Atalanta Bergamo möchte nicht als einziger italienischer Klub Leverkusens Top-Talent Kerim Alajbegovic verpflichten. Der bosnische WM-Teilnehmer hat Bayer 04 seinen Wechselwunsch mitgeteilt. Doch eine schnelle Einigung ist nicht zu erwarten, besitzt die Personalie doch einen vielschichtigen Hintergrund.
Bergamo forciert Wechsel
Spätestens seit der WM-Qualifikation, bei der Kerim Alajbegovic als Joker und Elfmeterschütze mit Torgefährlichkeit und Siegermentalität bestach, stellt der 18-jährige bosnische Nationalspieler ein ganz heißes Thema dar. Nach dessen Auftritten bei der WM ist der Hype weiter gewachsen. Jetzt gibt vor allem Atalanta Bergamo im Rennen um den Rechtsfüßer für die linke Offensivseite Gas. Doch der mögliche Wechsel hat vielschichtige Hintergründe. Der kicker beantwortet die entscheidenden Fragen.
Was will Alajbegovic?
Der Offensivspieler hat Italien als nächsten Schritt für seine noch junge Profi-Laufbahn ausgemacht. Dort möchte er bei einem ambitionierten Klub in einer der europäischen Top-5-Ligen die nächste Stufe auf der Karriereleiter erklimmen. Dabei steht für den 18-Jährigen das Thema sichere Einsatzzeiten ganz oben auf der Prioritätenliste. Da der schussstarke Rechtsfüßer kein ausgewiesener Konterspieler ist, zieht es ihn zu einem Klub, der für Ballbesitzfußball steht. Kann er doch dort seine Stärken am besten ausspielen.
Warum sieht Alajbegovic in Italien oder England bessere Chancen?
In Leverkusen herrscht auf Alajbegovics Idealposition ein massives Überangebot. Das Top-Talent möchte allerdings nicht als 1b-Lösung fungieren. Ein Wunsch, dessen Chancen auf Erfüllung der Jung-Profi erst recht nach der Verpflichtung von Linksaußen Afonso Moreira (21, Olympique Lyon, 29 Millionen Euro Ablöse) nicht zwingend als gegeben sah und sieht. Gleiches gilt im verstärkten Maße für einen Top-Klub der Premier League, bei dem der Teenager nur als Backup eingeplant wäre. Deshalb hat er seinen Wechselwunsch in die Serie A bei Bayer 04 hinterlegt.
Warum ist keine schnelle Einigung zu erwarten?
Auch wenn der Corriere dello Sport am späten Montag schrieb, dass eine Einigung zwischen Bergamo und Bayer 04 unmittelbar bevorstünde, ist dieses Szenario quasi auszuschließen. Der Grund: Kein Klub der Serie A wird eine solch hohe Ablöse zahlen, wie sie Bayer von einem Verein aus der Premier League bekommen könnte. Schon eine Fixsumme von 30 Millionen Euro gilt in Italien als sehr hoch. Da Atalanta aber nicht der einzige Klub ist, der in seinen Bemühungen um Alajbegovic konkret wird, besteht für Leverkusen keinerlei Anlass, die eigenen Vorstellungen bezüglich der Ablöse zu reduzieren. Denn auch Neapel und wohl auch Milan kämpfen um Alajbegovic.
Wie verhält sich Bayer im Ablöse-Poker?
Der eigentliche Plan von Bayer ist, dass sich der neue Trainer Carles Martinez das Top-Talent, das noch im WM-Urlaub weilt, im Training anschaut. Dementsprechend hat der Klub keinerlei Eile, den Deal über die Bühne zu bringen. Leverkusens Ablöseforderung wird dementsprechend hoch angesetzt, um die 30 Millionen Euro als Fixsumme plus Boni und eine Weiterverkaufsbeteiligung. Dieses Paket dürfte, wenn überhaupt, nur langsam einzuschmelzen sein. Schließlich geht es bei Alajbegovic nicht nur um die Frage der Ablöse, sondern auch darum, wie Bayer 04 einen Abgang nach außen und vor allem gegenüber den eigenen Fans gut verkaufen kann.
Warum ist der Deal heikel?
Bei den Bayer-Fans ordnen viele Alajbegovic als den neuen Wirtz ein, also als ein absolutes Top-Talent, das sie am liebsten im eigenen Klub spielen sehen wollen. Bei einem Verkauf unter 30 Millionen Euro würde ein solcher nicht als wirtschaftlicher Erfolg, sondern als das verkehrte sportliche Zeichen angesehen. Und das, obwohl der 18-Jährige noch kein einziges Spiel in einer europäischen Top-Liga absolviert hat. Erst recht, wenn der direkte Alajbegovic-Konkurrent und 32-Millionen-Euro-Einkauf Eliesse Ben Seghir nach einer niederschmetternden ersten Saison bei Bayer 04 auch in der kommenden Spielzeit nicht in Schwung kommen sollte, könnte ein Alajbegovic-Verkauf Bayer auf die Füße fallen.
Warum wäre Alajbegovics Verbleib wichtig fürs Image?
Mit Alajbegovic könnte Bayer sein Image als Klub pflegen, in dem internationale Stars ausgebildet werden. Nach Kai Havertz (heute FC Arsenal) und Florian Wirtz (FC Liverpool), der als 16-Jähriger vom 1. FC Köln unter das Bayer-Kreuz wechselte, wäre Alajbegovic potenziell der dritte Offensiv-Star made by Bayer. Womit er als Role-Model für Talente dienen würde, die Leverkusen in Zukunft in seine Nachwuchsabteilung locken möchte.
Atalanta Bergamo möchte nicht als einziger italienischer Klub Leverkusens Top-Talent Kerim Alajbegovic verpflichten. Der bosnische WM-Teilnehmer hat Bayer 04 seinen Wechselwunsch mitgeteilt. Doch eine schnelle Einigung ist nicht zu erwarten, besitzt die Personalie doch einen vielschichtigen Hintergrund.
