Bei seiner Rückkehr nach München: Demichelis will die Flucht nach vorn suchen 

16 Jahre nach seinem letzten Heimspiel für den FC Bayern kehrt Martin Demichelis in die Allianz-Arena zurück. Nimmt man die letzten RB-Gastspiele zum Maßstab, scheint seine Mission mit Leipzig nahezu aussichtslos.

Folgt nach den beiden Heimsiegen wieder das Auswärtsgesicht?

Die Bilanz liest sich ziemlich verheerend. Der FC Bayern (0,65) ist neben dem FC Ingolstadt (0,50) der einzige Gegner, gegen den RB Leipzig in der Bundesliga im Schnitt nicht mal einen Punkt holte. Während die Datengrundlage gegen Ingolstadt bei nur einer gemeinsamen Saison im Fußball-Oberhaus auf dünnen Säulen steht, liegen dem Bayern-Wert zehn gemeinsame Spielzeiten seit Leipzigs Aufstieg 2016 zugrunde. Von diesen 20 Duellen gewann RB nur zwei, nur eines der letzten 16 Spiele und von den letzten sechs gar keines mehr. Und, um den Bogen zur Aktualität zu schlagen: Abgesehen von der Pokal-Pflichtaufgabe in Trier agierte RB auch in den bisherigen Auswärtsspielen gegen Bremen, Leverkusen und Como trost- und punktlos.

Vor diesem Hintergrund sieht man sich in Leipzig vor dem Top-Duell am Samstag (18.30 Uhr) in der Allianz-Arena folgerichtig in einer klaren Außenseiterrolle, auch wenn man zuletzt gegen Frankfurt und Eindhoven zwei wichtige Heimsiege errang, während sich der Rekordmeister in Augsburg und Stavanger mit Remis-Ausrutschern begnügen musste. Doch Martin Demichelis weiß aus zwölf Jahren in München, wie die Bayern nach solchen Rückschlägen gewöhnlich ins nächste Spiel gehen: „Die können richtig sauer sein und versuchen, dich von Anfang an mit einer tollen Atmosphäre in ihrem Stadion zu fressen.“

19 Gegentore in den letzten vier Liga-Spielen

In Leipzig weiß man das aus eigener Erfahrung, RB präsentierte sich in der jüngeren Vergangenheit gleich reihenweise als Kanonenfutter. In den letzten vier Ligaspielen kassierte man 19 oder im Schnitt 4,75 Gegentore. Doch Demichelis will trotzdem keine reine Verteidigungsstrategie entwickeln, sondern die Flucht nach vorn antreten. „Ich bin kein Freund der Fünferkette. Das ist nicht unser Ziel als Fußballer und auch nicht das Prinzip des Vereins“, betonte Demichelis am Freitag. Im Übrigen sei die eigene Viererkette „von der Statistik eine der höchsten Ketten in der Liga“, merkte der Argentinier an.

Sonderlobe für Seiwald und Klostermann

Ein Freund des Rotierens ist Demichelis nach eigener Darstellung gleichfalls nicht, aber erfahren genug um zu wissen, dass drei englische Wochen hintereinander nicht ohne besonderes Augenmerk auf die Belastungssteuerung schadlos zu überstehen sind. Zudem sollten den Coach die auffällig vielen Verletzungen zu Saisonbeginn, vor allem die Muskelblessuren von Rocco Reitz, Brajan Gruda oder Marc Guiu sensibilisieren. Den wichtigen 1:0-Erfolg gegen Eindhoven erzielte RB mit nur einer Veränderung in der Anfangsformation gegenüber dem 6:0 gegen Frankfurt, als Startelf-Debütant Andrija Maksimovic durch Gruda ersetzt wurde.

In München sind mehr Veränderungen zu erwarten, so drängt sich beispielsweise der von Neuzugang Neil El Aynaoui aus dem zentralen Mittelfeld verdrängte Nicolas Seiwald auf. „Die letzten paar Tage, an denen er nicht von Anfang an gespielt hat, hat er immer eine brutale Einstellung gehabt. Und das ist genau das, was eine Gruppe braucht“, verteilte Demichelis ein Sonderlob an den Österreicher. Eine ebenfalls tadellose Einstellung attestierte er dem sportlich eigentlich aussortierten Lukas Klostermann, der gegen Eindhoven zur allgemeinen Überraschung mit der Einwechslung in der Schlussphase seine ersten Pflichtspielminuten in dieser Saison erhielt. „Nicki und Klosti sind einfach gute Jungs mit einer guten Einstellung“, so Demichelis.

„Ich bin voll bei Leipzig, bei meinen Jungs“

Fast 16 Jahre nach seinem letzten Auftritt als Bayern-Profi in der Allianz-Arena, als er beim 4:1 gegen Eintracht Frankfurt von Louis van Gaal zur Pause eingewechselt wurde, wird Demichelis bei der Rückkehr an jene Stätte natürlich von Erinnerungen begleitet, doch diese Sentimentalitäten wird er nach eigenem Bekunden nicht richtig an sich ranlassen. „Natürlich ist es etwas Besonderes, ich habe da zwölf Jahre gelebt, mein erstes Kind ist dort geboren, ich hatte dort große Erfolge und schöne Momente“, sagte Demichelis, beteuerte jedoch zugleich: „Aber die Menschen, die mich kennen, wissen auch ganz genau, dass ich mich dabei voll bei RB Leipzig fühle. Ich bin voll fokussiert auf meine Mannschaft, auf meine Jungs. Und ein Sieg in München wäre doch geil.“ Wie sich das anfühlt, hat er schon vor knapp 13 Jahren erlebt, als er im Trikot von Manchester City mit 3:2 beim FC Bayern gewann.

 16 Jahre nach seinem letzten Heimspiel für den FC Bayern kehrt Martin Demichelis in die Allianz-Arena zurück. Nimmt man die letzten RB-Gastspiele zum Maßstab, scheint seine Mission mit Leipzig nahezu aussichtslos. 

 

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