Bundesliga-Rückkehr, Harmonie in der Führungsriege, gute Sponsorendeals – die Lage auf Schalke ist so positiv wie lange nicht. Dass der Aufsichtsratsvorsitzende Axel Hefer ausgerechnet jetzt um seinen Platz im Gremium bangen muss, erscheint paradox. Dahinter steckt ein Macht-Gerangel in der Fanszene.
Wie viele Stimmberechtigte kommen wirklich?
Der FC Schalke 04 zählt seit vielen Jahren zu den mitgliederstärksten Vereinen des Planeten, mittlerweile verfügen weltweit rund 220.000 Menschen über einen entsprechenden Ausweis. Vor zehn Jahren verzeichneten die Königsblauen mit 10.000 Anwesenden eine Rekordbeteiligung bei ihrer Mitgliederversammlung in der Arena, seitdem reduzierte sich die Zahl nahezu von Jahr zu Jahr. Bei der bislang letzten Veranstaltung im November war die Beteiligung schließlich rekordverdächtig niedrig. Weniger als 2500 Stimmberechtigte waren gekommen.
Bei der Mitgliederversammlung an diesem Samstag dürfte die Zahl irgendwo zwischen den beiden Rekordwerten liegen. Dass deutlich mehr Menschen den Weg in die Arena finden werden als im November, gilt als sicher. Im Hintergrund läuft seit einiger Zeit eine Mobilisierung seitens der Fanszene.
Öffentliche Vorwürfe
Die aktive Fanszene und der Schalker Fanclub-Verband (SFCV), in dem rund 25.000 Mitglieder organisiert sind, haben unterschiedliche Ansichten. Seit Tagen wird der Streit der beiden Lager heftiger, sie machen sich zum Teil in öffentlichen Statements gegenseitig Vorwürfe. Differenzen in Bezug auf Satzungsanträge sind dabei ein Bestandteil des Zoffs.
Unterm Strich geht es um Macht und Einfluss. Die besondere Brisanz dabei: Das Macht-Gerangel kann Axel Hefer gefährlich werden. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates (seit 2021) muss um seinen Platz im Gremium bangen. Wie alle Aufsichtsratsmitglieder muss auch er sich regelmäßig zur Wiederwahl stellen, das ist turnusmäßig in diesem Sommer der Fall. Hefer hatte bereits bei seinem sportlichen Hinrunden-Fazit im kicker-Interview seine erneute Kandidatur offiziell angekündigt.
Über zwei Aufsichtsratsposten muss neu abgestimmt werden, vier Kandidaten stehen dafür zur Wahl: Die beiden bisherigen Amtsinhaber – neben Hefer auch Holger Brauner – sowie Michael Esken und Malte Stuckmann, die ins Gremium drängen.
Der einflussreiche SFCV hat eine Wahlempfehlung für Esken und Stuckmann ausgesprochen. Diese sei nicht gezielt gegen jemanden gerichtet, heißt es, sondern sie diene nach sämtlichen im Vorfeld gesammelten Eindrücken vielmehr als Orientierung. Die aktive Fanszene unterstützt eher Hefer und Brauner.
In der Vergangenheit war es in der Regel so, dass die aktive Fanszene bei den Mitgliederversammlungen personell stark vertreten war, davon ist erneut auszugehen. Nun wird es spannend sein zu sehen, wie viele Mitglieder der SFCV für die Veranstaltung am Samstag mobilisieren kann.
Manch einer mag sich über die öffentlich ausgesprochenen Empfehlungen empören, letztlich sind sie jedoch nicht unüblich und als Teil der demokratischen Veranstaltung zu betrachten. Jedes Mitglied darf schlussendlich frei entscheiden, für welchen Kandidaten es auf den Knopf des Abstimmungsgerätes drückt. Im Zweifel werden insbesondere Unentschlossene ihre Entscheidung von den Reden aller vier Kandidaten abhängig machen.
Erfolg gibt Amtsinhaber Recht
Speziell Hefers Ausgangsposition könnte schlechter sein. Er kann in seiner Rede gelassen auf die Erfolge und die positive Entwicklung der jüngeren Vergangenheit verweisen. Nachdem das überwachende Gremium unter seiner Führung einige personelle Fehlentscheidungen und zum Teil eklatante Fehleinschätzungen getroffen hatte, geht die Entwicklung seit geraumer Zeit deutlich und konstant in die positive Richtung.
Das Bestreben, den Posten des Sportvorstands wieder einzuführen, war ebenso richtig und wichtig wie die Entscheidung, ihn mit Frank Baumann zu besetzen. Auch die Modifizierung des Kompetenzbereiches von Vorstandsboss Matthias Tillmann war entscheidend dafür, dass der FC Schalke 04 zuletzt mehrere lukrative Sponsorendeals abschließen konnte.
Sollte Hefer abgewählt werden, was mit Blick auf demokratische Grundsätze absolut legitim wäre, droht dem Bundesliga-Aufsteiger eine Führungskrise. Diese könnte einhergehen mit einer Abkehr des (beschwerlichen) Weges, der zu der Ruhe geführt hat, nach der sich auch diejenigen seit Jahren gesehnt haben, die sich nun eine Veränderung an der Klubspitze offenbar gut vorstellen können.
Bundesliga-Rückkehr, Harmonie in der Führungsriege, gute Sponsorendeals – die Lage auf Schalke ist so positiv wie lange nicht. Dass der Aufsichtsratsvorsitzende Axel Hefer ausgerechnet jetzt um seinen Platz im Gremium bangen muss, erscheint paradox. Dahinter steckt ein Macht-Gerangel in der Fanszene.
