigen Saison ein schwaches, teilweise chaotisches Bild abgegeben hat und schon 16 Gegentore kassierte. Vier im Schnitt und auch am Samstag gegen Mainz, wo wie schon gegen Elversberg drei eigene Tore nicht für einen Punkt genügten.

„Es fällt schwer, das am Ende irgendwie schönzureden und das will auch keiner“, sagte ein frustrierter Lichte nach dem erneuten 3:4 in seinem vorerst einzigen Spiel als Chef an der Seitenlinie. „Wenn du die Duelle in der Box verlierst, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass du Tore bekommst, relativ groß.“

Genau diese Wahrscheinlichkeit gilt es fortan zu verringern. Nachdem Polanski erfolglos auf eine Viererkette umgestiegen war, probierte es Lichte in Mainz wieder mit drei Innenverteidigern. Das ist auch die bevorzugte Herangehensweise von Blessin. Doch bei aller Zeit, die die Länderspielpause nun mit sich bringt, beschert sie den Gladbachern auch ein großes Problem: Denn in der Abwehr, wo am dringendsten Änderungen herbeigeführt werden müssen, wird es personell dünn.

Die vier gelernten Innenverteidiger sind unterwegs

Lichtes gesamte Startelf-Dreierkette vom vergangenen Wochenende befindet sich mit ihren Nationalmannschaften auf Reisen. Kevin Diks bestreitet mit Indonesien den FIFA ASEAN Cup, für Ko Itakura, der sich nach seiner Rückkehr bislang besonders schwertat, stehen vier Testspiele mit Japan auf dem Programm und Jan Leszczynski darf sich bei der Elite League Hoffnungen auf sein Debüt für die U 20 Polens machen.

Auch Fabio Chiarodia, der vierte und letzte Spieler im Profikader, dessen Hauptposition die Innenverteidigung ist, wurde für die beiden EM-Quali-Spiele mit der U 21 von Italien am 1. und 5. Oktober in Armenien und gegen Polen nominiert.

Für Blessin macht es das deutlich schwieriger, den wackligsten Mannschaftsteil sofort zu stärken, schließlich ist er nicht anwesend. Weder am Donnerstag in Siegen noch nächste Woche Samstag bei seinem Ex-Klub St. Pauli wird ihm das Personal zur Verfügung stehen, um eine Abwehr zu testen, die so im Derby in Köln zum Einsatz kommen könnte. Lukas Ullrich, ein Kandidat für eine der unter Blessin häufig wichtigen Schienenpositionen, ist zudem gemeinsam mit Wael Mohya bei der DFB-U-21.

Nguefack bleibt in Gladbach

Doch es bleibt keine Zeit, um sich Gedanken darüber zu machen, wer fehlt. Die Gladbacher müssen nun intensiv arbeiten, und zwar mit dem, was da ist. Dazu zählen auch Yukhym Konoplia, der nach seinem Innenbandanriss im Knie wieder zurückkehrt, und Mathieu Nguefack. Der 18-jährige Zentrumsspieler stand eigentlich im Kader für das Fünf-Nationen-Turnier der DFB U 19 in Spanien, blieb aber in Gladbach – wohl auch, um sich von Beginn an in den Fokus von Blessin spielen zu können.

 Alexander Blessin hat bei Borussia Mönchengladbach eine Menge Arbeit vor sich. Dafür bekommt er durch die Länderspielpause zwar mehr Zeit, doch dort, wo er ganz besonders ansetzen muss, fehlt ihm der Großteil der Profis. 

 

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