Beim Kantersieg auf St. Pauli feierte mit Bara Sapoko Ndiaye der nächste Teenager sein Debüt beim FC Bayern – und ließ aufhorchen.
Mittelfeldtalent sorgt für drei Rekorde
Geschichten schreibt diese Saison des FC Bayern einige, und wenn es so weitergeht wie gerade, dann kommen vermutlich noch ein paar dazu. Der nächste Kantersieg in der Liga, der achte mit mindestens fünf erzielten Treffern, blieb am Wochenende auf St. Pauli fast schon eine Randnotiz. Torrekord schön und gut, aber jetzt wartet halt wieder Real Madrid.
Eine besondere Note erhielt dieses 5:0 am Millerntor kurz vor Schluss trotzdem, als mit Bara Sapoko Ndiaye in der 84. Minute der achte Teenager in dieser Saison sein Bundesliga-Debüt feierte – das ist nun alleiniger Rekord vor RB Leipzig (sieben). Ndiaye war darüber hinaus der 31. eingesetzte Spieler von Trainer Vincent Kompany, das gab es bei Bayern seit dem Aufstieg 1965 nicht mehr.
Eindruck hinterließ der nächste Neue gleich in seiner ersten Aktion. Ndiaye befreite sich per Dribbling aus einer Drucksituation gegen zwei Hamburger, spielte dann weiter auf Jonathan Tah und holte sich zur Begrüßung ein High Five von Mitspieler Leon Goretzka ab. „Er hat seine Sache heute super gemacht“, lobte der Rekordtorschütze den Rekorddebütanten später. „Man hat gesehen, dass er ein brutales Talent ist. Ein super Kerl, ganz dankbar. War schön zu sehen, dass er sich heute seinen Traum erfüllen konnte.“
„Man hat ihm keine große Nervosität angemerkt.“ (Max Eberl über Debütant Ndiaye)
Anders als bei den meisten Campus-Talenten des FC Bayern ist Ndiayes Weg weniger geradlinig verlaufen und durchaus außergewöhnlich. Über die Gambinos Stars Africa, einer Akademie in Gambia, die seit 2023 mit Red & Gold Football, dem Joint Venture des FCB und Los Angeles FC, kooperiert, versuchte sich der Mittelfeldspieler schon im Herbst 2024 in einem zweiwöchigen Trainingsaufenthalt in München beim FC Bayern, spielte mit seiner Mannschaft gegen die U 19 des Rekordmeisters und hinterließ Eindruck.
Ndiayes Entwicklung: Über München und Zürich wieder zu Bayern
Im Februar und März des Folgejahres kehrte Ndiaye nach München zurück, trainierte bei der U 19 und den Amateuren, durfte jedoch auch bei Kompany und Co. an der Säbener Straße vorbeischauen. Dem Trainer gefiel, was er sah, Ndiaye dagegen zog vorerst zu den Grasshoppers nach Zürich weiter, einem Partnerklub aus dem Kosmos Red & Gold. Zwei Monate mischte Ndiaye in der Schweiz mit, trat als Probespieler auch im Vorbereitungsspiel gegen die Bayern an, lieferte sich intensive Zweikämpfe mit Goretzka und Co. – und wurde im Januar 2026 schließlich aus der Akademie zu Bayern verliehen.
Als Nicht-EU-Ausländer darf Ndiaye nicht mehr für die Amateure in der Regionalliga auflaufen oder für die U 19 in der Junioren-Bundesliga, obwohl er es mit seinen 18 Jahren noch könnte. Stattdessen zählt er zum Profiaufgebot des Rekordmeisters und hätte schon früher die ersten Minuten gesammelt, fiel wegen einer Muskelverletzung aber noch aus.
Ndiaye sorgt für Geschwindigkeitsrekord am Bayern-Campus
„Er hat über die viereinhalb Monate mit der Mannschaft trainiert, hat es sehr gut gemacht“, berichtet Sportvorstand Max Eberl. „Und ich fand, er kam sehr, sehr gut in dieses Spiel rein. Man hat ihm keine große Nervosität angemerkt, er hat sofort eine Aktion im Mittelfeld, wo er sich befreit und sofort weiterspielt. War gut im Spiel!“
17 von 17 Pässen brachte Ndiaye gegen St. Pauli an den Mitspieler, bestritt drei von drei Dribblings erfolgreich und verzeichnete insgesamt 26 Ballkontakte. Mit Mut und Körperlichkeit machte der Senegalese auf sich aufmerksam, außerdem soll er nach Vereinsangaben am Bayern-Campus einst den Geschwindigkeitsrekord gebrochen haben und mit über 36 Stundenkilometern gemessen worden sein.
Am Mittwoch (21 Uhr, LIVE! bei kicker) gegen Real Madrid wird Ndiaye wieder auf der Tribüne Platz nehmen, in der Champions League ist er nicht spielberechtigt. Vorstellbar dagegen ist, dass er im entspannten Ligaendspurt weitere Gelegenheiten bekommt, sich zu zeigen.
Wie es im Sommer weitergeht, ist noch nicht final besprochen, Ndiaye könnte jedoch fest beim FCB landen und im Sommer Spielpraxis in Europa sammeln. Durch die schon feststehenden Abgänge von Goretzka und Raphael Guerreiro werden im zentralen Mittelfeld jedoch zwei Plätze frei. Wer es aus Gambia zum FC Bayern schafft, wird grundsätzlich gerne an seine Chance glauben.
Beim Kantersieg auf St. Pauli feierte mit Bara Sapoko Ndiaye der nächste Teenager sein Debüt beim FC Bayern – und ließ aufhorchen.
